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Frauen und Männer spielen bei diesem Turnier auf einem Platz | © DGV

Lernziele erreicht, Scores ausbaufähig

San Roque/Andalusien – Die European Nations Championship 2026 ist beendet und beide deutschen Teams haben die Woche in Andalusien mit Ergebnissen abgeschlossen, die nicht in erster Linie den Anspruch definieren, wohl aber den Wert dieses Turniers unterstreichen. Auf dem kompromisslos selektiven Platz des Real Club de Golf Sotogrande belegten die deutschen Frauen mit einem Gesamtscore von +21 Rang acht. Den Sieg sicherte sich Schweden mit gesamt sechs unter Par vor England und Frankreich, die sich mit jeweils einem Schlag unter Par den zweiten Platz teilten.


Bei den Männern war England in einer eigenen Liga unterwegs. Mit einem beeindruckenden Gesamtergebnis von 31 unter Par holte sich das Team von der Insel souverän den Titel. Frankreich folgte mit -17 auf Rang zwei, die Niederlande kamen mit -7 auf den dritten Platz. Deutschland beendete das Turnier bei +6 und schloss die Teamwertung auf Platz zehn ab.


Gerade auf diesem Platz erzählen nackte Zahlen aber nur einen Teil der Geschichte. Sotogrande hat an allen vier Tagen sehr klar aufgezeigt, wie eng gutes Ballstriking, cleveres Coursemanagement und präzises Putten miteinander verzahnt sein müssen, wenn man hier nicht nur ordentlich spielen, sondern auch tief scoren will. Entsprechend wertvoll war auch der vierte Wettkampftag für die Talente des Junior Team Germany, weil noch einmal sichtbar wurde, wie viel Substanz in ihrem Spiel steckt und an welchen Stellschrauben auf dem Weg zu noch konstanteren Spitzenleistungen weiter gearbeitet werden kann.

Frauen mit versöhnlichem Abschluss

Bei den Frauen gelang Susanna Brenske der beste deutsche Auftritt am Finaltag. Die Athletin des Hamburger GC brachte nach Runden mit 73, 79 und 75 Schlägen zum Abschluss eine 71 (-1) ins Recording und verbesserte sich damit noch bis auf den zwölften Platz. Damit war die Falkensteinerin nicht nur beste Deutsche im Endklassement, sondern setzte auch einen Schlusspunkt, der ihr Spiel in dieser Woche sehr passend zusammenfasste: viel Qualität, Geduld und am Ende die verdiente Belohnung.


Brenske hat zum Abschluss die großen Fehler konsequent weggelassen, war gut ins Spiel gekommen und hatte sich über weite Strecken genau jene Chancen erarbeitet, die auf diesem Platz so wertvoll sind. Viele Grüntreffer, mehrere Birdiemöglichkeiten und ein insgesamt ruhiger, klarer Auftritt sorgten dafür, dass sie mit einem guten Gefühl aus dieser European Nations Championship gehen konnte. Dass die Putts am Finaltag etwas besser fielen, half zusätzlich, den Score noch einmal in den roten Bereich zu drücken.


Auch Bundestrainerin Esther Poburski freute sich besonders über diesen versöhnlichen Schlussakkord. Aus ihrer Sicht hatte Susanna Brenske die ganze Woche über vieles gut gemacht, sich aber an einzelnen Löchern immer wieder eine hohe Zahl notiert. Am Finaltag sei sie sehr konsequent geblieben, habe klug geplant, sei nicht gierig geworden und habe geduldig auf ihre Chancen gewartet. Gerade diese Mischung aus Disziplin und Kontrolle sei auf einem Platz wie Sotogrande entscheidend. Umso erfreulicher war aus deutscher Sicht, dass die Hanseatin diese Leistung am letzten Tag auch im Ergebnis sichtbar bestätigen konnte.


Sofia Maier-Borst belegte nach Runden mit 76, 78, 74 und 76 Schlägen den 24. Platz. Die Spielerin des GC St. Leon-Rot hatte am Finaltag nach eigenem Empfinden einen eher durchwachsenen Tag, an dem vor allem die ganz klaren Birdiechancen weitgehend ausblieben. Der Start verlief nicht ideal, doch bemerkenswert war, wie gut sich die Kurpfälzerin anschließend stabilisierte. Hinten heraus fand sie wieder sauber in ihren Rhythmus, konzentrierte sich konsequent auf den nächsten Schlag und hielt die Runde damit ordentlich zusammen.


Gerade diese Reaktion verdient auf einem Platz wie Sotogrande besondere Beachtung. Wer hier nicht gut beginnt, kann leicht in einen negativen Strudel geraten. Maier-Borst gelang es jedoch, den Fokus wiederzufinden und sich in schwieriger Lage zurück in ihre Struktur zu arbeiten. Entsprechend fiel auch ihr Gesamtfazit positiv aus. Sie nahm nach eigener Einschätzung extrem viel aus der Woche mit, hatte sehr viel gelernt und konnte aus den vier Tagen wichtige Erfahrungen mitnehmen, auch wenn sie ihr volles Leistungsvermögen nicht jederzeit auf die Scorekarte bringen konnte.


Sophie Renner vom Stuttgarter GC Solitude kam nach drei konstanten Runden mit jeweils 75 Schlägen am Finaltag auf eine 80 und beendete das Turnier auf Rang 25. Die Schwäbin hatte damit zwar keinen Abschluss, wie sie ihn sich selbst gewünscht hätte, dennoch bleibt ihr Auftritt in Sotogrande insgesamt solide. Über drei Tage war Renner zuverlässig, hatte sich als Anker der Beständigkeit erwiesen und mit viel Ruhe, taktischer Disziplin und einer stabilen Grundlinie überzeugt.


Am Finaltag kam dann allerdings nicht mehr viel zusammen. Renner schilderte selbstkritisch, dass weder das Putten noch das Spiel in die Grüns richtig funktioniert habe und sich kleinere Fehler im Verlauf der Runde aufsummierten. Birdies gelangen ihr keine mehr. Gerade deshalb war es Esther Poburski wichtig, die Gesamtleistung der Solituderin in den richtigen Rahmen zu setzen. Der Finaltag sei zwar ein gebrauchter Tag gewesen und das sei schade, weil Sophie Renner die Woche über vieles gut gemacht habe. Genau dieser Hinweis zeigt aber auch, dass eine einzelne Runde den positiven Gesamteindruck nicht überdecken sollte. Renner hat in Sotogrande bewiesen, dass sie auf einem sehr anspruchsvollen Platz über weite Strecken diszipliniert und konkurrenzfähig agieren kann.

Wertvolle Woche mit klaren Entwicklungsschritten

Das Gesamtfazit von Esther Poburski fiel ungeachtet des Scores entsprechend positiv aus. Die Bundestrainerin Frauen/Nachwuchs sah im Bereich Coursemanagement und Strategie einen deutlichen Fortschritt. Sotogrande sei ein Platz, auf dem sich jedes Loch abhängig von Wind und Fahnenposition anders spiele. Genau dadurch würden die Athletinnen gezwungen, eigenständig anders zu denken und präziser zu planen. Diesen Prozess hätten die deutschen Spielerinnen in dieser Woche sehr gut angenommen.


Poburski ordnete dies auch in die jüngere Trainingsentwicklung ein. Die Themen Schlagplanung, Strategie, Shortgame und Putten seien im Winter gezielt angestoßen worden. Auf dem Platz in Sotogrande habe man nun sehr klar gesehen, dass hier ein großer Schritt nach vorne gemacht worden sei. Beim Putten gebe es weiterhin Arbeit, aber insgesamt sei sie mit der Woche sehr zufrieden. Es sei eine tolle Woche gewesen, in der viel gelernt, viel mitgenommen, aber eben auch viel Gutes gemacht worden sei. Diese sachliche, aber positive Einordnung beschreibt den Wert dieser vier Turniertage sehr treffend.

Männer mit Rang zehn im Endklassement

Bei den Männern blieb Deutschland am Ende auf dem zehnten Platz. Nach einem starken Auftakt und einzelnen sehr guten Runden war im weiteren Verlauf nicht genug Konstanz in der Breite vorhanden, um im Klassement weiter nach vorne zu klettern. Dennoch gab es auch am Finaltag wieder Leistungen, auf denen sich aufbauen lässt.


Bester Deutscher im Endklassement war Nils-Levi Bock vom GC St. Leon-Rot, der mit Runden von 71, 69, 75 und 75 Schlägen den 18. Platz belegte. Nach seinen beiden starken Auftaktrunden hatte sich der 19-Jährige in eine gute Ausgangslage gebracht und zeigte auch danach viele Aspekte, die sein Potenzial auf diesem Niveau unterstreichen. Mit dem Ergebnis war Bock nach eigener Aussage zwar nicht hundertprozentig zufrieden, mit der Art und Weise, wie der Score am Finaltag zustande gekommen war, allerdings schon eher als noch am Vortag.


Gerade diese Differenz ist aufschlussreich. Bock bewertete das Turnier nicht allein über das Resultat, sondern darüber, was er in seinem Spiel zeigen konnte und welche Rückschlüsse er aus den weniger gelungenen Phasen zieht. Vor allem an den ersten beiden Tagen hatte er sehr klar demonstriert, welches Niveau er auf einem Spitzenplatz abrufen kann. Aus den beiden letzten Runden nahm er bewusst das Positive mit, analysierte, was nicht optimal funktioniert hatte, und blickte bereits mit klarer Zielrichtung auf die kommenden Aufgaben.


Wolfgang Glawe vom GC Hubbelrath kam mit 71, 75, 80 und 72 Schlägen auf Rang 40. Seine Woche verlief wechselhaft, fand aber mit der 72 zum Abschluss noch einen ordentlichen Ausklang. Der erfahrene Bundesadler sprach selbst von einer durchwachsenen Woche, die am Ende immerhin gut geendet habe. Auch wenn es nicht seine Woche gewesen sei, wolle er den Blick nach vorne richten und daraus lernen. Gerade nach einem schwierigen dritten Tag war diese Reaktion ein positives Signal. Der Finaltag zeigte, dass Glawe sich stabilisieren und noch einmal ein deutlich besseres Ergebnis setzen konnte.


Tjelle Rieger vom GC St. Leon-Rot hatte mit 75, 72, 69 und 78 Schlägen am Ende Rang 28 inne. Seine Turnierwoche war in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild dessen, was Sotogrande so schwierig macht. Nach zwei eher wechselhaften Tagen hatte sich der gebürtige Hamburger mit einer starken 69 am dritten Tag eindrucksvoll nach vorne gearbeitet. Auch am Finaltag verdienten die langen Schläge nach eigener Einschätzung zunächst mehr, als sich auf der Scorekarte abbildete. Auf den ersten zwölf Löchern blieb das Scoring hinter dem zurück, was spielerisch möglich gewesen wäre.


Als Rieger sich auf Loch 12 das Momentum holen wollte, gelang genau das nicht, und wie schon an den Tagen zuvor zeigte der Platz sofort seine Zähne. Jeder kleine Fehler wurde umgehend bestraft, besonders auf den letzten sechs Löchern bekam der SLR-Athlet das deutlich zu spüren. Dennoch bleibt unter dem Strich auch bei ihm ein positives Gesamtbild. Die Entwicklung über die Woche war sichtbar, vor allem im langen Spiel und in der Art, wie er sich Birdiechancen erarbeitete. Dass auf einem der selektivsten Plätze Europas nicht jeder Schritt nach vorne sofort im Score sichtbar wird, gehört genau zu den Lektionen, die bei diesem Turnier gelernt werden.


Tim Brohl vom GC Rhein-Sieg schloss die Woche mit einer 73 ab und belegte Rang 43, nachdem er zuvor Runden mit 72, 78 und 76 Schlägen absolviert hatte. Der junge Rheinländer hatte in seiner ersten European Nations Championship mehrere schwierige Phasen zu verarbeiten, zeigte am Finaltag aber noch einmal eine ordentliche Runde, mit der er selbst weitgehend zufrieden war. Einzelne Fehler auf den Löchern 10, 12 und 18 mit jeweils einem Dreiputt sowie ein verfehltes Grün aus kurzer Distanz an Loch 13 verhinderten einen noch besseren Score.


Abgesehen davon zog Brohl ein positives Fazit. Die Woche sei cool und lehrreich gewesen. Gerade für einen Debütanten ist diese Einschätzung von Gewicht. Wer in Sotogrande antritt, bekommt vier Tage lang sehr präzise Rückmeldung über die eigene Spielreife, über Entscheidungsqualität und über die Fähigkeit, auf Rückschläge zu reagieren. Brohl nahm genau daraus wichtige Erkenntnisse mit und sammelte Erfahrung, die ihm bei den nächsten internationalen Aufgaben helfen wird.

Lernen auf höchstem Niveau

So endete die European Nations Championship aus deutscher Sicht nicht mit einem Paukenschlag im Klassement, wohl aber mit vielen wertvollen Eindrücken. Die Frauen schlossen das Turnier auf Rang acht ab, die Männer auf Rang zehn. Beides sind Resultate, die Luft nach oben lassen, aber in erster Linie im Kontext dieses außergewöhnlichen Turniers gelesen werden müssen.


Sotogrande fordert auf höchstem Niveau. Der Platz deckt schonungslos auf, wo Präzision, Geduld und Strategie tragen und wo noch weiter gearbeitet werden muss. Genau deshalb bleibt dieses traditionsreiche Turnier für die Athletinnen und Athleten des Junior Team Germany eine so wertvolle Station im Kalender. Die deutschen Teams haben in Andalusien viel gelernt, an vielen Stellen gute Fortschritte gezeigt und einzelne starke Ausrufezeichen gesetzt. Susanna Brenske setzte mit ihrer Finalrunde einen besonders schönen Schlusspunkt, Nils-Levi Bock bestätigte seine Klasse vor allem in der ersten Turnierhälfte, und auch die übrigen Bundesadler nahmen aus dieser Woche Erfahrungen mit, die weit über das reine Ergebnis hinausreichen.


Am Ende stand damit kein rauschender Medaillenjubel, aber ein Abschluss, der auf sachliche Weise Mut macht. Beide Teams konnten aus einer anspruchsvollen Woche erhobenen Hauptes herausgehen, weil der Erkenntnisgewinn groß war und weil sichtbar wurde, dass in diesem Kreis viel Qualität vorhanden ist. Genau das ist aus deutscher Sicht die wichtigste Nachricht, die aus Sotogrande mit nach Hause genommen wird.
 


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