Zweimal Rang neun vor dem Finale
San Roque/Andalusien – In der Teamwertung, die bei der European Nations Championship im Mittelpunkt steht, treten beide deutschen Vertretungen am dritten Wettkampftag auf der Stelle. Die Männer gehen mit gesamt zwei über Par von Rang neun in die Finalrunde. An der Spitze hat England mit -21 satte sieben Zähler Vorsprung auf Frankreich. Weitere acht Schläge dahinter folgt Italien mit -6.
Bei den Frauen hat sich Schweden bei gesamt sechs unter Par einen kleinen Vorsprung auf Frankreich erkämpft. Die Grande Nation hat vier Schläge Rückstand auf die Skandinavierinnen, liegt dabei aber nur einen Zähler vor England. Die deutschen Frauen liegen wie die Männer auf Rang neun, haben in Summe +18 Schläge in der Wertung.
Gefühl und nackte Zahlen
Dass der Score und das gefühlte Spiel nicht immer deckungsgleich sind, erfährt Tjelle Rieger in diesen Tagen. Der Spieler vom GC St. Leon-Rot hat am dritten Tag seinen bislang besten Score unterschrieben, hatte dabei aber nicht das Gefühl, an den Tagen zuvor schlechter gespielt zu haben. Nach fünf und vier Birdies schaffte es der gebürtige Hamburger, der im GC Ahrensburg mit dem Golfsport begonnen hatte, satte sechs Birdies zu spielen. Gleichzeitig hatte Rieger nur drei Bogeys auf der Karte, sodass er eine 69 (-3) unterschreiben durfte und sich in der Einzelwertung auf Rang 16 verbesserte.
„Ich habe mich heute einfach sehr gut in Position gebracht. Mein Approachplay wird über die Woche hinweg gesehen immer besser. Ich habe dadurch mehr Chancen gehabt und konnte relativ viele Birdies machen. Ich bin sehr, sehr happy mit der Entwicklung hier im Turnier, vor allem damit, dass ich aus den vorherigen Tagen immer etwas lernen konnte und dann mit einer neuen Idee am nächsten Tag aufs Tee gegangen bin. Dazu kommt noch, dass auch die Umsetzung immer relativ gut geklappt hat. Das ist natürlich super. Auf der letzten Runde möchte ich auf jeden Fall da anknüpfen, wo es jetzt die letzten beiden Tage aufgehört hat“, so Rieger.
Durch die Schritte in die richtige Richtung hat der 20-Jährige das Vertrauen in sein Spiel wieder voll aufgebaut und geht gut vorbereitet in die Finalrunde.
Jeder kleine Fehler wird bestraft
Tim Brohl bekommt als amtierender Deutscher Jugendmeister in Sotogrande das internationale Niveau zu spüren, mit dem der Platz des gastgebenden RCG Sotogrande gnadenlos selektiv ist und die Talente aus ganz Europa herausfordert, viel zu lernen. Der Rheinländer, der in Bad Neuenahr mit dem Golfsport begonnen hat und aktuell im GC Rhein-Sieg seine sportliche Heimat hat, musste am dritten Wettkampftag einige Situationen verarbeiten, in denen er eigentlich einen guten Schlag gemacht hatte, die Lage danach aber eher eine Strafe war: „Ich habe heute aber versucht, bei mir zu bleiben, was im Allgemeinen auch gut funktioniert hat. Meine schlechte Wedge-Kontrolle hat mich drei Schläge gekostet. Dazu kamen noch kleine Flüchtigkeitsfehler auf den Löchern 3 und 18.“ Mit einem Birdie und fünf Bogeys kam Tim Brohl vom Platz. Nach der 76 (+4) teilt sich der Youngster den 46. Platz mit dem Routinier der Mannschaft. Wolfgang Glawe hat sich von 71 über 75 auf 80 Schläge verschlechtert. Der Hubbelrather, der aus der Talentschmiede des GC Mannheim-Viernheim stammt, brachte kein Birdie auf die Karte, musste aber vier Bogeys und zwei „Doubles“ hinnehmen. Früh auf der Runde hatte Glawe dabei ein Ruling, bei dem ihm ein Freedrop verwehrt wurde, auf den er durchaus realistischen Anspruch gehabt hätte. Das Momentum war damit früh weg und der in Bangkok geborene Athlet fand danach nicht zu seinem Spiel.
Weiterhin bester Deutscher
Auf Rang 14 weiterhin bester Deutscher ist Nils-Levi Bock vom GC St. Leon-Rot, auch wenn er sein schlechtestes Ergebnis ins Recording brachte. Drei Birdies waren eine brauchbare Quote, aber daneben stehen zwei Bogeys und zwei „Doubles“. Das summierte sich an diesem Tag zu 75 Schlägen (+3) auf.
„Ich war mit meinem Tag nicht ganz zufrieden heute, weil ich mir einiges vorgenommen hatte, was ich aber nicht zu 100 Prozent umsetzen konnte. Ich bewerte die Runde gar nicht nach dem Ergebnis, sondern eher nach der Art und Weise, wie ich in den jeweiligen Momenten gehandelt habe. Mein Spiel ist momentan sehr gut, sodass ich morgen wieder einen Schritt nach vorne machen kann. Der heutige Tag hat mir gezeigt, was ich morgen besser machen muss. Ich freue mich sehr auf einen guten Abschluss auf diesem wunderschönen Platz“, bleibt der 1,96 Meter-Hüne mental auf einem positiven Weg.
Antonia Eberhard fand als betreuende Coachin vor allem zur Entwicklung von Tjelle Rieger positive Worte: „Er hat das super gemacht. Tjelle adaptiert immer schneller und passt sich den Gegebenheiten an. Das gefällt mir sehr gut.“
Die 75 steht
Sophie Renner erweist sich dieser Tage als Anker der Beständigkeit. Die Athletin des Stuttgarter GC Solitude hat auch am dritten Wettkampftag eine 75 (+3) ins Recording getragen und behauptet sich als beste Deutsche auf dem 16. Platz. Wie schön zum Auftakt stand den vier Bogeys wieder ein Birdie gegenüber. Dabei war das Spiel der Schwäbin auf den ersten zwölf Löchern erkennbar besser als an den beiden Tagen zuvor. Ausgewiesen wird dies durch die höhere Zahl der Grüns in Regulation.
„Auf den letzten sechs Löchern habe ich leider ein bisschen den Faden verloren. Dadurch sind mir dann noch drei Bogeys unterlaufen. Das ärgert mich ziemlich, weil ich selber gemerkt habe, dass ich eher versucht habe, Fehler zu vermeiden, anstatt einfach konsequent meinen Plan durchzuziehen. Heute wäre deutlich mehr drin gewesen wäre. Trotz allem bin ich mit den ersten zwölf Löchern sehr zufrieden und versuche, das morgen noch über das zwölfte Loch hinaus mitzunehmen. Insgesamt war es ein solider Tag“, fasst Renner ihren Runde zusammen.
Die Scorekarte der Farben
Susanna Brenske brachte eine spektakuläre bunter Scorekarte ins Recording, von Birdie bis „Triple“ waren alle Farben vertreten. Früh brachte die Falkensteinerin ihr erstes Birdie unter. Es folgten zwei Bogeys und ein Doppelbogey. Brenske bewies Steh-Auf-Qualitäten, als sie ihren Score mit dem zweiten Birdie wieder freundliche gestaltete und sich auch dann nicht geschlagen gab, als sie auf Loch 12 ein Triplebogey spielte. Zwei Bälle wurden gewässert. Stark, wie das Nordlicht danach mit noch zwei weiteren Birdies ihren Score auf 75 (+3) drückte. Von Platz 20 geht es bei diesem stark besetzten Feld in die Finalrunde.
„Heute lief es eigentlich deutlich besser. Ich hatte teilweise wieder mein A-Game dabei. Aus der Teebox lief es gut und auch die Schläge ins Grün waren gut. Das Putten war mal wieder nicht so gut, sodass ich zwei sehr gute Birdie-Chancen nicht nutzen konnte“, bilanzierte die 21-Jährige ihren Tag.
Sofia Maier-Borst
Der beste deutsche Tagesscore war gleichzeitig auch die bislang beste Turnierrunde von Sofia Maier-Borst. Die Dossenheimerin glich zwei der vier Bogeys mit Birdies aus und unterschrieb eine 74 (+2). Die SLR-Athletin traf viele Fairways und daraus resultierende auch die meisten Grüns. Wenn es doch mal einen Miss gab, war der zumeist auf der besseren Seite, sodass das Up-and-down oft gut machbar war. Dazu kam noch ein brauchbares Shotgame und ein wohltemperierter Putter. „Gefehlt haben die wirklich guten Birdiechancen. Morgen gebe ich noch mal mein Bestes. Ich habe jetzt schon extrem viel von diesem Platz mitgenommen. Hier kann man taktisch sehr viel lernen“, erfüllt Sofia Maier-Borst die oberste Aufgabe, die in diesem Turnier gestellt wird.
Zwischenfazit der Bundestrainerin
Auch Esther Poburski ist im Großen und Ganzen ganz zufrieden. Der Platz war durch die Fahnenpositionen erneut ein wirklicher Prüfstein. „Das haben wir echt gut gemacht. Schlagplanung und Kursmanagement fand ich sehr gut. Was wir am Finaltag eindeutig verbessern müssen: Auf den Par-5-Löchern haben wir zu viele Schläge liegen lassen. Das ist ein bisschen schade, auch wenn es gefühlt mit die schwersten Par 5 sind, die ich kenne. Das ist erstmal ein großes Tagesziel und dann schauen wir mal, was dabei rauskommt und ob wir noch einen Satz nach vorne machen können“, so Poburski.








