Hamburgs stille Helden
Gareth Bremner ist Schotte. Der 46-Jährige kommt von der Isle of Arran. Auf der Insel vor der schottischen Westküste, die flächenmäßig ungefähr so groß ist wie die Stadt Köln, leben rund 5000 Menschen, aber es gibt sieben Golfplätze. Sieben! Klar ist Bremner mit Golf groß geworden. Seit 2017 ist er Head-Greenkeeper im Hamburger GC und eben dort dafür zuständig, dass auf dem Gelände alles passt. Eine Wiese, über die HGC-Tourspielerin Christin Eisenbeiß sagt: „Falkenstein ist ein unheimlich schöner Golfplatz. Er ist einzigartig; keine Wasserhindernisse, aber dafür die Heide überall. Wenn die blüht, ist es einmalig.“
Zu blühen beginnt sie genau jetzt, wenn die Deutsche Golf Liga presented by All4Golf mit Spieltag eins in die 1. Bundesliga Nord startet. Bremner: „Das DGL-Wochenende ist besonders für uns; da steht ein hochgefahrenes Pflegeprogramm an. Die Vorarbeit beginnt eigentlich schon Wochen vorher mit Düngen, Wassermanagement und Aerifizieren. Am Spieltag selbst sind wir mit zehn Personen ab 4.30 Uhr im Einsatz, damit die Teams, wenn sie um 8 Uhr starten, gute Bedingungen vorfinden.“ In diesem Jahr sei die Vorarbeit vielleicht noch intensiver als sonst, was nicht nur daran liegt, dass der HGC 2026 seinen 120. Geburtstag feiert. „Hamburg lag in diesem Winter ungewöhnlich lange unter einer Schneedecke. Daher ist das Wachstum vielleicht etwas später dran“, so Bremner.
Aber hey, der Mann ist Schotte – der kennt sich aus mit widrigen Wetterbedingungen. Seine Mannschaft ist also am ersten DGL-Spieltag am 16./17. Mai schon knapp vier Stunden unterwegs, bevor die ersten Drives fliegen. Wenn sich Spielerinnen und Spieler sowie Trainer und Betreuer noch mit dem Gedanken plagen, wo sie morgens den ersten Cappuccino bekommen, wurden draußen auf der Anlage schon Fairways, Abschläge und Semirough gemäht, Grüns gewalzt, Bunker gerecht. Zehn Maschinen sind auf den Bahnen unterwegs, um optimale Spielbedingungen zu schaffen auf dem Areal, das seinerzeit Golfplatzarchitekt Harry S. Colt mit Hingabe ins Hamburger Heidegelände gezaubert hat. Bremner: „Das war damals Handarbeit, diese Landschaft ist ein Genuss.“
Dieser Verantwortung sind sich die zehn Männer aus dem HGC-Greenkeeping-Team durchaus bewusst. „Wir sind international und kommen aus sieben verschiedenen Nationen“, erklärt Bremner. Die Crew setzt sich zusammen aus Mitarbeitern aus Tschechien, Polen, Spanien, Irland, Schottland, Deutschland und Benin. Worauf man stolz ist in Falkenstein: Es sind vier Quereinsteiger dabei, von denen zwei ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Zwei weitere sind mittendrin. Es ist einfach einiges zu tun an so einem DGL-Spieltag.
Wenn die Arbeit am frühen Morgen getan ist, schauen einige am DGL-Spieltag zu, andere fahren nach Hause und ruhen sich aus. Dann nämlich, wenn die Teams die Bahnen langsam wieder frei machen, geht es weiter. Von ca. 17 bis 22 Uhr steht die nächste Schicht fürs Team Greenkeeping an, denn auch am Sonntagmorgen wollen die zehn Mannschaften aus der 1. Bundesliga Nord wieder auf einem topp gepflegten Golfplatz spielen. Bremner: „Am späten Abend gehen wir ins Bett und haben nicht viel Schlaf, denn der Wecker klingelt wieder um etwa 4 Uhr.“ Kurzum: Die Greenkeeper fahren zwar laute und schwere Maschinen, sind aber die stillen Helden an so einem ganz normalen DGL-Spieltag, an dem Zuschauer willkommen sind und der Eintritt frei ist.









