„Habe so etwas in Deutschland noch nicht annähernd erlebt“
Herr Gögele, Sie kommen gerade von der Senior PGA Championship aus Maryland (USA) zurück. Wie waren Ihre Eindrücke? Welche Begegnungen oder Momente bleiben in Erinnerung?
Es war natürlich ein tolles Turnier mit den weltbesten Spielern im Ü50-Senioren Bereich. Der Congressional Country Club ist unglaublich beeindruckend. Einen der großen US-Open-Plätze zu spielen, ist etwas ganz Besonderes.
Wie haben Sie den Platz im Vergleich zu europäischen Top-Anlagen erlebt und wie waren Stimmung, Zuschauer-Interesse und Medienpräsenz dort?
Man kann so einen Platz schwer mit Plätzen in Europa vergleichen. Die finanziellen Möglichkeiten eines solchen Clubs sind hier nicht vorstellbar. Nach der US Open 2011 wurden auf der Anlage 3500 Bäume gefällt, weil sich die Mitglieder entschieden hatten, den Platz in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Als er gebaut wurde, war es offenes, Links ähnliches Land, 2011 war es ein Waldplatz. Jetzt ist er wieder fast baumfrei. Die Qualität der Fairways und Grüns war beeindruckend; die Grüns haben ein Belüftungssystem, mit dem die Temperatur und Feuchtigkeit reguliert werden können. Schon bei der Trainingsrunde am Montag waren die Grüns so hart, alle Spieler fanden es unglaublich schwer. Die Landezonen auf den Grüns waren so klein und die Grüns so onduliert und schnell, dass es extrem anspruchsvoll war. Ich habe so etwas in Deutschland noch nicht annähern erlebt. Die Atmosphäre vor drei Jahren in Benton Harbour schien mir ,amerikanischer', mit mehr Stimmung und lauten, motivierenden Zuschauern zu sein. Congressional war etwas erhabener, aber es war in jedem Fall eine beeindruckende Woche.

Bernhard Langer war nicht am Start, mit Alex Cejka jedoch noch ein zweiter Deutscher. Gab es Gespräche unter Landsmännern? Tauscht man sich aus? Mit wem der Mitspieler bzw. Konkurrenten hatten Sie den engsten Kontakt?
Auf den Turnieren in Europa bin ich meistens mit Markus Brier unterwegs, der diesmal leider nicht dabei war. Da mich Nicole (Gögeles Frau und Bundestrainerin Frauen, Anm. d. Red.) begleitet hat, und wir sehen uns auch nicht oft, haben wir die Woche zu zweit genossen. Fast alle Spieler kenne ich von früher aus meiner aktiven Zeit auf der European Tour und wir ,Legends Tour Europäer' sind eh zusammen, essen und spielen Proberunde. Alex und ich kennen uns auch schon ewig, wir saßen am Sonntag in der Players Lounge, haben die letzten Löcher am Bildschirm verfolgt, geplaudert und uns für die Proberunde bei der US Open verabredet.
Sie hatten mal gesagt, Sie spielen am besten, wenn ihre Frau dabei ist. Sie war vor Ort. Sie haben den Cut verpasst. Woran hat es gelegen?
Das ist in diesem Fall ganz einfach zu sagen. Aufgrund unseres Turnierplans war das PGA Championship erst mein viertes Turnier dieses Jahr. Drei Turniere von Februar bis Mitte Mai zu spielen, ist nicht viel. Irland, die Woche vor der PGA, war daher eine wichtige Vorbereitung. Nachdem ich die Woche vor Irland zum ersten Mal in meiner Karriere extreme Rückenprobleme bekommen habe, konnte ich nicht trainieren und musste in Irland nach neun Löchern aus dem Turnier aussteigen. Ich habe also gut zwei Wochen vor der PGA kein Golf gespielt. Mit so einer Vorbereitung war es klar, dass es schwer wird. Ich war froh, dass ich mich einigermaßen bewegen konnte und wir haben trotzdem noch recht ordentlich performt. Zwei falsche Entscheidungen im Wind haben uns dann um einen Schlag den Cut und eine gute Platzierung gekostet. So ist das Spiel eben.
Mit Cabrera, Bjørn und Harrington landeten drei große Namen ganz vorn. Wie haben Sie das Trio erlebt und verfolgt?
Da ich das Wochenende noch dort geblieben bin, um zu trainieren, habe ich mir noch ein paar Situationen angesehen. Die Schlusslöcher wie erwähnt mit Alex vor dem Fernseher. Das Finish mit Cabrera und Harrington war schon interessant. Auch was unsere Besten dann auch noch für Fehler machen. Trotz der extrem guten Form, in der sie sind.
Wie sieht der Saisonplan aus? Welche Turniere kommen als nächstes und bekommt man nach so einem Major nicht Lust, weitere große Events zu spielen?
Natürlich sind die Majors die Highlights der Saison, aufgrund meiner Top-Ten-Platzierung in der letztjährigen Order of Merit bin ich ja dieses Jahr für alle drei qualifiziert. Es lohnt sich zu trainieren, um dort immer wieder dabei zu sein. Bei mir steht als nächstes nach zwei Wochen Pause ein Legends-Tour-Turnier in Griechenland an und dann eine Woche später die US Seniors Open. Dann China, die Schweiz und Ende Juli die Seniors British Open. Ich bin sehr wahrscheinlich der einzige Spieler, der diese Saison drei Majors spielt und dazwischen noch Unterricht gibt. Ich muss mir meine nächsten Wochen also sehr gut organisieren, um dort meine beste Leistung abrufen zu können.
Sie betreiben eine Golfschule am Starnberger See. Was macht Thomas Gögele eigentlich, wenn er gerade nicht golft oder Golf-Unterricht gibt?
Golf ist in unserer Familie natürlich sehr wichtig. Wenn ich aber mal abschalten möchte, lese oder koche ich sehr gerne. Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Familie, betreibe gerne Sport oder kümmere mich um unseren Garten. Ich denke ganz normale Sachen.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommenden Turniere!








