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Das etwas andere Golf-Duo: Dr. Helmut Luft (101) und Sarah Spitzer (41) bringen Golf und Musik zusammen. | © Privat

Golf, Geige und Generationen

Dr. Helmut Luft, ehemals einer der renommiertesten Nervenärzte des Landes, ist in Golfkreisen bekannt, da er Turniere in aller Welt gespielt hat und seit seinem 100. Geburtstag trotz Altersbehinderung noch Privatrunden auf Plätzen in der Nähe spielt. Für ihn ist Golf „…das beste Anti-Aging-Programm, das man sich vorstellen kann“. Bei einem Konzert lernte der Musikliebhaber im Sommer 2024 die Violinistin Sarah Spitzer kennen. Dabei erzählte er ihr, dass er das Golfspiel für seine körperliche Fitness verantwortlich mache. „Ich konnte das nicht so recht glauben und verabredete mich mit ihm auf dem Platz“, berichtet die Musikerin und leidenschaftliche Golferin mit Handicap 17,1. „Und siehe da: Er spielte voller Elan ein Loch nach dem anderen.“ Die beiden trafen sich seitdem viele Male zum Golfen, es entwickelte sich eine Freundschaft.

 

Doch das kunstinteressierte Paar verbindet nicht nur das Spiel mit Schläger und Ball, sondern auch das Interesse an der kognitiven Seite der Bewegungsabläufe. „Wir erfahren wechselseitig Denkanstöße voneinander, und jetzt ist ganz von selbst ein Artikel daraus entstanden“, berichtet Sarah Spitzer. Darin geht es um die Zusammenhänge zwischen Golf und dem Geigenspiel bzw. der Musik. Sarah Spitzer hat einige Gemeinsamkeiten erkannt. Zum Beispiel die Bewegung. Wie beim Abschlag sei auch beim Geigenspiel „eine eigentlich unnatürliche, unbequeme Körperhaltung erforderlich. Das Instrument wird zwischen Kinn und Schulter eingeklemmt. Der linke Arm ist dabei verdreht und der rechte schwebt mit dem Bogen scheinbar schwerelos über die Saiten“. In beiden Fällen entschieden Millimeter-Bruchteile übers Gelingen. 

Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Golfer und Geiger während eines Turniers bzw. eines Konzertes unter Anspannung völlig auf sich allein bzw. auf ihre Fähigkeiten gestellt sind.“ Auch veränderten Golf und Musik die Gehirnstruktur nachhaltig. „Es wurde bereits mehrfach in computergestützten Hirnscans erwiesen, dass die Gehirne von Musikern und Golfern, die bereits in jungen Jahren mit der Ausübung begonnen haben, deutliche Unterschiede zur Allgemeinheit aufweisen“, so Sarah Spitzer. 

Besser schwingen mit Musik

Hirnforscher und Neurologe Dr. Helmut Luft sieht neben den Gemeinsamkeiten vor allem auch die positiven Auswirkungen von Tönen und Rhythmen auf das Golfspiel. Golfer könnten Musik für ihren Schwung nutzen. „Man greift einen zufälligen Ohrwurm, Schlager, ein Volkslied oder eine klassische Kadenz oder Jazzstück auf und singt oder summt das innerlich leise, oder denkt es nur. Ob mehr die Melodie, der Text oder der Rhythmus – entscheidend ist, dass es den komplizierten Schwung unbewusst als Zusammenspiel von Hirnzellen und Synapsen aktiviert und koordiniert“, schreibt Luft in seinem Artikel. Die moderne Hirnforschung habe nachgewiesen, dass durch stete Wiederholung und Übung schon in kurzer Zeit neue Hirnzellen und verbindende Synapsen gebildet werden, sodass der optimierte Schwungkreis automatisch ablaufe. 

 

Auch manche Golfplätze bemühten sich um eine musikalische Atmosphäre. So hätten die Abschläge auf dem Golfplatz Bayreuth die Namen von Wagner-Opern und Leitmotiven des Komponisten. Zudem werbe beispielsweise Europas ehemals beste Golferin Annika Sörenstam für das Singen; Rory McIlroy beschrieb in einem Interview, dass ihm Musik helfe sich zu fokussieren und zu entspannen, und Ian Poulter sagte einmal: „Wenn ich beim Training Musik höre, verliere ich mich in meiner Welt und bin immun gegen Ablenkungen von außen.“ Das sieht auch Dr. Helmut Luft so. „Als ich neulich gesundheitlich angeschlagen erst am dritten Loch mal den Ball gut traf, kam mir ‚I'm beginning to see the light` in den Sinn und beflügelte mich. Es kann aber auch einmal ein Tango sein…“

Für das Golfspiel sei es hilfreich, auf seine Stimmungen zu achten und sie auszugleichen. „Lähmende Angst, Ärger, Wut, Zorn blockieren, hemmen und verkrampfen und verhindern einen harmonischen Schwung. Man muss sich erst finden, zum Beispiel über Musik im natürlichen Pulsrhythmus. Das erinnert an die Herztöne der Mutter, die man als Embryo und Kleinkind hörte, und die wie ein Herzschrittmacher wirkten“, erklärt der Psychoanalytiker. So finde man die Gelassenheit für eine gute Runde. Und übrigens hat der 101-Jährige auch noch einen ganz praktischen Tipp parat: „Um beim Putten nicht hinterherzuschauen, gewöhnte ich mir an, durch die Ohren zu putten. Das heißt, eine Linie durch beide Ohren zu denken, die im Loch endet, und dann ganz Ohr zu sein, bis der erlösende Akkord des Hineinfallens des Balles zu hören ist. Für jeden musikalischen Golfer ein Klang wie Beethovens Neunte.“ Golf mit dem Ohr. Mal eine ganz andere Herangehensweise – einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. 

Das ist Sarah Spitzer

Mit elf Jahren war sie die jüngste Geigenspielerin in der Geschichte der Budapester Musikakademie. Zudem lernte sie am Königlichen Konservatorium in Brüssel, an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin sowie an der Kunstuniversität Graz. Sie debütierte bei den Hamburger Philharmonikern und spielte unter anderem beim Schleswig-Holsteiner Musik-Festival, bei den Salzburger Schlosskonzerten sowie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. 
 

Das ist Dr. Helmut Luft

So hat Golf.de bereits vor zwei Jahren über den belesenen Senior und Hirnforscher berichtet. 

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