Partner des DGV

Das deutsche Frauenteam in Sotogrande: Sofia Maier-Borst (GC St. Leon-Rot), Susanna Brenkse (Hamburger GC) und Sophie Renner (Stuttgarter GC Solitude) | © DGV

Gelungener Start in Sotogrande

San Roque/Andalusien - Vom 15. bis 18. April wird im Real Club de Golf Sotogrande die prestigeträchtige European Nations Championship ausgetragen. Diese inoffizielle Team-Europameisterschaft im Zählspiel wird von den stärksten Mannschaften Europas besucht, wobei in diesem Jahr 13 Teams bei den Damen und 15 Teams bei den Herren antreten.

Zum Auftakt der Copa RCG Sotogrande setzt bei den Männern vor allem das englische Quartett am ersten Wettkampftag ein Ausrufezeichen und setzt sich mit einem Teamscore von zehn unter Par an die Spitze.
Frankreich ist mit -3 auf Rang zwei der erste Verfolger, aber dahinter reihen sich die Bundesadler des Junior Team Germany mit -2 auf dem geteilten dritten Platz ein.
 

Auch der Frauenkonkurrenz steht England ganz vorne, teilt sich die Führung aber mit Schweden. Diese beiden Teams haben es geschafft, den anspruchsvollen Platz mit einem Schlag unter Par zu spielen. Deutschland steht mit +4 zunächst auf Rang fünf.

Platz fünf nach Tag eins

Susanna Brenske ist bei ihrer zweiten Teilnahme an der European Nations Championship am ersten Tag die beste Deutsche. Die Falkensteinerin spielte sehr solide und musste nur zwei Bogeys notieren. Das Spiel vom Tee bis zum Grün hätte etliche Birdies verdient, aber leider war der Putter der Hanseatin eiskalt. Der längste Putt, der den Weg ins Loch fand, war nur eineinhalb Meter lang. Alle anderen Chancen, mit Birdies den Score unter Par zu drücken, blieben ungenutzt.
Entsprechend fiel das Tagesfazit der 21-Jährigen aus: „All in all bin ich sehr zufrieden mit der Runde. Der Platz war mal wieder sehr anspruchsvoll. Die Grüns sind sehr hart, aber heute gab es nicht so viel Wind. Das hat uns ein bisschen in die Karten gespielt. Trotzdem waren die Pin-Positions sehr anspruchsvoll. Ich habe ordentlich gespielt und nur zwei Grüns nicht getroffen. Trotz der guten Birdie-Chancen muss ich mich noch ein bisschen gedulden. Als Team sind wir mit diesem ersten Tag zufrieden und schauen positiv auf die nächsten Runden.“
 

Den zweiten Score in der Wertung lieferte Sophie Renner. Die Athletin des Stuttgarter GC Solitude brachte ebenfalls ein Birdie unter, musste aber vier Bogeys notieren. Vom Tee ging es fast immer sehr sicher in eine gute Lage und auch die Schläge ins Grün waren solide. Da einige Fahnen sehr am Rand standen und dadurch große Gefahr hoher Hausnummern bestand, ging es dabei aber mitunter eher auf Sicherheit in die Mitte der schnellen Grüns: „Dadurch habe ich heute zu wenig Birdies gemacht, zumal die Putts nicht gefallen sind. Schon zu Beginn der Runde sich einige Putts ausgelippt. In Summe war es ein solider Auftakt.“

Vom Platz ist die Solituderin sichtlich beeindruckt: „Ich bin das erste Mal hier und das ist wirklich ein unfassbar guter und sehr schöner Golfplatz. Das ist mit der schwierigste Platz, den ich zu der Jahreszeit bislang in Europa gesehen habe. Das ist auf jeden Fall eine tolle Herausforderung und ich finde es sehr schön, dass ich die Chance bekomme , hier zu spielen.“
 

Auch Sofia Maier-Borst war angetan, auch wenn ihr Score an diesem Tag nicht in die Teamwertung einfließt. Die Scorekarte ist bunt und so reichten starke vier Birdies nicht aus, um Even Par zu bleiben. Das Risiko, auf die Fahne zu gehen, wurde einige Male nicht belohnt und so sammelten sich sechs Bogeys und ein „Double“. Macht in Summe 76 (+4) Schläge.
 

Die Spielerin des GC St. Leon-Rot zog nach der Auftaktrunde ein durchaus positives Fazit: „Die Runde heute war tatsächlich in Ordnung. Einen so schweren Platz wie diesen habe ich tatsächlich noch nie gespielt. Von der Teebox ist es alles machbar, aber die Schläge in die Grüns sind wirklich brutal. Wenn man da nur ein bisschen auf der falschen Seite misst, dann ist es halt direkt ein Bogey oder Double. Ich habe heute wahnsinnig gut geputtet, dadurch viele Paars gerettet und einige Birdies gemacht, was auch nicht einfach ist, hier auf dem Golfplatz. Morgen will ich auf jeden Fall die Par 5 ein bisschen besser spielen und ein bisschen wacher sein. Aber grundsätzlich bin ich völlig okay mit der Runde. Da geht auf jeden Fall noch ein bisschen in den nächsten Tage.

Bundestrainerin zufrieden

Esther Poburski, Bundestrainerin Frauen/Nachwuchs, hatte viele gute Aktionen ihrer Schützlinge gesehen: „Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Coursemanagement und auch , wie die Mädels gekämpft haben. Die Fahnen wurden für uns heute sehr tough gesetzt.“

Rückkehrer

Während bei den Frauen nur Susanna Brenske mit Platzkenntnissen aus dem Vorjahr angereist ist, steht bei den Männern Nils-Levi Bock schon zum dritten Mal im Team für dieses außergewöhnliche Turnier. Tjelle Rieger feierte im Vorjahr sein Debüt, während es für Tim Brohl der erste Auftritt auf dieser ganz großen Bühne ist. Komplettiert wird das deutsche Team durch Wolfgang Glawe, der zwar insgesamt zu den routinierten Spielern im Feld gerechnet werden muss, der aber bislang noch nicht in Sotogrande für Deutschland gespielt hat. In der Auftaktrunde waren der Hubbelrather und Nils-Levi Bock mit jeweils vier Birdies bei drei Bogeys sehr gut unterwegs. In der Einzelwertung stehen die beiden nach ihrer 71 (-1) auf dem geteilten zwölften Platz.
 

Debütant Tim Brohl hielt seinen Score mit drei Birdies und drei Bogeys ausgeglichen. Entsprechend fiel das Tagesfazit des Athleten vom GC Rhein-Sieg durchaus positiv aus: „Ich habe heute teilweise schlechte Entscheidungen getroffen, habe aber im Allgemeinen gut gespielt und mich aus den schwierigen Lagen gut gerettet. Unter dem Strich war ich eigentlich zufrieden!“
 

Wie bei den Frauen, so auch bei den Männern, ist der Score nicht in der Tageswertung, in dem die meisten Birdies verzeichnet sind. Tjelle Rieger lieferte Runde ab, die wie eine Achterbahnfahrt war. Satte fünf Birdies zeigen das Potenzial, aber der SLR-Athlet musste als Preis dafür auch vier Bogeys und zwei Doppelbogeys notieren.

„Das ist ein schwieriger Golfplatz. Das weiß ja schon vom letzten Jahr. Aus der Teebox war es heute soweit eigentlich ganz in Ordnung, aber insgesamt habe ich in die Grüns zu viele schlechte Schläge gemacht. Daher musste ich viel scrambeln. Ich habe das um die Grüns gut gemacht, aber wenn man sich auf so einem Golfplatz wie Sotogrande immer wieder in Up-and-Down-Situationen bringt, dann ist man halt irgendwann auch nicht immer erfolgreich. Daher war das nicht eine Runde, wie ich sie mir vorgestellt habe. Es gibt noch ein paar Dinge zu tun, damit ich auf den restlichen drei Runden auf gute Scores komme. Aber ich bin guter Dinge, wenn ich mein Spiel um die und auf den Grüns so beibehalte“, ist der gebürtige Hamburger selbstkritisch, aber optimistisch.
 

Antonia Eberhard, die das Männerteam in Andalusien betreut, blickt ebenfalls positiv auf die kommenden Tage, zumal die Mannschaft sich nicht durch die streikbedingten Probleme bei der Anreise hat aus der Ruhe bringen lassen: „
Die Jungs haben das echt sehr professionell gehandhabt und haben sich relativ schnell den Bedingungen angepasst. Dementsprechend sind wir auch sehr gut ins Turnier gestartet: Unaufgeregt, sehr sortiert, mit einem klaren Ziel und durch die Bank weg solide. Die Jungs sind alle gut drauf. Da kann man in den nächsten Tagen noch den einen oder anderen guten Score erwarten. Deswegen freu ich mich jetzt einfach auf die nächsten Tage.“

Traumplatz

Sotogrande ist ein Platz, der Eindruck hinterlässt. Die Anlage im Süden Spaniens wurde bereits 1964 eröffnet und in den Jahren von 2011 bis 2016 umfassend renoviert. Entworfen von Robert Trent Jones, zählt der Course bis heute zu den großen Namen des europäischen Golfsports und wird regelmäßig in den Kreis der zehn besten Plätze Europas gewählt.
 

Wer hier ein Turnier spielt, spürt schnell, was diesen Ort so besonders macht. Die Anlage beeindruckt mit einer Kulisse, die dem Platz eine ganz eigene Ausstrahlung verleiht. Eukalyptusbäume, Palmen und vor allem die markanten Korkeichen säumen die Fairways und rahmen den Course auf eindrucksvolle Weise ein. Gerade diese Verbindung aus landschaftlicher Schönheit und sportlicher Exzellenz macht Sotogrande so außergewöhnlich.
 

Denn der Platz fordert jeden Athleten konsequent. Vor allem die Grüns verlangen den Spielern taktisches Geschick, technisches Können und viel Gefühl ab. Sie sind meist extrem hart und schnell, dazu teilweise sehr schmal angelegt und mit deutlichen Breaks versehen. Wer hier bestehen will, braucht Präzision, Geduld und ein hohes Maß an Kontrolle. Sotogrande begeistert gerade deshalb, weil der Platz nichts verschenkt und mit seinem anspruchsvollen Design sehr deutlich herausarbeitet, wem es gelingt, sein Spiel unter Druck auf höchstem Niveau zu halten.

Geschichte

Gespielt wird das Turnier über vier Runden im Zählspiel. Bei den Männern gehen pro Tag jeweils drei der vier Ergebnisse in die Wertung ein, bei den Frauen sind es jeweils zwei Scores pro Tag. Die Einzelsieger dürfen am Ende in das traditionsreiche „Gelbe Jackett“ schlüpfen.
 

Die Geschichte dieses prestigeträchtigen Turniers reicht bis in die Anfangszeit des RCG Sotogrande zurück. Damals richtete der Club eine Internationale Woche aus, aus der sich die Veranstaltung entwickelte. 1970 übernahm die Weinregulierungsbehörde von Jerez die Schirmherrschaft, ehe das Turnier unter dem Namen „Sherry Cup“ von Jahr zu Jahr weiter an Bedeutung im internationalen Kalender gewann. Seit 1998 wird es vor allem als Mannschaftsmeisterschaft unter dem Namen European Nations Championship ausgetragen und läuft zugleich unter dem Titel Copa RCG Sotogrande.
 

Ein Blick auf die Siegerliste zeigt, welchen Stellenwert das Turnier seit Jahrzehnten besitzt. Namen wie Sergio Garcia, Rory McIlroy, Padraig Harrington, Francesco Molinari, Shane Lowry oder Catherine Lacoste stehen für die hohe sportliche Qualität, die sich in Sotogrande immer wieder versammelt hat.
 

Auch aus deutscher Sicht ist die Geschichte des Turniers reich an besonderen Momenten. Bei den Damen gab es deutsche Siege in den Jahren 2003, 2006, 2007 und 2022. Das Gelbe Jackett der Siegerin trugen dabei Nicole Stillig, Martina Eberl, Bettina Hauert, Katharina Schallenberg und zuletzt Helen Briem.
 

Bei den Herren prägte vor allem der Hamburger Veit Pagel die deutsche Bilanz. Er gewann 1974, 1975, 1979 und 1981. Der bislang letzte deutsche Triumph liegt allerdings schon einige Jahre zurück: 1999 sicherte sich Marcel Siem das Gelbe Jackett. 2019 schrammte Jannik de Bruyn nur knapp am ganz großen Erfolg vorbei. Der „Held von Hilversum“ musste sich am Ende mit Rang zwei begnügen.
 


LIVESCORING FRAUEN >>>
 

LIVESCORING  MÄNNER >>>
 

Weiteres zum Thema

Tipps der Redaktion