Fünf Tipps: So bleiben Sie auch unter Druck gelassen
1. Druck akzeptieren, nicht bekämpfen
Viele Golfer wünschen sich, vor einer wichtigen Runde möglichst keine Nervosität zu verspüren. Doch genau dieser Wunsch sorgt häufig dafür, dass der Druck noch größer wird. Der erste und vielleicht wichtigste Schritt zu mehr innerer Gelassenheit besteht deshalb darin, das Gefühl überhaupt wahrzunehmen und vor allem anzunehmen. Nervosität ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie zeigt, dass Ihnen etwas wichtig ist. Und: Sie versorgt uns mit dem nötigen Antrieb, alles zu geben. Auch Spitzensportler kennen dieses Gefühl. Tennislegende Rafael Nadal erzählte in den letzten Jahren seiner außergewöhnlichen Karriere, noch immer vor jedem Match nervös zu sein. Nervosität ist nichts, was es zu fürchten gilt, solange sie sich nicht zu einer blockierenden Angst entwickelt.
2. Nicht auf die Zweifel hören
Hinter dem Gefühl von Druck steckt oft eine einfache Frage, die Ihnen wahrscheinlich durch den Kopf geht: Reicht meine Leistung heute aus? Klar ist: Je größer Ihre Selbstzweifel werden, desto stärker wächst meist auch die Angst vor Fehlern. So manövrieren Sie sich in Gedankenspiralen, die oft lähmend wirken. Der renommierte Coach und Autor des Buches „Inner Game Golf“ Timothy Gallwey formulierte deshalb einen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Gedanken: „Wenn Sie schon zweifeln, dann zweifeln Sie doch auch an Ihren Zweifeln.“ Nicht jeder kritische Gedanke entspricht der Realität. Wer lernt, die eigene innere Stimme zu hinterfragen, nimmt ihr einen großen Teil ihrer Macht.
3. Die Aufmerksamkeit bewusst lenken
Aus der Neurowissenschaft ist bekannt: Unser Gehirn kann sich nicht gleichzeitig intensiv mit mehreren Dingen beschäftigen. Genau deshalb lohnt es sich, den Fokus bewusst zu steuern. Anstatt darüber nachzudenken, was alles schiefgehen könnte beim nächsten Abschlag, beim Chip aufs Grün oder beim Versuch, das Par zu retten, richten erfolgreiche Golfer ihre Aufmerksamkeit auf eine konkrete Aufgabe: den Rhythmus des Schwungs, die Atmung oder den gewünschten Ballflug. Manche visualisieren den Schlag sogar vor ihrem inneren Auge. Je klarer der Fokus, desto weniger Platz bleibt für störende Gedanken.
4. Freundlicher mit sich selbst umgehen
Ist Ihnen bewusst, dass niemand in Ihrem Leben so häufig mit Ihnen spricht wie Sie selbst? Umso wichtiger ist die Frage, welchen Ton Sie dabei anschlagen – vor allem dann, wenn es mal nicht optimal läuft auf der Runde. Nach einem schlechten Schlag reagieren viele Golfer mit harter Selbstkritik. Diese verschärft den Druck meist zusätzlich. Hilfreicher ist es, sich freundlich und wohlwollend zu begegnen – etwa so, wie man mit einem guten Freund oder einer guten Freundin sprechen würde: ehrlich, aber verständnisvoll und konstruktiv. Ebenso wichtig ist es, den eigenen Selbstwert nicht an die Zahlen auf der Scorekarte zu knüpfen. Eine schlechte Runde macht Sie nicht zu einem schlechteren Menschen!
5. Vergessen Sie nie, warum Sie Golf spielen
Bei allem Ehrgeiz lohnt sich zum Schluss ein Perspektivwechsel. Die meisten Menschen haben irgendwann mit dem Golf begonnen, weil ihnen das Spiel Freude bereitet hat – nicht wegen eines bestimmten Leistungsziels. Stimmt’s? Wer sich immer wieder daran erinnert, nimmt dem Ergebnis automatisch etwas von seiner Bedeutung. Und wenn doch einmal alles schiefläuft? Dann hilft oft eine einfache Reaktion: kurz durchatmen, den inneren Kritiker wahrnehmen – und ihm mit einem Lächeln begegnen. Denn Ärger verbessert bekanntlich weder den nächsten Schlag noch den Score.
Über den Autor: Felix Grewe schreibt nicht nur auf Golf.de über viele mentale Themen, sondern ist auch zertifizierter Inner Game Coach und Sport-Neuromentaltrainer.







