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Spanien dominiert das Turnier. Alle drei Medaillen gehen an Athletinnen von der Iberischen Halbinsel | © DGV/stebl

Frankfurt spricht spanisch

Frankfurt – Ein Turnier der Superlativen geht zu Ende. Tiefe und ganz tiefe Scores. Heftige Gewitter, Unterbrechungen, Hängepartien über zwei Nächte, viele begeisterte Zuschauer, und noch einiges mehr drücken diesem Turnier der besten Talente Europas den Stempel auf.
Der Frankfurter GC hat sich als perfekter Gastgeber von seiner besten Seite präsentiert. Platz und Anlage wurden von den Teilnehmerinnen in höchsten Tönen gelobt. Tradition mit sportlicher  Clubkultur waren hier vom ersten bis zum letzten Tag stets gelebte Wirklichkeit.


Den Sieg machen Athletinnen unter sich aus, die alle in spanischen Farben unterwegs waren. Die Nummer drei im World Amateur Golf Ranking (WAGR) musste sich am Ende mit der Bronzemedaille zufriedengeben. Andrea Revuelta lag am Ende bei 21 Schlägen unter Par. Besser waren nur die Teamkameradinnen Balma Davalos und Paula Martin. Davalos war als Führende nach der dritten Runde in den vierten Akt gestartet. Zwei Schläge Vorsprung auf Paula Martin reichten am Ende nicht, und so setzte sich die 20-Jährige, die gemeinsam mit Andrea Revuelta für das College-Team von Stanford spielt, am Ende in einem spannenden Finish mit einem Schlag Vorsprung durch.
 

Paula Martin sicherte sich den Sieg auf dem letzten Grün und war entsprechend glücklich: „Es war toll, hier zu gewinnen. Ich stehe zu meinem Plan und weiß, dass jeder einzelne Schlag wichtig ist. Es kann immer bis zum letzten Schlag etwas passieren. Ich habe heute ziemlich stark gespielt und wusste, dass ich auf den letzten Bahnen noch ein paar Birdie-Chancen haben würde. Wir sind definitiv eine der besten Generationen, die das spanische Frauen-Golf je hatte. Es ist toll, mit allen Mädchen zu reisen und diese Erinnerungen zu teilen. Wir haben uns gegenseitig besser gemacht. Die Woche hier in Frankfurt hat Spaß gemacht. Es gab ein bisschen von allem. Wir haben alles bekommen. Aber es ist ein toller Golfkurs. Er ist herausfordernd, aber wenn du solides Golf spielst, bekommst du auch viele Birdie-Chancen. Die 59 hatte ich dennoch auf der dritten Runde nicht im Sinn, denn es ist ein Par 73.“
 

Andrea Revuelta war mit einem Platzrekord ins Turnier gestartet und spielte bis zum Ende des Turniers vorne um den Titel mit. Bronze war zwar nicht das Ziel, aber die 19-jährige College-Studentin kann die Leistung dennoch positiv bewerten: „Ich bin sehr stolz auf mich und auch auf das gesamte Team, dass wir eine so großartige Saison gespielt haben. In Stanford feiern wir große Siege immer. Daher werden wir auch diesen Sieg von Paula und meine Medaille feiern.“

11/27/55

Drei Deutsche hatten den zweiten Cut geschafft und starteten im Feld der besten 60 in die Finalrunde. Christin Eisenbeiß vom Hamburger GC war mit drei frühen Birdies gut gestartet, fiel dann wieder auf Even Par zurück und machte auf den letzten Metern mit drei Birdies auf den letzten vier Löchern nochmal einen Sprung im Klassement, der fast noch in die Top Ten geführt hätte. Nach Runden mit 68, 72, 68 und 70 Schlägen liegt der Gesamtscore bei starken 14 unter Par.
„Die letzte Runde war wie die anderen auch, nur mit mehr Zuschauern. Ich hatte Spaß, hätte aber gerne noch mehr Putts fallen gesehen. Mir bleibt auf jeden Fall die -14 in Erinnerung, dazu noch die drei Eagles und die Zeit mit meinem Bruder“, bilanzierte das Nordlicht die Tage, in denen Eric Eisenbeiß sich – wie schon beim Amundi German Masters powered by VcG – am Bag als wertvolle Hilfe bewiesen hatte.

Paula Schulz-Hanßen war mit 68 und 69 Schlägen sehr vielversprechend in diese EM gestartet, hatte am dritten Tag das Pech, nach der rund zweistündigen Gewitterunterbrechung gleich ohne jeden Probeschlag auf den schweren Löchern neun und zehn bestehen zu müssen. Zwei Bogeys waren der Preis, der letztlich zu hoch war und das Momentum etwas zerstörte, auch wenn der SLR-Athletin später noch drei Birdies gelangen. Unter dem Strich stand eine 72, mit der PSH aus der Top Ten herausfiel. Auf der Finalrunde ging es mit drei Bogeys auf den ersten fünf Löchern nicht gut los. Die Chancen, noch vorne im Kampf um Edelmetall eingreifen zu können, waren damit verloren. Die Runde ging zwar noch mit drei Birdies in Serie zu Ende, aber mehr als der 27. Platz war nicht mehr drin.

Als dritte Deutsche war Uma Bergner im zweiten Cut. Das Talent, das inzwischen beim Stuttgarter GC Solitude zu Hause ist, spielte viermal solide, ohne aber richtig tief zu gehen. Eine Runde in den 60ern blieb Bergner verwehrt, und so stand im Endklassement ein stabiler 55. Platz.

Tiefster Score der Finalrunde

Mit ihrer ersten Runde unter 70 schaffte Valentine Delon es, sich noch bis auf Rang sechs vorzuschieben. Die Französin, die in Golf de Chantilly zu Hause ist und bei der Team-EM im Heimspiel großartige Erlebnisse hatte, kam am Finaltag mit dem tiefsten Score des Tages ins Recording. 65 (-8) Schläge resultierten aus acht Birdies, einem Eagle und zwei Bogeys.
„Ich habe heute meine letzte Runde einfach nur genossen und habe richtig gut geputtet. Eigentlich waren alle Runden sehr ähnlich, nur sind heute endlich die Putts gefallen. Ich gebe jeden Tag mein Bestes. Mal ist es +2, mal ist es -2, und heute waren es halt -8. Ich bin happy. Aus meiner Sicht ist der größte Unterschied zwischen den Plätzen in Chantilly und Frankfurt auf den Grüns zu finden. Bei mir zu Hause sind die Grüns eher flach, hier dagegen sehr hügelig. Daher ist es hier manchmal schwieriger, den Putt zum Birdie zu lochen“, war Delon mit ihrem grandiosen Schlussspurt mehr als zufrieden.

Weitere Stimmen

Claus M. Kobold war nach seinem Besuch dieses hochkarätig besetzten Turniers begeistert. „Ich bedanke mich im Namen des DGV und aller Golffans sehr herzlich beim Frankfurter GC, insbesondere bei allen Helfern. Diese Europameisterschaften haben nicht zuletzt aufgrund der Wetterkapriolen alle Beteiligten an ihre Grenzen geführt, aber der Club hat es mit großer Professionalität und viel Herzblut geschafft, dass dieses Turnier mit so großartigen Ergebnissen bis zum Ende durchgeführt werden konnte. Große Klasse! Tausend Dank! Wir haben hier in Frankfurt ein echtes Golffest erlebt“, so der Präsident des Deutschen Golf Verbands.

Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV zollte den Athletinnen großen Respekt: „Diese Europameisterschaften haben eine würdige Siegerin gefunden. Wer nach vier Runden mit 23 unter Par an der Spitze liegt und dabei auch die großen Unterbrechungen wegen Gewitters mit guter mentaler Verfassung weggesteckt hat, hat sich den Titel mehr als verdient. Die Zuschauer haben hier phantastisches Golf gesehen und man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass etliche Namen in wenigen Jahren auf der LPGA Tour und der LET ständig in der Spitzengruppe auftauchen werden. Ich würde sogar soweit gehen, dass hier Spielerinnen am Start waren, die gute Aussichten haben, in Zukunft auch Majors zu gewinnen. Dem Frankfurter GC meinen sehr herzlichen Dank dafür, dass wir in Deutschland die Chance bekommen haben, Gastgeber für ein so hochkarätiges Turnier zu sein.“
 


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