Europa baut Führung aus
Die Ausgangslage vor dem zweiten Tag war klar: Nach zwei verlorenen Sessions am ersten Tag mussten die USA eine Reaktion zeigen. Drei Punkte betrug der Vorsprung der Europäer, die furios in die 45. Ausgabe des legendären Kontinentalvergleichs gestartet waren. Und so stellte sich die Frage: Können die emotionalen, lautstarken New Yorker Fans ihre Stars and Stripes zu einem dringend benötigten Comeback schreien? Die ersten Eindrücke vom ersten Abschlag in Bethpage Black dürften den Spielern von Kapitän Keegan Bradley Mut gemacht haben. Wirklich eingeschüchtert wirkte das Team des europäischen Kapitäns Luke Donald von der ohrenbetäubenden Kulisse aber zu keiner Zeit.
Nach einem Eröffnungstag mit etlichen Fehlentscheidungen seitens des US-amerikanischen Kapitänteams schien die Wahl der ersten Paarung am Samstag zumindest goldrichtig zu sein. Mit Publikumsliebling Bryson DeChambeau und dem Local Hero Cameron Young, der schon bei seinem ersten Einsatz am Freitagnachmittag zu überzeugen wusste, hatten sie ein starkes Duo aufgestellt. In ihrem Foursome-Match gegen Ludvig Aberg (Schweden) und Matt Fitzpatrick (England) übernahmen sie ab Loch sieben die Kontrolle. Drei Lochverluste innerhalb von vier Löchern brachten die Europäer jedoch ins Hintertreffen, sodass das erste Match des Tages mit 4&2 endete.
Bryson DeChambeau/Cameron Young 4&2 vs. Ludvig Aberg/Matt Fitzpatrick
Doch selbst dieser Punktgewinn unter dem tosenden Applaus der Heimfans – angeheizt vom LIV-Star DeChambeau – dürfte bei Donald nur bedingt für Sorgenfalten gesorgt haben. Zu viel Blau war auf dem Leaderboard zu sehen. Allen voran die nordirisch-englische Paarung Rory McIlroy/Tommy Fleetwood erstickte die Comeback-Hoffnungen der US-Amerikaner schnell im Keim. Gegen Harris English und Collin Morikawa setzte sich das in seiner Ryder-Cup-Geschichte bislang ungeschlagene Traumduo „Fleetwood Mac” einmal mehr durch. Trotz einer angedeuteten Aufholjagd der US-Amerikaner gegen Ende durften die Europäer ihren nächsten Punkt bejubeln (3&2).
Rory McIlroy/Tommy Fleetwood 3&2 vs. Harris English/Collin Morikawa
Apropos Traumpaarung: Mindestens genauso harmonisch läuft es seit jeher bei Jon Rahm und Tyrrell Hatton. Das spanisch-englische Duo versteht sich auch abseits des Platzes blendend, feiert Einzelerfolge auf der LIV Tour, wo sie ebenfalls Teammitglieder sind, meist gemeinsam, und konnte in Bethpage Black seine ungeschlagene Serie fortsetzen. Gegen die guten Kumpels Patrick Cantlay und Xander Schauffele, die ihrerseits als das stärkste Duo auf US-Seite zählen, lieferten sich Rahm und Hatton zunächst ein spannendes Hin und Her, ehe die Europäer dank eines Highlight-Chip-Ins auf Loch acht die Kontrolle übernahmen. Auch hier lautete das Endergebnis 3&2 zugunsten von Donalds Team.
Jon Rahm/Tyrrell Hatton 3&2 vs. Patrick Cantlay/Xander Schauffele
Europas Siegeszug setzte sich also gnadenlos fort. Einmal mehr blieb der Weltranglistenerste Scottie Scheffler unter seinen Möglichkeiten. Er wurde im letzten Match der Vormittagssession erneut mit Russel Henley auf den anspruchsvollen Platz in Farmingdale, New York, geschickt. Ihnen stellten sich Viktor Hovland aus Norwegen und Robert MacIntyre aus Schottland entgegen. Nach zwei verlorenen Matches am Vortag wollte Scheffler seine miserable Foursome-Bilanz beim Ryder Cup (noch ohne Punktgewinn) aufpolieren.
Doch Hovland und MacIntyre machten es ihm nicht leicht. Vier Birdies auf den ersten fünf Löchern sorgten für eine frühe 2-auf-Führung für Europa. Scheffler und Henley kämpften sich zurück und glichen auf Loch 13 aus. Doch in der Schlussphase fielen erneut die Putts auf europäischer Seite, sodass ein 1-auf-Sieg einen dritten Punkt in dieser Foursome-Session aufs Konto der Europäer beförderte. Mit 8,5:3,5 führen sie komfortabel. Schon vor der Nachmittagssession steht fest: Europa geht mit einer Führung in die Einzel am Sonntag – selbst wenn die USA die Fourball-Session mit 4:0 gewinnen sollten.
Viktor Hovland/Robert MacIntyre 1auf vs. Scottie Scheffler/Russel Henley








