Ein Moving Day mit Biss
Klassischer Vierer: Der Charaktertest im Teamformat
Der Wechsel vom Greensome zum Foursome verändert die Anforderungen spürbar. Wo am ersten Turniertag noch zwei Abschläge pro Loch Sicherheit boten, bleibt am Freitag nur ein einziger Drive – jede Entscheidung vom Tee trägt das gesamte Team. Vor der Runde wird festgelegt, wer auf den geraden und wer auf den ungeraden Löchern abschlägt, danach gilt striktes Wechselspiel bis der Ball im Loch ist.
Ein echter Charaktertest also, denn nicht jeder Schlag gelingt, aber jeder Schlag gehört beiden. Wer hier besteht, tut das selten mit spektakulären Zahlen, sondern mit Haltung: sich gegenseitig auffangen, nach Fehlern gemeinsam nach vorne schauen, den Fokus wiederfinden – Schlag für Schlag. Dass alle Teams höhere Scores als am Vortag notieren, zeigt: der Modus selbst hat das gesamte Feld auf ein anderes Prüfungsniveau gehoben.
England bleibt das Maß der Dinge
An der Spitze bestätigt England seine Rolle als derzeit stärkstes Team dieser EM. Mit insgesamt 300 Schlägen nach zwei Runden liegt die Mannschaft bei +16 über Par und verteidigt die Führung souverän. Die Engländer bringen im Foursome eine 155 (+13) ins Clubhaus – höher als am ersten Tag, aber in Relation zu einem schwierigen Format immer noch ein starkes Ergebnis, das ihre Stabilität unterstreicht.
Die Niederlande bleiben erster Verfolger. Mit nun 307 Schlägen (+23) und einer 158 am Freitag (+16) halten sie den Anschluss an England. Auch hier gilt: Die Runde ist sichtbar härter als das Greensome am Donnerstag, aber stark genug, um die Niederlande auf Kurs Podium zu halten.
Italien und Frankreich mit Chancen vor dem Finale
Gastgeber Italien nutzt den Foursome-Tag, um sich im GC Genova Sant’Anna vor heimischem Publikum weiter nach vorn zu schieben. Die Italiener liegen nach zwei Runden bei 313 Schlägen (+29) und klettern auf Platz drei. Als einzige Mannschaft im gesamten Feld kann sich die Squadra Azzurra im Ranking verbessern. Zwischen vertrautem Terrain und der Unterstützung des heimischen Publikums wächst der Glaube, dass am Schlusstag im Greensome noch mehr möglich ist.
Frankreich, der Titelverteidiger, steht mit insgesamt 315 Schlägen (+31) knapp dahinter. Das französische Duo Mathieu Cauneau / Pierjean Frisonmussten mit ihren 88 Schlägen (+17) einen empfindlich hohen Score verdauen. Die amtierenden Meister bleiben aber insgesamt nur zwei Schläge hinter Italien. Das Rennen um die Medaillen ist damit vor dem abschließenden Greensome-Samstag weiterhin offen.
Skandinavien Seite an Seite, Irland im Kampfmodus
Dahinter zeigen Schweden und Norwegen, wie eng es im Mittelfeld zugeht. Beide Teams stehen nach zwei Tagen bei 328 Schlägen (+44). Norwegen nutzt eine solide Foursome-Performance, um die eigene Position zu festigen, Schweden bleibt trotz eines höheren Scores immerhin schlaggleich zu den Norwegern.
Irland kämpft sich durch einen schweren Freitag und kommt nach zwei Runden auf 343 Schläge (+59). Auch hier ist der Foursome-Tag eher ein Tag der Widerstandsfähigkeit als einer der „tiefen Runden“. Gerade für Nationen in der zweiten Tabellenhälfte geht es nun darum, aus jedem Loch und jedem Schlag Erfahrung mitzunehmen.
Deutschland: Zusammenrücken, lernen, weitermachen
Deutschland liegt nach zwei Tagen mit insgesamt 349 Schlägen (+65) auf Rang acht. Die reinen Zahlen sind hart, doch im Kontext dieses Turniertages relativieren sie sich: Alle Teams sind im Foursome deutlich höher gescort als im Greensome – betroffen ist also das gesamte Feld, nicht nur das deutsche Quartett.
Aus deutscher Sicht erzählen die Zahlen eine differenzierte Geschichte. Am Donnerstag, im Greensome-Auftakt, eröffnen Jennifer Sräga (GC Bad Münstereifel) und Christof Buhl mit einer 90, während Jonas Rother und Christian Nachtwey mit einer 81 ins Clubhaus kommen – zusammen 171 Schläge. Am Freitag, im Foursome, notiert das Duo Sräga/Buhl eine 98, Rother/Nachtwey halten mit einer 80 dagegen, das Team kommt insgesamt auf 178 Schläge.
Gerade diese 80 von Rother und Nachtwey ist ein wichtiges Signal: In einem Format, in dem alle Nationen zu kämpfen haben, gelingt dem zweiten deutschen Duo eine Runde, die Stabilität und Nervenstärke zeigt. Tatsächlich gehört die 80 zu den besten Ergebnissen dieses zweiten Turniertages. Entscheidend ist aber ohnehin, dass das Team trotz Rückschlägen zusammensteht und sich gegenseitig trägt – genau jene Qualität, die im G4D-Bereich mindestens so wichtig ist wie ein einzelner Score.
Der Finaltag ruft
Vor dem finalen Turniertag, der erneut als Greensome gespielt wird, ist die Ausgangslage klar: Der Titel ist außer Reichweite, doch die Bundesadler haben alle Möglichkeiten, nochmal die sportlichste ihrer Seiten zu zeigen: Mutige Drives mit zwei Chancen vom Tee, gemeinsam erarbeitete Pars und, wo möglich, Birdiechancen.
Vor allem aber geht es darum, das mitzunehmen, was diese EM jenseits der Anzeigetafel ausmacht: internationale Erfahrung, das Spiel gegen die besten G4D-Teams Europas und das sichere Gefühl, als Team Deutschland auch in schwierigen Phasen zusammenzuhalten. Der letzte Tag bietet die Möglichkeit, genau das auf dem Platz zu zeigen – und aus einer zahlenmäßig harten Woche eine Geschichte mitzunehmen, auf die dieses Team mit Recht stolz sein kann.









