Dyers Schrittübung: Lernen Sie vom Baseball!
Kennen Sie die Schrittübung? Sie gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Drills im Golfsport, wenn es darum geht, mehr Länge und Power zu erzeugen. Doch laut Paul Dyer, einem der erfahrensten Pros im deutschsprachigen Raum, wird sie genauso häufig missverstanden wie falsch ausgeführt. „Die Schrittübung wird ganz oft als ideale Lösung für mehr Power empfohlen“, sagt Dyer. „Aber sie wird leider genauso oft falsch durchgeführt.“
Bewegungen wie beim Baseball
Was nach einer simplen Bewegung aussieht – ein Schritt nach vorn, der Schwung folgt – ist in Wirklichkeit ein komplexer Ablauf aus Körperkoordination, Gewichtsverlagerung und Zugkraft aus dem Boden. Dyer weiß, wovon er spricht. Als er vor fast 30 Jahren bei David Leadbetter begann, beobachtete er, wie sein damaliger Mentor seine Schüler Baseballschläge ausführen ließ, um ihnen die richtige Bewegungsabfolge zu vermitteln. „Leadbetter ließ Tennisbälle zuwerfen, und die Schüler schlugen mit Baseballschlägern dagegen“, erzählt Dyer im Video (s.u.) „Weil man dort die gleiche kinematische Kette hat: erst der Unterkörper, dann der Oberkörper, dann die Arme und zuletzt der Schläger.“
So funktioniert die Schrittübung
Das Prinzip: Die Kraft entsteht aus dem Boden, wandert über Beine und Rumpf nach oben und erreicht erst dann den Schlägerkopf. Die Schrittübung soll genau dieses Zusammenspiel fördern. Allerdings beginnt sie viel früher als beim eigentlichen Schritt, den viele als Kern der Übung betrachten. Dyer zeigt zunächst, wie wichtig das rhythmische Hin-und-Her-Wedeln des Schlägers ist. Füße eng zusammen, der Ball etwas weiter links – dann beginnt die Übung mit einem asynchronen Stampfen von Fuß zu Fuß, während die Hände den Schläger locker hin und her bewegen. „Der Körper drückt gegen den Boden, und so entsteht überhaupt erst die Anfangskraft, um den Schläger in Bewegung zu bringen“, erklärt Dyer. „Das ist genau der Zweck der Schrittübung: Wir kreieren unsere Power aus dem Boden heraus.“
Entscheidung im Abschwung
Der entscheidende Moment folgt im Aufschwung. Während der Schaft dynamisch nach oben geworfen wird, drückt der Spieler verstärkt in den rechten Fuß – und leitet damit die Vorwärtsbewegung ein. Der Schritt nach vorn erfolgt also nicht im Abschwung, sondern deutlich früher, etwa „bei drei Viertel des Aufschwungs“, erklärt Dyer. Im Durchschwung wiederholt sich das Prinzip: maximaler Druck in den linken Fuß, Abstoß über den Boden, Freisetzen der Energie im Treffmoment. „Die Gewichtsverlagerung ist nicht synchron zum Schwung des Schlägers“, betont Dyer. „Deswegen geht die Übung so: rechts drücken, schwingen, links drücken, schwingen – wie eine kleine Kette oder ein Timing, das man intuitiv findet.“
Dyers Tipp für Sie
Dyers Rat: Es geht bei der Schrittübung nicht darum, sie „perfekt“ auszuführen, sondern darum, das richtige Gefühl für den eigenen Bewegungsrhythmus zu entwickeln. Denn am Ende zählt nicht die mechanische Genauigkeit, sondern die Frage, ob der Körper seine Energie effizient freisetzen kann.









