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Esther Henseleit bei der AIG Womens Open im Royal Lytham & St. Annes. | © Richard Heathcote/R&A/R&A via Getty Images

Deutscher Major-Glanz: Henseleit wird Zweite in England

Es war eine überragende Woche für die Spielerin des Elite Team Germany, Esther Henseleit, im Royal Lytham & St. Annes Golf Club. Dank einer 70 (-1) am Finaltag feierte die Olympiasilbermedaillengewinnerin ihr bislang bestes Major-Ergebnis und qualifizierte sich direkt für den anstehenden Solheim Cup im Bernardus Golf in den Niederlanden. Und doch blieb am Ende ein bittersüßes Finish im Playoff der AIG Womens Open für die 27-jährige Deutsche. Denn am zweiten Extra-Loch prallte Henseleits Abschlag von einem Marshall ins Gestrüpp auf der rechten Seite des 18. Fairways. Das folgende Bogey bescherte der Japanerin Shiho Kuwaki ihren ersten Major-Erfolg.

 

Doch der Reihe nach: Henseleit hatte sich mit Runden von 73, 69 und 67 Schlägen für die Finalgruppe in der vierten Runde qualifiziert. Ihr Rückstand auf ihre Mitspielerin Yealimi Noh betrug drei Schläge. Die US-Amerikanerin musste sich nach einer 74 (+3) am Finaltag mit dem dritten Rang zufriedengeben. Henseleit kämpfte sich dagegen im Verlauf der letzten Runde immer näher an die Spitze. Nach 37 Schlägen (+2) auf den ersten neun Löchern folgte eine überragende zweite Halbrunde mit Birdies auf den Löchern elf, zwölf, 15 und 18, wobei besonders die Löcher 15 und 18 spektakulär waren: Auf der 15 lochte Henseleit beinahe zum Eagle ein und auf der 18 verwandelte sie einen Monster-Putt zur 70 (-1) und damit zum Einzug ins Playoff mit Kuwaki, die in der Gruppe vor ihr ebenfalls eine 70 ins Clubhaus gebracht hatte.
 

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Im Playoff folgte der zweite Akt des Finaldramas: Henseleit hatte am ersten Extra-Loch einen Birdie-Putt zum Sieg, nachdem Kuwaki nur mit Mühe das Par erreicht hatte. Sie verlegte diesen jedoch denkbar knapp. Am zweiten Extra-Loch folgte dann der unglückliche Abpraller vom Marshall nach einem leicht verzogenen Drive der besten deutschen Golferin. Es gelang Henseleit, ihren Ball ohne Strafschlag aufs Fairway vorzulegen. Jedoch blieb ihr ein langer Putt auf dem 18. Grün verwehrt, sodass es nur ein Bogey wurde. Kuwaki versenkte ihren gelben Ball zum Par und streckte die Arme in die Höhe – und das bei ihrem erst fünften Start auf der LPGA Tour. Die 23-Jährige ist auf der heimischen Japan LPGA Tour zu Hause, wo sie insgesamt schon sechs Titel holte. Der Sieg in Royal Lytham wurde mit über 1,3 Millionen US-Dollar belohnt.

 

„Ich kann es einfach nicht glauben! Allein schon auf einer solchen Bühne zu stehen, ist eine große Ehre. Bei jedem Loch habe ich mich Schlag für Schlag konzentriert und versucht, es dort draußen so gut wie möglich zu genießen“, sagte Kuwaki, die nach Miyu Yamashita die zweite japanische Open-Siegerin in Folge ist. „Nach dem Sieg von Yamashita im letzten Jahr ist es ein unglaubliches Gefühl, als Japanerin erneut gewinnen zu können. Ich hoffe, dass wir als Teil des Teams Japan die Golfwelt weiterhin begeistern können und dass es allen genauso viel Spaß macht wie uns.“
 

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Für Henseleit blieb somit das beste Major-Ergebnis ihrer Karriere und ein stattliches Preisgeld in Höhe von rund 870.000 Euro. Falls es noch Zweifel an ihrer zweiten Solheim-Cup-Teilnahme in Folge gab, wurden diese mit dem zweiten Rang endgültig beseitigt. Henseleit qualifizierte sich direkt für das Team von Kapitänin Anna Nordqvist, die ihre Wildcards am Montag nach der AIG Womens Open bekannt geben wird. Am Ende der 50. Ausgabe des britischen Majors überwiegen für das deutsche Aushängeschild definitiv die positiven Gefühle. Zwar wartet Henseleit immer noch auf den ersten Sieg auf der LPGA Tour, an diesem Finaltag wusste sie aber unter höchstem Druck in der entscheidenden Phase zu begeistern. 

 

„Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich mir heute die Chance auf den Sieg erarbeitet habe und wie ich mich präsentiert habe. Am zweiten Playoff-Loch hatte ich dann einfach ein bisschen Pech. Ich habe mich wirklich sehr ins Zeug gelegt, aber ich schätze, heute sollte es einfach nicht sein“, sagte Henseleit. Sie hätte nach Sophia Popov (2020) die zweite Open-Siegerin und zweite Major-Siegerin aus Deutschland überhaupt werden können. „Es macht immer Spaß, gutes Golf zu spielen und ganz vorne mitzuspielen. Dass das hier in England passiert ist, wo die Fans heute einfach großartig waren, ist umso schöner. Es war eine großartige Erfahrung, und ich habe es wirklich genossen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, aus dieser Erfahrung und der ganzen Woche zu lernen. Wie ich es heute geschafft habe, das Blatt zu wenden – es gibt viele Dinge, auf die ich stolz sein kann."

 

Mit Alexandra Försterling schaffte eine zweite Deutsche den Cut. Die Spielerin des National Team Germany wurde nach einer 74 (+3) im Finale geteilte 36. und feierte damit ebenfalls ihr bislang bestes Major-Ergebnis.

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