Das Major, das noch fehlt
Major-Siege, Weltranglistenerste, Ryder-Cup-Triumphe – der deutsche Golfsport hat bereits viele große Kapitel geschrieben. Und doch gibt es ein Turnier, das für deutsche Herren bis heute unerreicht geblieben ist: die Open Championship, das traditionsreichste Major der Welt. Bernhard Langer holte zweimal das Green Jacket beim Masters. Martin Kaymer gewann sowohl die PGA Championship als auch die US Open. Die Claret Jug fehlt aber noch in der Erfolgsgeschichte des deutschen Herrengolfs. Während Sophia Popov 2020 mit ihrem Sensationssieg bei der AIG Womens Open ein historisches Ausrufezeichen setzte, wartet das deutsche Herrenteam weiterhin auf seinen großen Moment auf britischem Links-Terrain.
Bernhard Langer war der erste deutsche Major-Sieger und über Jahrzehnte hinweg ein Fixpunkt des internationalen Golfs. Bei der Open Championship war er mehrfach nah dran, besonders 1981 in Royal St George’s, als er sich nur Bill Rogers geschlagen geben musste. Der ganz große Triumph auf britischem Boden blieb ihm jedoch verwehrt. Dennoch setzte Langer Maßstäbe – nicht zuletzt mit seinen zahlreichen Top-Ten-Ergebnissen im Mutterland des Golfsports.

Seine offene Rechnung mit der Open beglich Langer schließlich bei den Ü50-Jährigen, als er die Senior Open viermal gewann: 2010 in Carnoustie, 2014 sowie 2017 in Royal Porthcawl und 2019 in Royal Lytham & St. Annes. Besonders der Sieg 2014 bei schwierigen Bedingungen war ein Meisterstück: Langer dominierte das Feld mit 13 Schlägen Vorsprung – ein Rekordsieg auf diesem Niveau. 2023 machte es ihm Champions-Kollege Alex Cejka nach. Ebenfalls in Royal Porthcawl und bei britischstem Wetter holte er seine erste Seniorenversion der Claret Jug.
Deutsche Momente bei der Open
Mit seinem Sieg bei der PGA Championship 2010 und seinem dominanten Auftritt bei der US Open 2014 schrieb Martin Kaymer deutsche Golfgeschichte. Als Weltranglistenerster trug er zusätzlich zur globalen Anerkennung des deutschen Golfs bei. Doch gerade die Open zeigte Kaymers ambivalentes Verhältnis zu Linksgolf. Sein bestes Ergebnis war ein geteilter siebter Platz im Jahr 2010 – ausgerechnet in St. Andrews, dem „Home of Golf“, wo er im selben Jahr die Alfred Dunhill Links Championship für sich entschieden hatte. Dass es beim traditionsreichsten Major nie ganz reichte, passt zum Bild der offenen Rechnung zwischen deutschen Spielern und der Open Championship.
Ein hoffnungsvolles Kapitel schrieb Matti Schmid bei der Open Championship 2021 in Royal St George’s. Als Amateur gewann er die Silbermedaille für den besten nicht-professionellen Teilnehmer. Dies war eine reife Leistung unter schwierigen Bedingungen und ein deutliches Signal: Die neue Generation deutscher Golfer kann sich mit den ganz Großen messen. Schmid, der sich inzwischen auf der PGA Tour etabliert hat, wird als einer der deutschen Hoffnungsträger gehandelt, wenn es darum geht, den Bann bei der Open endlich zu brechen.

Aus deutscher Sicht war auch Marcel Siems starker Auftritt bei der Open Championship 2021 ein besonderer Moment. Nur wenige Tage zuvor hatte er sich mit einem Sieg auf der Challenge Tour für das Turnier in Royal St George’s qualifiziert und sich dort in die Herzen der Zuschauer gespielt. Mit seinem offensiven Spiel, seinen offenen Emotionen und seinem charakteristischen Auftreten wurde er zum Fanliebling des Turniers. Am Ende belegte er den geteilten 15. Platz – sein bestes Ergebnis bei diesem Major und ein Paradebeispiel dafür, wie deutsche Spieler auf britischem Boden nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch Spuren hinterlassen können.
Die Lady hat es vorgemacht
Was den Herren bislang nicht gelang, schaffte Sophia Popov im Jahr 2020: Bei der AIG Womens Open in Royal Troon feierte sie einen der größten Erfolge in der Geschichte des deutschen Golfs. Als krasse Außenseiterin gewann sie auf britischem Boden und holte damit als erste deutsche Spielerin überhaupt ein Major. Ihr Triumph war nicht nur emotional, sondern auch ein weiterer Beweis: Ein deutscher Sieg bei einer Open ist möglich.

Deutschland hat im Golf bereits viel erreicht: Major-Siege wurden geholt, die Spitze der Weltrangliste erobert und Ryder-Cup-Erfolge gefeiert. Doch die Claret Jug fehlt noch immer. Es ist das große Ziel der deutschen Herren, endlich auch das Major in der Heimat des Golfs zu gewinnen. Sophia Popov, Bernhard Langer und Alex Cejka haben es auf ihren Touren vorgemacht. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein deutscher Spieler den begehrten silbernen Krug in den Händen hält und damit die Sammlung der Major-Turniere im deutschen Herrenbereich vervollständigt.








