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Seit Beginn des Jahres 2026 ein Anwärter auf große Titel: Chris Gotterup. | © Justin Edmonds/Getty Images

Chris Gotterup: Der Neue in der Weltspitze

Für die meisten etablierten Profis auf der PGA Tour ist der jährliche Trip zur AT&T Pebble Beach eine angenehme Routine. Es ist nicht schwierig, sich am Pazifik wohlzufühlen, während man dem Donnern der Wellen lauscht und über die steilen Klippen ins endlos scheinende Blau blickt. Der Kurs von Pebble Beach Golf Links, so heißt er offiziell, übt zweifelsohne auch auf viele Stars der Touren eine besondere Anziehung aus. Aber die Anreise nach Monterey in Kalifornien dürfte in diesem Jahr für niemanden so aufregend gewesen sein wie für Chris Gotterup, den Aufsteiger der noch jungen Saison. 

Eine 69 in der Jugend brachte ihn nach Pebble Beach

Im Keller seines Elternhauses in New Jersey hängt noch heute eine gerahmte Scorekarte. Eine 69, die er im Rumson Country Club gespielt hat, damals war er 13 oder 14 Jahre alt. Gotterup, inzwischen 26, erinnert sich nicht mehr an alle Erfolge, die er in jungen Jahren erzielt hat. Diesen allerdings wird er vermutlich nie vergessen. Es ist die einzige Scorekarte aus seiner Jugend, die er behalten hat – sie brachte ihn erstmals nach Pebble Beach. 

Eine Wette mit dem Vater

„Mein Vater und ich hatten eine Wette, als ich klein war: Sobald ich unter Par spiele, bringt er mich hierher“, erzählt Gotterup in den Tagen vor dem Turnierstart in Kalifornien. „Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Jahre es her ist – aber wir sind damals hergekommen, mein Bruder, mein Vater und ich haben gespielt. Ich erinnere mich nur, dass ich ein Video habe, wie mein Bruder auf der 18 einen Putt spielt, der ums Loch herumrollt und er auf die Knie fällt.“

Zwei Turniersiege zum Saisonstart

Viele Jahre sind seitdem vergangen und Gotterup hat in dieser Zeit eine Entwicklung als Golfprofi erlebt, die er damals wohl selbst noch nicht für möglich gehalten hatte. Er ist in diesem Jahr einer der formstärksten Spieler der Welt, hat 2026 bereits zwei PGA-Turniere gewonnen. Nach seinem Erfolg bei der Sony Open auf Hawaii triumphierte er auch am vergangenen Wochenende bei der WM Phoenix Open im Playoff gegen Hideki Matsuyama. In Scottsdale gelang ihm am Sonntag eine spektakuläre Schlussrunde mit fünf Birdies auf den letzten sechs Löchern. 

Von Platz 228 auf Rang fünf

Gotterups Weg ist bemerkenswert. Vor rund zehn Monaten rangierte er noch auf Platz 228 der Weltrangliste. Sein einziger Titel war der bei der Myrtle Beach Classic im Jahr 2024. Jetzt ist er die Nummer fünf der Welt, zweitbester Amerikaner hinter Scottie Scheffler. Der Weltranglistenerste verfolgt Gotterups Höhenflug mit Interesse und Humor. „Scottie ist mir beim Mittagessen gefolgt und hat gesagt: ‚Ich esse einfach das, was du isst‘“, erzählt Gotterup.

Chance auf einen Start-Rekord

Der 26-Jährige hat am Wochenende in Pebble Beach sogar die Chance, einen historischen Rekord zu knacken. Als erster Spieler seit Johnny Miller 1975 könnte er drei der ersten fünf Saisonturniere gewinnen. „Ich versuche einfach, einen klaren Kopf zu bewahren, nicht abzuheben und das fortzusetzen, was ich bisher gemacht habe“, gibt er zu Protokoll. Das, was man eben sagt, wenn man in der Form seines Lebens spielt. 

Neue Prioritäten im Training

Der Aufstieg von Gotterup war keineswegs gradlinig. Trotz Erfolgen im College – unter anderem als Gewinner des Haskins Award und des Jack Nicklaus Award – brauchte der Longhitter viel Zeit, um auf der PGA Tour anzukommen. Noch vor einem Jahr verpasste er bei fünf seiner ersten sechs Starts den Cut, insgesamt achtmal in elf Turnieren. Erst eine nüchterne Analyse seiner Statistik brachte die Wende. Er arbeitete insbesondere an seinem Spiel aus 90 bis 120 Metern. „Nicht, dass ich es vorher nicht geübt hätte, aber es hatte für mich keine Priorität. Ich dachte nicht, dass es nötig ist“, erzählt er. Die Zahlen überzeugten ihn vom Gegenteil: „Es war hilfreich, die Statistiken aufgeschlüsselt zu bekommen.“ 

Von Emotionen überwältigt

Und dann sind da noch die Emotionen. Nach seinem Sieg in Arizona flossen erneut die Tränen – inzwischen fast ein Markenzeichen von Gotterup. „Ich weiß nicht, was in diesen Interviews passiert“, sagt er. „Meine Freundin meinte: ‚Du hast in den zwei Jahren, in denen wir zusammen sind, nie geweint – nur wenn du gewonnen hast.‘ Ich sagte: ‚Ich weiß nicht, was es auslöst oder warum, es passiert einfach.‘“ Die gesamte Anspannung einer Woche scheint sich in seinen Emotionen zu entladen. „Es ist einfach dieses verrückte Gefühl, dass man die ganze Woche versucht, alles zu unterdrücken. So viel geht einem durch den Kopf. Und dann, wenn der Putt fällt, lässt dein Gehirn plötzlich alles wieder rein. Es ist eine überwältigende Menge an Gefühlen, die dich gleichzeitig trifft und dir klar macht, was du gerade geschafft hast.“
Pebble Beach ist für Gotterup also keine gewöhnliche Tourstation an diesem Wochenende. Es ist der Ort, mit dem er seinen wohl wichtigsten Erfolg der Jugend verbindet – und an dem er nun als einer der besten Spieler der Welt antritt. 

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