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Eingeschworene Gemeinschaft: das deutsche Team hat direkt nach dem Sieg gegen Wales schon wieder etwas zu besprechen. Motto: Immerweiter | © DGV/STEBL

Best of the rest: Platz neun für Männer bei Team-EM

Tallinn/Estland – Am letzten Wettkampftag ging es für die Bundesadler gegen Wales um den Sieg in Flight B. Der Start verlief etwas holprig. Drei Matches waren früh 1down, dagegen lag Carl Siemens nach drei Löchern in Führung.

Das Bild sollte sich aber sehr schnell aufhellen. Spätestens, als Wolfgang Glawe gegen Tomi Bowen auf Grün 7 mit einem Putt aus rund zehn Metern den Ausgleich erzielte, wehte Schwarz-Rot-Gold etwas kräftiger im Wind der Ostsee.
Auch Emil Riegger drehte auf und ging gegen Jonathan Bale all square auf die Back Nine.
Diese beiden Matches sorgten später noch für Hochspannung.
 

Derweil zog der neue Traum-Vierer, der wie üblich als erstes Match gestartet worden war, den deutschen Zug nach Kräften. Debütant Tjelle Rieger harmonierte mit EM-Routinier Tom Haberer prächtig, und so war die 2auf-Führung beim Kreuzen auf die Back Nine mehr als verdient. Sean David und Ioan Rowe konnten zwar noch einmal ausgleichen, aber danach zog der Bundesadler am Roten Drachen vorbei und auf dem 16. Grün war das Match mit 3&2 für Deutschland gewonnen. Tatkräftig an diesem Punkt für das Junior Team Germany mitgewirkt hatte Physio Matthias Althoff, der Tjelle Rieger auf der Back Nine behandeln musste, damit dieser durchhielt, nachdem die Muskulatur im Rücken Probleme machte.
 

Carl Siemens lag gegen Alex James immer in Führung. Der Waliser konnte auf Loch 15 ein Birdie unterbringen, gab aber auch dieses Loch ab, denn der Sportsoldat vom GC St. Leon-Rot lochte auf dem 524 Meter langen Par 5 zum blitzsauberen Eagle ein. Siemens sicherte mit 3&2 auf dem 16. Grün den zweiten Punkt für Deutschland.
 

Finn Kölle traf auf Caolan Burford. Die erste Führung des Walisers konnte der SLR-Athlet auf Loch 4 wieder ausgleichen, geriet aber auf Loch 7 erneut in Rückstand. Auf Loch 9 landete der Drive des Kurpfälzers rechts im tiefen Rough und konnte dort nicht gefunden werden. Vom Lochverlust zum 2down erholte Kölle, der zu der Mannschaft gehörte, die zweimal in Folge die Team-EM der Jungen gewann, sich nicht mehr. Mit 4&3 ging dieser Punkt an Wales.

Wolfgang Glawe kam mit einer 1auf-Führung auf das 16. Tee. Diese Bahn verläuft bergauf und ist durch den Schnitt alles andere als leicht. Mit zwei herausragenden Schlägen lag der Hubbelrather nur etwas mehr als einen Meter neben der Fahne mit bester Aussicht, durch ein Birdie die Vorentscheidung zu erzwingen.
 

Der Putt fiel aber nicht und so blieb Tomi Bowen die Chance, doch noch auszugleichen. Dies gelang auf dem 18. Grün und so ging dieses Match direkt weiter auf das erste Tee, ins Playoff. Wer nun den ersten Lochgewinn verbuchen kann, hat das Match gewonnen. Unter diesem Druck steigerte sich Bowen und hielt gegen gute Schläge des deutschen Sportsoldaten tapfer dagegen. Die beiden hatten schon vier Löcher im Playoff absolviert und waren gerade auf dem Weg zu Tee 5, als von dem Match, das als letztes gestartet war, die Nachricht kam: Emil Riegger hat den Putt aus neun Metern zum Sieg auf dem ersten Extraloch gestopft.
 

Nach 15 Löchern hatte der zweite EM-Debütant im deutschen Team noch 2down gelegen, dann aber in gewohnt cooler Manier doch noch den Ausgleich erzwungen. Mit seinem Sieg holte Riegger den nötigen dritten Punkt, sodass Wolfgang Glawe sein Stechen nicht mehr weiterspielen musste. Mit 3,5:1,5 gewann Deutschland gegen den starken Aufsteiger aus der Division II, der mit dem zehnten Platz souverän den Klassenerhalt geschafft hatte.

Irland holt Titel

Das Finale zwischen Irland und Gastgeber Estland verlief ähnlich spannend wie das letzte Duell der Deutschen Mannschaft. Auch Irland und Estland gingen mit zwei Matches all square nach 18 Löchern weiter ins Playoff.

Das zweite estnische Fernsehen war den ganzen Tag live auf Sendung und die Zuschauer bekamen einiges geboten. Das Happy End für Estland blieb aber aus. Nach den Vierer stand es 1:1 und Irland hatte am Nachmittag schon zwei Einzel gewonnen, während Estland ein Duell für sich entschieden hatte. Zwei Matches waren komplett ausgeglichen. Für Irland hätte gereicht, eines davon für sich zu entscheiden, aber auf der regulären Runde gelang dies nicht. Im Playoff gelang es Mattias Varjun auf dem dritten Extraloch, gegen Caolan Rafferty zu gewinnen und damit das 3:3 zu erzwingen.

Thomas Higgins und Kevin Jegers, die im letzten Match gestartet waren, eilten ebenfalls die beiden ersten Löcher des Stechens. Auf Grün 3 hatte Higgins seinen Putt schon gelocht, als aller Druck auf Jegers lag. Der konnte seinen Putt nicht verwandeln und das Finale war zugunsten Irlands entschieden.

Weitere Entscheidungen

Titelverteidiger Italien sicherte sich gegen Frankreich mit 4,5:2,5 die Bronzemedaille.

Schon vor dem letzten Wettkampftag standen Polen und Dänemark als Absteiger fest. Im Duell zweier ganz großer Golfnationen standen sich Schweden und Spanien gegenüber. Der Unterlegene wird 2027 nur in Division II spielen. Schweden verhinderte mit einem klaren 4:1 den Absturz, während die Männer aus Spanien die ansonsten durch und durch goldene Bilanz der so stolzen Real Federación Española de Golf trüben. Spanien hat es in 2026 vollbracht, bei Mädchen, Frauen und Jungen jeweils die Titel zu gewinnen.

Die Frauen waren hohe Favoritinnen und setzten sich in Irland gegen Frankreich mit 5:2 durch. Deutschland kam auf den zwölften Platz.

Bei den Mädchen setzte sich Spanien im Finale in Zürich gegen England mit 4:3 durch. Die deutschen Mädchen kamen auf den fünften Platz.

Die spanischen Jungen nutzten im Montecastillo Barceló GC ihren Heimvorteil und setzten sich im Finale gegen England klar mit 5,5:1,5 durch. Die jungen Bundesadler belegten im Endklassement den sechsten Platz.

Das sagte der Chef-Bundestrainer

Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann war stolz darauf, dass sein Team nach dem unerwarteten Nackenschlag, Flight A zu verpassen, Charakter gezeigt hatte: „Von dieser Team-EM bleiben viele positive Eindrücke. Wir hatten ein sehr, sehr gutes Team am Start, das zum Schluss auch gezeigt hat, was in ihm steckt. Wir haben leider in den ersten beiden Tagen irgendwo versäumt, uns in die Top acht zu spielen. Ich fand uns auch dort gar nicht so schwach, aber zum Schluss hat es nur für Platz neun gereicht. Wir hatten uns gewünscht, um Medaillen zu spielen. Dann ist es für ein Team, was ein bisschen erfolgsverwöhnt ist, echt eine Charakterfrage. Diese wurde mit drei überzeugenden Siegen gegen durchaus starke Gegner beantwortet. Nationen wie Dänemark, Schweden und Spanien mussten hart gegen den Abstieg kämpfen, manche ohne Erfolg. Matches wie Schweden gegen Spanien erwartet man definitiv um Medaillen. Diese großen Golfnationen haben heute gegen den Abstieg gespielt und dann ist man doch irgendwie ganz froh, dass uns erspart geblieben ist und wir sehr souverän den Platz 9 errungen haben.“
 

Am Finaltag ging es mit zwei Matches ins Playoff. Da gehen Puls und Emotionen beim Coach besonders hoch: „Im Stechen ist dann fast egal, worum es geht. Auch wenn es um Platz 9 oder 10 geht, was vielleicht dann irgendwo so wirkt, als sei das nicht wichtig, dann geht die Pumpe schon hoch. Nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei den Trainern. Aber ich hatte ein ganz gutes Gefühl, weil wir zwei Spieler im Stechen hatten, aber nur noch einen Sieg gebraucht haben. Selbstverständlich ist der Sieg aber nicht und ich war dann doch sehr erleichtert, als Emil einen ganz schönen langen Putt gelocht hat.“

Das sagte die Kapitänin

Antonia Eberhard hat als Athletin bei etlichen Team-Europameisterschaften erfolgreich mitgespielt. Seit sie als Mental-Coachin beim Golf Team Germany bei der Entwicklung der Athleten hilft, hat sie nun zum zweiten Mal als Kapitänin fungiert, zum ersten Mal bei den Männern. „Der Unterschied zwischen Spielerin und Kapitänin ist, dass man als Kapitänin deutlich weniger eingreifen kann.Die Jungs haben es gut gemacht. Ich war eigentlich die meiste Zeit recht tiefenentspannt. Wir können uns wenig vorwerfen. Es ist einfach total schade, dass wir es nicht in Flight A geschafft haben. Ich finde, wir hätten es verdient gehabt. In den Matchplays haben wir gezeigt, dass wir eigentlich woanders hingehören. Emotional ist es leichter, selber spielen zu können. Als Kapitänin versucht natürlich immer, den einen oder anderen guten Ratschlag zu geben. Als Mental-Coachin hilft es für die Arbeit mit den Spielern natürlich sehr, diese im Wettkampf zu erleben, wo die meisten Emotionen rauskommen und man wirklich sehen kann, was die Arbeit davor dann schon bewirkt hat oder wo man noch weiter arbeiten muss. Ich fahre mit vielen guten Erinnerungen nach Hause. Wir haben es als Team wirklich gut gemacht. Es gab aber auch sehr viel Regen.“

 


ENDSTAND >>>
 

 

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