Alle deutschen Teams in Flight A
Vineuil-Saint-Firmin/Frankreich – Bei den Damen, die auf dem traditionsreichen Platz von Golf de Chantilly spielen dürfen, geht eine Zählspielqualifikation zu Ende, die es in sich hatte. Nachdem am ersten Tag der Boden wegen der heftigen Regenfälle noch feucht war und die Bälle kaum gerollt sind, sich der Platz also extrem lang gespielt hatte, ist am zweiten Tag der Sommer zurück in Frankreich. Die Sonne brennt, aber immerhin sind die Temperaturen noch erträglich. Hin und wieder geht auch noch etwas Wind, der es den Spielerinnen nicht leicht machte, Länge und Richtung der Schläge optimal zu berechnen.
Wenig tiefe Scores
Wie schwer der Old Course von Golf de Chantilly im Setup dieser Team-EM ist, zeigen die Scores. Nach zwei Runden Zählspiel sind nur acht Athletinnen unter Par, darunter auch Chiara Horder vom GC St. Leon-Rot. Nach ihrer 69 (-1) vom ersten Tag kam die Bayerin auch am zweiten Tag mit dieser Schlagzahl ins Recording, hatte zwischenzeitlich aber schon bei vier unter Par gelegen. Erst spät hatten sich dann doch noch Bogeys auf die Karte geschlichen.
Gesamt zwei unter Par ist gut genug, um in der nicht relevanten Einzelwertung den geteilten dritten Platz zu belegen.
Vorweg marschierte, wenn auch erst am zweiten Tag, dafür dann aber mehr als beeindruckend, die Nummer 4 im World Amateur Golf Ranking: Andrea Revuelta hatte am ersten Tag nur ein Bogey notiert, konnte allerdings kein Birdie markieren. Am zweiten Tag hielt die Spanierin ihre Scorekarte sogar blitzsauber und drapierte fein säuberlich acht Birdies dazu, jeweils vier auf der Front Nine und vier auf der Back Nine. Diese Leistung ist so einmalig, dass ab jetzt in dem an Tradition und Turnieren reichen Gastgeber-Club endlich auch ein Platzrekord für Frauen dokumentiert sein wird, was bislang nicht der Fall war. Die 62 (-8) ist umso bemerkenswerter, weil die Frauen auf etlichen Bahnen von den Männer-Tees abschlagen. Was die Spanierin hier am zweiten Tag geleistet hat, kann allen Golffans nur höchsten Respekt abfordern. Klasse!
65 mit Heimvorteil
Zwei Athletinnen brachten mit jeweils 65 Schlägen auch grandiose Scores in die Wertung. Bei einer dieser tiefen Runden war Christin Eisenbeiß mit dabei, denn die Falkensteinerin spielte am zweiten Wettkampftag mit Valentine Delon in einem Flight. Die Französin hat einen echten Heimvorteil, denn sie kommt aus Chantilly und zog auch entsprechend die meisten Zuschauer an. Delon blieb bogeyfrei und konnte ihren Gesamtscore mit einer 65 auf insgesamt einen Schlag unter Par drücken.
Die zweite 65 brachte mit Paula de Francisco eine weitere Spanierin ins Recording. Spanien sicherte sich dadurch als einzige Nation unter Par den Sieg in der Zählspielqualifikation.
Frankreich hat den zweiten Platz erspielt. Dahinter ging es den ganzen Tag über in einem spannenden Wechselspielchen hin und her. Mittendrin: das Junior Team Germany. Schweden, Deutschland und Wales tauchten in unterschiedlichen Konstellationen ständig wechselnd auf den Plätzen drei, vier und fünf auf. Letztlich hatten die Schwedinnen zwei Schläge weniger in den Büchern, als das Team mit dem Bundesadler auf dem Shirt. Deutschland wiederum setzte sich gegen Wales mit zwei Schlägen Vorsprung durch.
Hinter Chiara Horder, die immer sehr ruhig blieb und sich auch aus schwierigen Lagen mit herausragend guten Schlägen befreite, waren zwei weitere Spielerinnen aus St. Leon-Rot nach zwei Runden gleichauf. Beide hatten jeweils eine 69 und eine 73 in den Büchern, nur nicht am gleichen Tag. Am zweiten Wettkampftag war es Paula Schulz-Hanßen, die mit 69 (-1) vom Platz ging, nachdem sie auf ein Doppelbogey auf Loch 6 sehr cool mit einem Birdie reagiert hatte und fortan die Scorekarte rein blieb. Mit den beiden Birdies auf der Back Nine fiel der Score dann noch unter Par.
Rookie Susanna Brenske schaffte ein Kuriosum: zweimal 73 (+3) Schläge, zweimal verhagelte ein spätes Doppelbogey auf Loch 17 die Bilanz einer Runde, die sich insgesamt besser angefühlt hatte.
Auch Stella Jelinek vom GC SLR kam am zweiten Zählspieltag mit einer 73 ins Recording. Drei Birdies mixte der zweite Rookie des Teams mit ein paar höheren Nummern.
Am zweiten Tag nicht in der Wertung war die 77 (+7) von Christin Eisenbeiß, die unter den Augen der vielen Zuschauer auf einigen Bahnen nicht mit Fortuna im Bunde war und zu oft das Par nicht halten konnte.
Viertelfinale
Am dritten Wettkampftag geht eine Team-EM erst so richtig los. Von nun an geht es im Matchplay um alles oder nichts.
Deutschland hat sich auf Rang vier qualifiziert und bekommt es im Viertelfinale mit Wales zu tun. Die Waliserinnen haben sich etwas überraschend auf dem fünften Platz qualifiziert, zeigten aber auf dem anspruchsvollen Platz eine ganz starke Leistung im Zählspiel.
„Ich bin stolz, dass wir die erste Hürde genommen haben und wir uns im Zählspiel hier sehr, sehr gut verkauft haben. Die Zeit war für mich wertvoll, um das Team und die einzelnen Spielerinnen besser kennenzulernen“, so Nicole Gögele, für die es die erste Team-EM ist, bei der sie verantwortlich als Bundestrainerin den Hut aufhat.
„Jetzt geht das Turnier erst richtig los. Wales ist zwar nicht Spanien, aber wir werden die Waliserinnen ganz sicher nicht unterschätzen! Wir haben Respekt, glauben aber, mit unserer Aufstellung eine sehr gute Chance für einen Einzug ins Halbfinale zu haben, zumal wir uns einen guten Plan für die Duelle morgen überlegt haben. Unsere Spielerinnen sind alle sehr gut vorbereitet und wir wollen natürlich unbedingt weiterkommen“, so Nicole Gögele.
Die Bundestrainerin Frauen hat für die Vierer Charlotte Back mit Paula Schulz-Hanßen und Chiara Horder mit Susanna Brenske nominiert. Das SLR-Duo geht um 7.20 Uhr gegen Carys Worby und Millie Cottrell raus. Zehn Minuten später startet das zweite Duell, bei dem der deutsche Vierer, besetzt mit Athletinnen vom GC St. Leon-Rot und Hamburger GC, auf Ffion Tynan und Luca Thompson trifft.
Ab 13.25 Uhr starten am Mittwoch die Einzel. Charlotte Back geht im ersten Duell gegen Carys Worby raus. Im Acht-Minuten-Takt folgen die weiteren Matches: Paula Schulz-Hanßen versus Millie Cottrell, Chiara Horder versus Ffion Tynan, Stella Jelinek versus Isobel Kelly und schließlich um 13.57 Uhr Christin Eisenbeiß versus Luca Thompson.
Stimmen zum Tag
Charlotte Back war froh, das erste Nahziel erreicht zu haben: „Flight A war das erste Ziel. Ab jetzt im Matchplay sind die Situationen nochmal anders, was es spannender und für uns nochmal besser macht. Ich freue mich auf die kommenden Tage!“
Chiara Horder war nach ihrer zweiten Runde unter Par sehr entspannt: „Ich bin heute sehr gut in die Runde gestartet und konnte früh Birdies machen. Bis zur 13 lief es dann echt gut. Dann hatte ich leider zwei unglückliche Löcher, aber bin mit meinem Einzel-Ergebnis insgesamt zufrieden. Ich freue mich sehr auf die Matchplays! Ich liebe Matchplay und die Emotionen, die damit aufkommen. Mein coolstes Erlebnis war, die Team-EM letztes Jahr gegen Frankreich zu gewinnen und dabei auch das entscheidende Match zu sein. Und natürlich auch mein Sieg bei der R&A Women´s Amateur Championship.“
Stella Jelinek konnte ihren zweiten Auftritt bei einer Team-EM mehr genießen: „Spielerisch war es heute noch eher durchwachsen. Meine Eisen waren solide und ich hab mir einige Chancen erarbeitet, aber auf den Grüns ging einfach nichts rein. Ein paar kleine Fehler haben sich leider eingeschlichen und am Ende ein besseres Ergebnis gekostet.“
Christin Eisenbeiß hatte am zweiten Tag zahlreiche Zuschauer, weil Valentine Delon, mit der sie zusammen auf der Runde war, vom gastgebenden Club kommt: „Ich finde es super, wenn viele Golfbegeisterte rauskommen, um zu zugucken. Ich freue mich zu sehen, dass die Mitglieder eine gute Zeit haben.“
Susanne Brenske, die Hamburger Clubkameradin von Christin Eisenbeiß, fand besser ins Spiel: „Heute ist es mir leichter gefallen, Fairways zu treffen und dementsprechend auch die Grüns. Ich hatte viele Birdie-Chancen, konnte einige nutzen, andere nicht. Hinten raus habe ich an der 17 leider wieder ein Doppelbogey gemacht. Das war ein bisschen ärgerlich. Zusammenfassend bin ich aber echt zufrieden mit dem Tag.
Mein bislang schönstes Erlebnis im Matchplay ist das Final Four 2023 gegen München, als ich auf dem 18. Grün den Putt lochen musste, um das Match zu teilen und ein Stechen zu erzwingen.“
Lebensvielfalt
Der Platz von Golf de Chantilly ist nicht nur sportlich ein absoluter Leckerbissen. Faszinierend ist auch die Vielfalt an Leben, die auf und neben den Spielbahnen beobachtet werden kann. In den Roughs sind unzählige heimische Kräuter zu finden, die für die Biodiversität von größter Bedeutung sind, weil dadurch Insekten nicht nur bunte Blüten finden, sondern auch Gewächse, die sie tatsächlich nutzen können. Dieses kleine, aber enorm wichtige Detail wird oft unterschätzt. In Chantilly sind zum Beispiel der Hauhechel, die Wegerich-Grasnelke, echtes Seifenkraut, Tüpfel-Hartheu, Feld-Mannstreu sowie die absolut nicht hoch genug einzuschätzenden Schafgarbe und gewöhnlicher Dost zu sehen. Oder richtigerweise: zu bestaunen, denn wie viele unterschiedliche Insektenarten sich dort tummeln, ist eine wahre Pracht. So summt es auf dem Platz auch gehörig, weil so viele völlig harmlose Schwebfliegen ihren Lebensraum gefunden haben. Ein bis zwei Etagen höher ziehen Mäusebussard und auch der eher seltene Schwarzmilan ihre Bahnen.
Bei den anderen Team-EMs
Die Herren haben sich im Killarney Golf & Fishing Club auf dem sechsten Platz für Flight A qualifiziert und treffen im Viertelfinale auf Dänemark.
Die Jungen im Golf Resort Kaskáda sind noch bis auf Rang drei geklettert und treffen im Flight A im Viertelfinale ebenfalls auf Dänemark.
Auch die Mädchen haben Flight A erreicht. In England (Slaley Hall) geht es nach Rang fünf gegen Schweden im Viertelfinale weiter.











