Big Four vorne
Vineuil-Saint-Firmin/Frankreich – Charlotte Back hatte die Ehre, in der ersten Gruppe diese Team-EM mit zu eröffnen. Nach der Französin Louise Reau stand die Kurpfälzerin als zweite Spielerin der 7.00-Uhr-Startzeit auf dem ersten Tee und ließ direkt einen sehr guten Schlag raus.
Gewohnt solide kam die Spielerin des GC St. Leon-Rot über den Tag und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als sehr früh das Spiel wegen Gewitters unterbrochen wurde. Früh an Uhrzeit, aber spät gemessen an der Geschwindigkeit, in der sich Blitz und Donner näherten. Back hatte von Bahn 4 einen recht weiten Weg zurück ins sichere Clubhaus, und da wurde die Zeit zwischen Blitz und Donner schon sehr knapp.
Da das Gewitter auf eine Rollenwolke folgte, die gemeinhin kurze, aber mitunter sehr heftige Gewitter ankündigt, muss man von Glück reden, dass es zwar die erwartete kurze Unterbrechung gab, dieses Gewitter aber keine schweren Schäden angerichtet hat.
Statt Frühsonne hatten Betrachter des Schauspiels jedenfalls kurzzeitig den Eindruck, Mordor wäre knapp nördlich von Paris zum Leben erwacht – so finster war dieser Morgen des ersten Wettkampftages zeitweise.
Letztlich ging alles glimpflich ab, und 50 Minuten später waren die Athletinnen der 20 Nationen zurück auf den Fairways und nahmen das Spiel wieder auf.
Unter Par
Den tiefsten Score für das deutsche Team brachten Charlotte Back und Chiara Horder ins Recording. Die beiden, die über Jahre im Junior Team Germany gemeinsam im Vierer unschlagbar waren, lieferten jeweils eine 69 (-1) ab und spielten dabei fast schon langweilig gut. Dass mal ein Ball nicht bestens auf dem Fairway landete, war bei den beiden Spielerinnen, die inzwischen auch beim GC St. Leon-Rot vereint sind, die absolute Ausnahme. Während Back mit zwei Birdies und einem Bogey unter Par blieb, notierte Horder drei Birdies und zwei Bogeys.
In der bei einer EM kaum beachteten Einzelwertung liegen die beiden Bundesadler zunächst auf Rang sieben. Drei Spielerinnen hatten nur 67 (-3) Schläge gebraucht, drei weitere waren mit 68 (-2) vom Platz gekommen.
Charlotte Back sah ihre Leistung selbst als sehr soliden Tag: „Ich habe viele Fairways und Grüns getroffen, konnte so Fehler vermeiden und dementsprechend viele langweilige, aber gute Pars spielen. Auch nach dem wegen des Gewitters holprigen Start ging es ruhig weiter. Mein Highlight war mein Pitch an der 18, da ich ihn aus 66 Metern auf nur einen Fuß an die Fahne geschlagen habe und mir somit nochmal ein Birdie auf dem letzten Loch sichern konnte, was den Tag natürlich schöner ausklingen lässt.“
Ähnlich fasste „Kiki“ Horder ihre 69 zusammen: „Ich habe heute eine echt gute Performance abgeliefert. Ich hatte einfach sehr viele Grüntreffer und Pars. Mein Highlight des Tages war Loch 13, meiner Meinung nach das schwerste Loch des Platzes. Da habe ich drei echt perfekte Schüsse gemacht und somit ein sehr gutes Birdie gespielt.“
Schwerer Start
Einen schweren Start hatte Christin Eisenbeiß. Nach drei Bahnen standen schon zwei Bogeys auf der Karte der 24-Jährigen. Dies locker wegzustecken und ruhig weiterzuspielen, ist eine Stärke der Falkensteinerin. Entsprechend sammelte die Hanseatin schnell auch zwei Birdies und kam insgesamt am Ende mit einer 72 (+2) ins altehrwürdige Clubhaus, in dem die EGA das Recording eingerichtet hat.
Vor allem mit ihren Abschlägen war Eisenbeiß einverstanden. „Ich bin heute echt sehr gut aus der Tee-Box rausgekommen. Morgen werde ich noch ein bisschen an meinen langen Putts und an der Längenkontrolle arbeiten. Meine Eisen ins Grün sind heute länger geflogen als gestern. Deswegen war ich ein paar Mal an Stellen, wo es schwierig war. Mein Highlight des Tages war der Putt aus mehr als sechs Metern auf dem 18. Grün, der zum Birdie gefallen ist. Das war schön“, so Eisenbeiß.
Zweimal 73
Zweimal hat Deutschland an diesem Tag 73 Schläge in der Wertung. Diese Runden steuerten Susanna Brenske und Paula Schulz-Hanßen bei, wobei die Art und Weise, wie der Score zustande kam, sich doch unterschied.
Die Europameisterin von 2020 hatte bei den anfänglich schweren Bedingungen mehr als einmal noch ein Holz oder Hybrid ins Grün. Da fällt es schwer, gute Birdiechancen zu kreieren. Zwar standen am Ende drei Birdies auf der Karte von „PSH“, aber der Platz, der sich nach den Regenfällen der letzten 48 Stunden ungemein lang spielte, forderte seinen Tribut in Form von sechs Bogeys.
„Ich hatte heute einen eher schwereren Tag, weil ich am Ende noch zu viele Bogeys mit Dreiputts gemacht habe. Mein Tageshighlight waren die zwei Birdies in der Mitte der Runde, weil sie ein gutes Momentum erzeugt haben“, fasst Schulz-Hanßen ihren Tag knapp zusammen.
Susanna Brenske feuert bei ihrer Premiere bei einer Team-EM gewohnt lange Schläge ab, traf damit aber nicht immer den optimalen Punkt. So gab es eine wilde Rallye mit Auf und Ab, dass dem interessierten Betrachter fast schwindelig wurde. Am Ende standen starke vier Birdies auf der Scorekarte der Athletin vom amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister Hamburger GC. Dazu hatte Brenske aber auch drei Bogeys, davon eines auf Loch 17, in den Büchern. Da auf dem finalen Par 5 keine Verbesserung mehr gelang, war die Hanseatin unmittelbar nach Ende der Runde eher enttäuscht.
Premiere
Stella Jelinek hat zum ersten Mal das Shirt des Junior Team Germany getragen und war entsprechend am Anfang der Runde auch recht angespannt. Ein Start mit zwei Doppelbogeys ist natürlich gar nicht das, was sich eine ehrgeizige Athletin wünscht. Anschließend wurde es ruhiger, und am Ende fiel die 77 zwar aus der Wertung heraus, aber für Jelinek war es trotzdem alles andere als ein verlorener Tag: „Der Tag hat gezeigt, wie wertvoll Vertrauen und Konzentration im Teamwettbewerb sind. Wir sind mit klarem Fokus an die Aufgaben herangegangen, was sich auch in den Ergebnissen widerspiegelt.“
Strahlende Bundestrainerin
Bundestrainerin Nicole Gögele, die als Spielerin schon eine Medaille bei einer Team-EM gewinnen konnte, betreut erstmals hauptverantwortlich eine Mannschaft des Golf Team Germany bei diesem einen Höhepunkt der Saison. Am Abend eines langen Tages war die Bayerin mit ihrem Team zufrieden: „Das war heute für uns ein guter Tag!“
Startzeiten zweite Runde
Am zweiten Tag können die Deutschen etwas länger schlafen.
Um 8.50 Uhr wird Charlotte Back wieder als erster Bundesadler starten. Um 9.23 Uhr geht Stella Jelinek raus, ehe Paula Schulz-Hanßen um 10.07 Uhr als letzte Deutsche des frühen Startblocks auf die Runde gehen wird.
Um 13.58 Uhr wird Susanna Brenske als letzter Bundesadler starten. Zuvor geht um 13.14 Uhr Chiara Horder raus, während Christin Eisenbeiß da schon einige Löcher gespielt hat, weil sie um 12.41 Uhr gestartet ist.
Bei den anderen Team-EMs
Zeitgleich mit den Damen spielen die Mädchen, die Jungen und die Männer ebenfalls ihre Team-Europameisterschaften. Nach dem ersten Tag stehen die Herren im Killarney Golf & Fishing Club ebenfalls auf Rang vier. Die Jungen haben im Golf Resort Kaskáda auf Rang 5 beste Aussichten, Flight A zu erreichen, und auch die Mädchen liegen auf Rang 6 in Slaley Hall (England) absolut im Soll.









