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Berühmte Brücke: Die Hogan Bridge gilt als Wahrzeichen des Platzes im Augusta National Golf Club. | © Joel Marklund/Augusta National/Getty Images)

18 Champions erklären Augusta: Was den Platz so besonders macht

Natürlich ist das Masters in Augusta als Major-Event mehr als ein normales Turnier im Kalender der Touren. Aber es ist eben auch nicht nur eines der vier großen Highlights des Jahres – es ist ein Mythos. Man muss hier selbst gespielt haben, um das, was Augusta ausmacht, erklären zu können. Das gilt erstrecht für den Platz. Geschichten gibt es viele über die 18 legendären Bahnen im Augusta National Golf Club. Aber niemand könnte sie besser erzählen, als jene Stars, die hier triumphiert haben. 

Champions erklären den Masters-Platz

Eine Woche vor dem ersten Abschlag beim Masters 2026 haben wir das gefunden, was man neudeutsch, in Zeiten von Social Media & Co., eine „Netzperle“ nennt. Ein besonderes Video (s.u.), in dem 18 Masters-Champions ihre Erfahrungen und Gedanken zum Kurs teilen. Was schnell klar wird: Augusta ist kein Platz, den man „einfach spielt“. Es ist ein Kurs, der fordert, verführt – und nicht selten bestraft.

Der Start: Nervosität auf dem ersten Tee

Schon das Auftaktloch stellt die Weichen für die Runde. Breites Fairway, scheinbar viel Platz – doch der Eindruck täuscht. Das Grün mit seiner tückischen Vorderkante verzeiht keinen zu kurzen Schlag. „Du musst einen guten Schwung machen und darfst nicht zu verkrampft sein“, erinnert erklärt Tom Watson, Champion aus den Jahren 1977 und 1981. Leichter gesagt als getan – denn auf kaum einem Abschlag steht man unter größerer Beobachtung als hier.

Strategie statt Risiko auf den ersten Bahnen

Auch auf den folgenden Bahnen zeigt sich schnell, wie wichtig die richtige Position ist. Besonders auf den Par-5-Löchern entscheiden weniger die Länge als vielmehr die Platzierung und die Präzision. „Wie du deinen zweiten und dritten Schlag spielst, hängt stark davon ab, wo die Fahne steht“, erzählt Ben Crenshaw, Sieger 1984 und 1995. Wer hier falsch liegt, wird oft hart bestraft. Ein wiederkehrendes Prinzip zieht sich durch viele Aussagen der Champions: Besser von unten nach oben spielen – bloß nicht bergab. 

Langers Erinnerungen

Auch Bernhard Langer, Triumphator 1985 und 1993, erinnert sich an entscheidende Momente – etwa an Loch drei. Optisch wirkt die Bahn vergleichsweise harmlos, doch der Schlag ins deutlich tiefer liegende Grün verlangt höchste Präzision. Vor allem die Fahnenposition entscheidet über Risiko und Chance. Langer beschreibt, wie schnell sich die Situation zuspitzen kann, wenn man zu aggressiv spielt. Wer hier die falsche Entscheidung trifft, wird sofort bestraft – wer klug agiert, kann sich eine Birdie-Chance erarbeiten. Ein scheinbar unspektakuläres Loch, das taktisch enorm anspruchsvoll ist.

Amen Corner: Kleine Fehler, große Folgen

Apropos anspruchsvoll: Augusta ist berüchtigt für seine Grüns. Sie sind schnell, onduliert und voller versteckter Fallen. Ein Ball, der nur minimal falsch platziert ist, kann schnell zu drei Putts führen – oder mehr! Besonders die Annäherungsschläge sind entscheidend: Geraten sie zu lang oder zu kurz, wird die nächste Aufgabe häufig extrem schwierig. Spätestens mit dem Übergang zur zweiten Platzhälfte steigt die Spannung. Die legendäre Amen Corner (Bahnen 11, 12 und 13) gehört zu den emotionalen Höhepunkten – und zu den größten Herausforderungen durch Wind, Wasser und enge Landezonen: Hier wird jeder Schlag zur Prüfung. Schon viele Stars haben den Titel auf einer dieser Bahnen verloren. „Der Wind ist das Schwierigste – ihn richtig einzuschätzen“, erinnert sich Fred Couples, Sieger im Jahr 1992. Oft helfen selbst Erfahrung und Routine nur bedingt.

Chancen und Risiken auf den Back Nine

Und dann sind da noch die unberechenbaren Faktoren in Augusta. Bälle, die scheinbar ins Wasser rollen – und doch liegen bleiben. Momente, die niemand erklären kann, die aber schon viele Turniere entschieden haben. Auf den hinteren Löchern öffnet sich Augusta – zumindest auf den ersten Blick. Doch wer hier zu aggressiv spielt, wird schnell bestraft. Gerade auf den Par-5-Bahnen, zum Beispiel an der legendären 13, ist die Versuchung groß, das Grün mit zwei Schlägen zu erreichen. 85 Prozent des Feldes schaffen das. „Der Gedanke an ein Eagle ist sofort im Kopf“, erzählt Bubba Watson, der 2012 und 2014 triumphiert hat. 

Die emotionale Dimension der letzten Bahn

Der letzte Eindruck eines Platzes entsteht traditionell auf Bahn 18 – und kaum jemand hat diese Bahn so oft so intensiv erlebt wie Tiger Woods, der fünfmal in Augusta siegte. Die enge Schneise vom Tee verlangt einen präzisen Abschlag, bevor es bergauf Richtung Clubhaus geht. Woods beschreibt vor allem die emotionale Dimension dieses Lochs: der Weg zum Grün, die Geräuschkulisse, die Gewissheit, es gleich geschafft zu haben – oder eben nicht. Hier entscheidet sich nicht nur die Runde, sondern oft das gesamte Turnier. Unvergessen sind die Bilder aus dem Jahr 2019, als der Amerikaner auf dem Weg zu seinem bis heute letzten Majorsieg von einer Menschentraube verfolgt in Richtung Grün marschierte. Dort lochte er zum Triumph ein – ein Masters-Moment für die Ewigkeit.   

Der Charakter eines einzigartigen Platzes

Was Augusta so besonders macht, ist die Vielfalt. Jedes Loch hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte. Kein Schlag gleicht dem anderen, keine Entscheidung ist selbstverständlich. „Jedes Loch hat etwas anderes zu bieten – das macht diesen Platz so großartig“, erzählt Vijah Singh, Champion 2000. Augusta ist kein Platz für Perfektionisten,  sondern einer für Strategen. Für all jene, die auch das Spiel im Kopf beherrschen.

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