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Speicherteich im GC Heilbronn-Hohenlohe im Bau und ein Platz mit angepasster Beregnung (GC St. Leon-Rot) | © GolfSustainable/P.Himmel

In der Wasserkrise

“Wir haben das Thema Wassermanagement maximal ausgereizt. Aber ohne einen Tropfen Regen nützt das am Ende auch nichts.” Marcel Gallmayer, Geschäftsführer des GC Schönbuch, hat wie viele andere Verantwortliche auf deutschen Golfanlagen harte Monate hinter sich. Deutschland erlebt 2026 einen Sommer der Extreme: Auf außergewöhnliche Hitzeperioden folgen regional zwar kräftige Regenfälle, doch die Niederschläge sind ungleich verteilt, sodass die entstandenen Wasserdefizite nicht ausgeglichen werden. Hohe Temperaturen treiben gleichzeitig die Verdunstung in die Höhe. Schon im Juni sprach der Deutsche Wetterdienst von einer “Hitzewelle für die Geschichtsbücher”. Baden-Württemberg gehört dabei sowie Teile von Hessen oder der Osten Bayerns zu den besonders betroffenen Regionen.

 

Tägliche Besprechungen mit dem Greenkeeping waren für Gallmayer in den letzten Wochen Standard, um genau festzulegen, wann und wo wieviel Wasser ausgebracht wurde, "um in dieser Extremsituation den Mitgliedern noch das bestmögliche Spielerlebnis zu ermöglichen". Schließlich hatte der Wasserversorger des Clubs die Wasserlieferung kurzfristig um 50 Prozent reduziert. Damit war der Club kein Einzelfall. Deutschlandweit entschieden sich zahlreiche Kommunen dafür, angesichts sinkender Grundwasservorkommen die Beregnung von kommunalen Grün- und Sportanlagen einzustellen. Sportanlagenbetreibern wurde das Leitungswasser gekappt, aber auch die Entnahme aus Seen, Bächen und Flüssen wurde vielerorts reduziert. Weniger drastisch waren die Auswirkungen bei Golfanlagen, die eine Grundwasserentnahmegenehmigung haben, da diese bis dato meist nicht angetastet werden.

 

Allerdings weist Andreas Klapproth, Leiter des Arbeitskreises Bewässerung beim Deutschen Golf Verband, darauf hin, dass auch diese Wasserversorgung in Trockenphasen keine komplette Absicherung ist. “Grundwasserentnahmen sind im Rahmen der Genehmigung an Mindestgrundwasserstände gekoppelt. Auch die Grundwasserstände sind dramatisch gesunken, sodass die Trinkwasserversorgung gefährdet ist”, erklärte er während des Höhepunktes der Dürrephase Mitte August. “Der Erhalt der Hauptspielelemente sollte nur durch gespeichertes Wasser erfolgen.”

 

Im GC Schönbuch, wo man in den vergangenen Jahren auf die Versorgung durch Wasser aus kleineren Teichen und Leitungswasser vertraute, hat man durch den Bau eines großen Speicherteiches mit rund 40.000 Kubikmeter Fassungsvermögen für Regen-, Drainage- und Grundwasser eine in der Zukunft tragbare Lösung gefunden. Genauso wie im GC Heilbronn-Hohenlohe, einem anderen Club in Baden-Württemberg. “Leider ist der Teich nicht mehr rechtzeitig fertig geworden, um ihn durch die Winterniederschläge vollständig füllen zu können”, resümiert Präsident Bruno Fergen. “Dennoch haben wir ein knappes Drittel des Gesamtfassungsvermögens, ca. 12.000 m³ von insgesamt ca. 36.000 m³, noch vor der Trockenperiode auffüllen können. Dies hat es uns möglich gemacht, Abschläge, Vorgrüns und Grüns während der gesamten Trockenperiode in einem ausgezeichneten Zustand zu halten. Lediglich die Fairwaybewässerung mussten wir zwischenzeitlich einstellen.”

 

Die Priorisierung der beregneten Flächen hat sich aus Sicht von Marc Biber, Abteilungsleiter Umwelt, Platzpflege und Nachhaltigkeit beim Deutschen Golf Verband, gegenüber der letzten großen Dürrephase im Jahr 2018 deutschlandweit bei vielen Golfanlagen deutlich verbessert. “Die Grüns wurden regelmäßig beregnet, damit sie die Hitze ausgehalten haben, die Fairways und die Abschläge jedoch zunehmend restriktiv. Es wurde auf Erhaltungsbewässerung umgestellt. Diese Flächen sind dann auch Stück für Stück gelb beziehungsweise braun geworden.”

 

Die zahlreichen Beschränkungen für die Beregnung von Sportanlagen – egal ob Golf-, Fußball- oder Tennisplätze – haben den deutschen Golfanlagenbetreibern aber auch vor Augen geführt, dass die Wasserversorgung der Anlage in Dürrephasen nur dann funktioniert, wenn Wasser entweder in gespeicherter Form vorhanden ist oder auf gereinigtes Brauchwasser von Firmen, Wohngebieten oder Kläranlagen zurückgegriffen wird, das unabhängig vom Wetter zur Verfügung steht. Kombiniert mit einer optimierten Beregnungsanlage und der richtigen Ausbildung der Greenkeeper liegt dann ein Konzept des Wassermanagements vor, das auch bei Trockenphasen gut spielbare Fairways, Abschläge und Grüns ermöglicht.

 

Der GC Schönbuch und der GC Heilbronn-Hohenlohe stehen deshalb stellvertretend für viele Golfanlagen, die sich gerade mitten in der Transformation beim Thema Wassermanagement befinden. Sie haben sich bereits frühzeitig mit folgenden Fragen auseinandergesetzt: 

 

  • Mit welchen Wasserquellen kann der Club langfristig seine Wasserversorgung auch in Trockenzeiten und bei kurzfristigen Begrenzungen durch Behörden sichern?
  • Verfügt die Golfanlage in einer Dürrephase von bis zu drei Monaten über Speicherteiche oder Zugang zu Brauchwasser, die eine Beregnung der wichtigsten Spielflächen ermöglichen?
  • Ist die Beregnungsanlage der Golfanlage modern und leistungsstark genug, um ausreichend Wasser in einem bestimmten Zeitrahmen effizient auszubringen?
  • Hat der Club ausreichend Kommunikation in Richtung von Mitgliedern und Nicht-Golfern betrieben, um in Dürrephasen in der Region nicht als großer Wasserverschwender dazustehen?

 

Denn auch das zeigt der Sommer 2026: Auf den großen Social-Media-Kanälen, in Tageszeitungen und anderen Medien ist die Beregnung von Golfanlagen nachwievor ein Thema, das von Teilen der Öffentlichkeit kritisch gesehen und diskutiert wird. Hier spielt die richtige Kommunikation eine wichtige Rolle. Schilder, die auf den Verbrauch von gespeichertem Wasser oder Klärwasser hinweisen, helfen an dieser Stelle ebenso weiter wie die Information der Mitglieder im Newsletter, Social-Media-Posts oder auch ein Treffen mit den Vertretern lokaler Medien.

 

Wasser ist in Deutschland längst eine knapper werdende Ressource. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und die Absicherung der Landwirtschaft mit Beregnungswasser stehen im Vordergrund. In diesem Umfeld sind die Golfanlagen gefordert, ihre individuelle Resilienz für Dürrephasen aufzubauen. Beim Thema Wasser, auch darauf weist der Arbeitskreis Bewässerung hin, ist jede Golfanlage selbst gefordert.

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