Zahlenspiele: Ist McIlroy der beste Europäer aller Zeiten?
Es wird im Sport viel und oft darüber diskutiert, wer denn nun der Größte ist. Der sogenannte GOAT, das inzwischen längst salonfähige Kürzel für den „Greatest of all time“. Im Golf ist es für die einen Tiger Woods, für die anderen immer noch Jack Nicklaus. Zwei US-Legenden also. Aber welcher Europäer steht generationenübergreifend ganz oben? Seit vergangenem Sonntag könnte man annehmen, dass die Antwort eindeutig ausfällt: Rory McIlroy. Sein zweiter Masters-Triumph in Serie ist ein historischer: Die Titelverteidigung in Augusta war vor ihm erst drei anderen Spielern gelungen. Aber ist er deshalb auch Europas ewige Nummer eins?
McIlroy, Faldo und Ballesteros im Vergleich
Ein Blick auf die wichtigsten Vergleichswerte mit Nick Faldo und Seve Ballesteros, seinen größten Konkurrenten um den Prestige-Titel als Europas Bester, zeigt, wie außergewöhnlich McIlroys Karriere bereits jetzt ist.
- Majors: McIlroy (6) hat mit Faldo gleichgezogen, Ballesteros hat fünf Titel
- Masters: Zwei Titel – weniger als Faldo (3), gleichauf mit Ballesteros
- PGA Championship & US Open: Hier setzt sich McIlroy klar ab – als einziger der drei Spieler hat er beide Majors mehrfach bzw. überhaupt gewonnen
- Top-Ten-Platzierungen bei Majors: McIlroy (34) deutlich vor Faldo (26) und Ballesteros (20)
- PGA-Tour-Siege: McIlroy (30) weit vor Faldo und Ballesteros (je 9)
- Wochen als Nummer eins der Welt: McIlroy (122) vor Faldo (97) und Ballesteros (61)
Ballesteros' Titel-Rekord
Insbesondere die Siege auf der PGA Tour und die Wochen als Nummer eins unterstreichen, wie sehr sich das Spiel globalisiert hat – und wie dominant McIlroy in dieser globalen Ära agiert. Ballesteros bleibt mit 50 Siegen auf der DP World Tour allerdings eine Ausnahmeerscheinung (Faldo 30 Titel, McIlroy 21), ein Rekord, der kaum zu brechen sein wird. Doch insgesamt ist McIlroys Bilanz breiter, internationaler – und konstanter auf höchstem Niveau.

Warum sich McIlroy abhebt
Natürlich hinken Generationenvergleiche meistens. Faldo und Ballesteros prägten eine Zeit, in der sich das Profigolf stärker auf Europa konzentrierte. McIlroy hingegen bewegt sich in einem internationaleren System mit noch stärkerer Konkurrenz und höherer Leistungsdichte. Und doch ist auffällig: In nahezu allen relevanten Kategorien liegt der Nordire vorn oder zumindest gleichauf – bei gleichzeitig größerer Vielseitigkeit. Dass er als einziger der drei sowohl die PGA Championship als auch die US Open gewinnen konnte, ist dabei ein wichtiger Punkt.
Ryder-Cup-Bilanzen
Ganz entschieden ist die Debatte dennoch nicht. In einzelnen Disziplinen haben Faldo und Ballesteros weiter Argumente auf ihrer Seite:
- Open Championship: Faldo und Ballesteros mit je drei Titeln, McIlroy bislang nur einem
- Ryder Cup: McIlroy hat 21,5 Punkte gesammelt – stark, aber noch hinter Faldo (25) und knapp hinter Ballesteros (22,5)
Gerade im Ryder Cup könnte sich das Bild noch verschieben. Mit 36 Jahren dürfte McIlroy im besten Fall noch ein paar Duelle für das Team Europa bestreiten. Er könnte also auch in dieser Statistik noch an Faldo und Ballesteros vorbeiziehen.

McIlroy: „Ich möchte hier nicht aufhören“
Was für McIlroy spricht: Seine Karriere ist noch nicht beendet. Zehn Jahre lang hatte er kein Major-Turnier gewonnen, bis er 2025 zum ersten Mal in Augusta triumphieren konnte. Nun ist ihm sogar die Titelverteidigung gelungen. Warum sollten nicht weitere große Siege folgen? „Ich möchte hier nicht aufhören“, hat er selbst gesagt. Klingt nach großen Zielen. Vielleicht zieht er Faldo und Ballesteros bald auch in allen Statistiken davon.








