Vorbild, Mutmacher, Ausnahme-Athlet
Derzeit genießt Allen John ein paar Tage zu Hause bei Familie und Freunden. Bevor er auf den Golfplätzen überall auf der Welt wieder die Grüns und Fairways beackert, wird vor dem Häuschen daheim im baden-württembergischen Oberhausen-Rheinhausen erst einmal der Rasen gepflegt und für den Sommer schön gemacht. Wie oft er die Wiese dann nutzen und mit dem Hund drauf spielen kann, ist aktuell unklar. Irgendwann in den kommenden Wochen wird der 38-Jährige entscheiden müssen, wohin ihn die Karriere noch führt. Am liebsten auf die DP World Tour. Ob das klappt? Dafür werden die Ergebnisse in den kommenden Wochen auf der Sunshine Tour in Südafrika bzw. in Simbabwe entscheidend sein.
„Wir Sportler werden an Siegen gemessen. Mein letzter Tour-Erfolg ist schon eine Weile her. Da wär's schon schön, wenn noch der eine oder andere dazu kommt“, sagt John. Im Büro zu Hause hat er ein Regal. Darauf stehen ein paar Pokale und hängen Medaillen. Und seit kurzem auch ein Neuzugang: Allen John hat im Vorfeld des Verbandstages in Frankfurt bei der Abend-Gala des Deutschen Golf Verbandes die Ehrennadel in Silber verliehen bekommen. Und das war ein sehr emotionaler Moment für den Ausnahme-Athleten.
Als Marcus Neumann, Vorstand Sport des Deutschen Golf Verbandes, die Laudatio verlas, kämpfte eben genau jener gegen die Tränen. „Das war ergreifend. Das ging mir sehr nah nach allem, was wir gemeinsam erlebt haben. Ich bin überglücklich und stolz über diese Auszeichnung. Ich empfinde diese als hohe Anerkennung und Wertschätzung“, so John. 2025 hatte er in Tokio zum dritten Mal in Folge die Goldmedaille bei den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen, gewonnen und erklärt: „Es gibt nichts Schöneres, als für sein Land zu spielen, zu gewinnen und ganz oben zu stehen, wenn die Hymne für dich gespielt wird.“
Aber auch auf der Tour sorgt John immer wieder für Furore: Bei der European Open 2018 in Hamburg schrammte er haarscharf am Sieg vorbei und wurde Zweiter. Zuletzt sorgte er in Südafrika für Schlagzeilen, als er sich mit seinem ersten Hole-in-One im Pre-Qualifier für die Joburg Open qualifizierte und beim Event der DP World sowie der Sunshine Tour starker 18. wurde. Allen John macht vielen Menschen mit Handicap Mut, weil er beweist, dass auch Golfer mit Einschränkung Großes erreichen und im Zirkus der Top-Stars mithalten können.
Laudator Neumann bei der Ehrung des DGV in Frankfurt: „Allen, du gehst deinen eigenen Weg im Golf – mit Klarheit, Vertrauen und einer beeindruckenden Ruhe. Du zeigst, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern dass der eigene Weg der sein kann, der am weitesten trägt. Damit bist du längst mehr als ein erfolgreicher Golfer. Du bist ein Vorbild. Für junge gehörlose Menschen, die an dir sehen, was möglich ist. Und für viele andere, weil du uns daran erinnerst, was im Sport und im Leben wirklich zählt: dranbleiben, an sich glauben und den Mut haben, seinen eigenen Weg zu gehen.“ Damit untermauert der Vorstand Sport, dass Inklusion für den Deutschen Golf Verband kein Randthema, sondern ein klarer Anspruch ist. Golf soll ein Sport für möglichst viele sein. „Und genau das macht Allen John sichtbar.“
Einer, der Johns Triumph 2025 in Tokio hautnah mitverfolgt hat, ist Heiko Burkhard. Er ist Trainer des deutschen Gehörlosen-Nationalteams und wurde per Video-Botschaft zugeschaltet. „Allen Johns Erfolge kommen nicht von ungefähr. Sie sind Ergebnis von harter Arbeit, Disziplin und absoluter Leidenschaft für den Golfsport. Es ist beeindruckend, welche Opfer Allen bringt, um seinen Traum, auf der DP World Tour zu spielen, zu verwirklichen. Wir werden den Weg dieses Ausnahme-Athleten weiter verfolgen und drücken ihm beide Daumen für die kommenden Turniere und eine erfolgreiche Saison 2026“, so Burkhard. Besser als Neumann und Burkhard kann man es nicht ausdrücken. Allen John war und ist nie ein lauter, schriller Star. Eher ein klarer, stiller, ehrlicher und stets fokussierter Mensch. Ein Vorbild und Mutmacher für so viele - und ein würdiger Botschafter des deutschen Golfsports.








