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Im Golffieber: Mathias Mester
Im Golffieber: Mathias Mester | © privat

„Ich werde sicherlich nervös sein…”

22-facher Deutscher Meister, Weltmeister und Paralympics-Silbermedaillengewinner – Mathias Mester gehört zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Parasports. Heute engagiert sich der Coesfelder als Botschafter für den Parasport, ist gefragter Speaker und erreicht in den sozialen Medien mehr als eine Million Menschen. Sportlich hat sich sein Fokus inzwischen von der Leichtathletik auf den Golfsport verlagert. Der 39-Jährige spielt seit rund zweieinhalb Jahren und stellt sich bei den Deutschen und Internationalen Amateurmeisterschaften der Golfer mit Behinderungen im GC Mannheim-Viernheim (19. bis 20. Juni) erstmals der Konkurrenz.

 

Hallo Herr Mester, wie intensiv laufen die Vorbereitungen auf das IAM in Mannheim?

Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Ich spiele jetzt seit etwa zweieinhalb Jahren Golf und habe das Training im vergangenen Jahr noch einmal deutlich intensiviert. Ich trainiere mit meinem Trainer Wolfgang Huget in Osnabrück sowie mit der DGL-Mannschaft in Coesfeld. Mittlerweile investiere ich sehr viel Zeit in den Sport, weil er in mir einen enormen Ehrgeiz und eine große Begeisterung geweckt hat. Mein Ziel ist es, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln, im Para-Golf national und international Fuß zu fassen und langfristig den Weg zu den Paralympischen Spielen zu schaffen.

 

Wie kam es zur neuen Leidenschaft Golf?

Ich bin damals bei einem Charity-Turnier zum Golf gekommen und danach direkt angefixt worden. Letztes Jahr habe ich mich noch nicht getraut, mich bei der IAM anzumelden. Da hat mir noch ein bisschen der Mut gefehlt. Dieses Jahr habe ich gesagt: ‘Komm, ich mache mit’. Ich möchte die Erfahrung sammeln, Spaß haben und das Ganze auch ein bisschen mehr angehen. Oder eigentlich nicht nur ein bisschen – ich will da schon Gas geben.

 

Man bekommt das Gefühl, der Golfvirus hätte Sie heftig erwischt.

Ja, auf jeden Fall. Ich habe richtig große Lust. Und natürlich will ich jetzt sehen, wie weit man kommen kann. Ich bin noch total neu und weiß gar nicht, was es da alles gibt. Ich habe inzwischen auch schon Jennifer (Sräga) kennengelernt, und das ist natürlich Wahnsinn, wie sie Golf spielt. Über sie habe ich erst mitbekommen, dass es Europameisterschaften und weitere spannende Turniere gibt. Sie hat ja gerade die G4D Open in Wales gewonnen. Ich habe das über Social Media verfolgt und gedacht: ‘Wow, wie geil ist das denn.’

Nichts ist ausgeschlossen

Sie kommen aus dem Leistungssport. Spielt da vielleicht auch die Perspektive eine Rolle, dass Golf irgendwann paralympisch werden könnte?

Natürlich hätte ich riesige Lust, anzugreifen, wenn Golf paralympisch wird. Aber es kann viel passieren. Und ich weiß auch, was für großartige Sportlerinnen und Sportler es gibt. Vor deren Leistungen habe ich großen Respekt und ich weiß nicht, ob ich jemals auch nur ansatzweise deren Niveau erreichen kann. Wenn dann jemand wie Jennifer mit Handicap vier auftaucht und ich mit meinem Handicap 15, denke ich natürlich auch erst einmal: Hm. Andererseits gibt es immer wieder Geschichten von Leuten, die sich in kurzer Zeit enorm verbessern. Komplett ausgeschlossen ist also gar nichts.

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Klingt danach, als stünde nach der Karriere als Leichtathlet nun die zweite im Golfsport an.

Absolut. Aber ich möchte immer respektvoll bleiben. Es gibt so viele Spieler, die schon deutlich länger in diesem Sport unterwegs sind.  Wenn ich heute sage, ich will zu den Paralympics, klingt das für den ein oder anderen sicherlich etwas hoch gegriffen. Aber ich finde, jeder darf seine Ziele und Träume haben und dafür kämpfen. Und wenn es am Ende nicht klappt, dann ist das eben so aber man hat alles gegeben. Aber ich bin akribisch, war gerade in England bei Ping zum Fitting. Da wollten wir einfach schauen, dass ich das richtige Equipment bekomme. Es bringt ja nichts zu sagen: Nimm einfach einen Kinderschläger, das passt schon. So funktioniert das nicht. Jetzt habe ich eine wirklich richtig gute Ausrüstung. Und plötzlich ergeben sich Kontakte. Ich habe einen Partner an meiner Seite mit Planetgolf die an mich glauben und mich unterstützen. Und gemeinsam mit meinem Trainer Wolfgang Huget und meinem Verein GLC Coesfeld geben wir jetzt richtig Gas.

 

Pete Sampras hat einmal gesagt, dass er bei Golf Pro-Ams nervöser ist als in einem Wimbledon-Finale. Wie ist das bei Ihnen?

Mittlerweile genieße ich das sogar. Gerade bei Charity-Turnieren stehen am Anfang oft viele Leute herum. Früher fand ich das schwieriger. Heute ist es so: Wenn ich mal einen Ball nicht treffe, dann ist mir das nicht mehr unangenehm. Früher habe ich mir darüber viel mehr Gedanken gemacht. Inzwischen kann ich diese Situation eher positiv ummünzen. Ich liebe diese Anspannung im Turnier. Dieses Gefühl, dass man jetzt funktionieren muss. Das ist wahrscheinlich auch etwas, das ich aus dem Leistungssport mitgenommen habe.

„Ich brauche auch den Wettkampf…”

Als ehemaliger Leistungssportler fällt es einem wahrscheinlich schwer, einen Sport rein als Hobby zu betrachten.

Ich liebe es, draußen in der Natur zu sein, man bekommt den Kopf frei und ist für sich. Aber gleichzeitig reicht mir das allein dann auch wieder nicht. Ich brauche auch den Wettkampf. Dieses Duell mit dem Handicap oder mit anderen Spielern finde ich einfach sensationell. Je mehr ich mich in den Sport reinfuchse und Leute kennenlerne, desto spannender wird das. Ich habe zum Beispiel einen kleinwüchsigen Golfer gesehen, der Handicap zwei oder drei spielt. Da habe ich festgestellt: Die Weiten, die er schlägt, habe ich teilweise auch schon. Aber natürlich ist er viel präziser.

 

Da profitieren Sie wahrscheinlich auch von ihrer Vergangenheit in der Leichtathletik. 

Ja, teilweise schon. Und ich glaube tatsächlich, dass ich da etwas Glück habe, weil ich aus dem Speerwurf komme. Diese Schnellkraft, die Hüftarbeit, diese ganze Dynamik – das brauchte ich damals alles im Speerwurf und das hilft mir heute auch im Golf.

 

Die IAM steht auch für mehr Sichtbarkeit im Behindertensport. Welche Rolle können solche Turniere dabei spielen?

Definitiv eine wichtige. Ich habe nie gesagt, dass ich jetzt Botschafter für Inklusion bin. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man mit Reichweite tatsächlich etwas bewegen kann. Ich bekomme immer wieder Nachrichten von Menschen, die sagen, dass sie durch meine Inhalte in den sozialen Medien neue Hoffnung gefunden haben. Das geht manchmal wirklich unter die Haut.

Wertschätzung und Anerkennung

Solche Nachrichten gehen einem bestimmt sehr nahe.

Definitiv: Ich bin ja trotzdem einfach ich selbst. Wenn ich dadurch Menschen motivieren kann oder dem Parasport mehr Sichtbarkeit geben kann, dann freut mich das sehr. Ich glaube auch, dass wir im Parasport viele Botschafter brauchen. Nicht nur, damit mehr Menschen sagen: Wenn der das kann, kann ich das vielleicht auch. Sondern auch, damit die Leistungen ernst genommen werden. Es geht nicht darum, dass dort Menschen mit Behinderung Golf spielen. Es geht darum, dass dort Menschen verdammt gutes Golf spielen. Diese Wertschätzung und Anerkennung braucht der Sport.

 

Zum Schluss noch einmal zurück zur IAM: Mit welchem Ziel fahren Sie nach Mannheim?

Am Anfang habe ich immer gesagt: Ich möchte nicht Letzter werden. Jetzt habe ich die Meldeliste gesehen und mein Ziel etwas angepasst. Ich würde gerne an beiden Tagen mein Handicap spielen. Das wäre schon etwas, womit ich sehr zufrieden wäre. Ansonsten geht es mir darum, die ganzen Menschen kennenzulernen, die Athletinnen und Athleten zu treffen und einfach mal reinzuschnuppern. Ich werde sicherlich nervös sein. Aber ich habe einen Kumpel als Caddie dabei. Der wird mich dann schon beruhigen. Quasi mein Psychologe an der Tasche. Ich freue mich wirklich sehr darauf.

 

Vielen Dank für das Gespräch!
 

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