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Harry Diamond trägt seit 2017 die Tasche des zweifachen Masters-Champions Rory McIlroy. Der Ire spielte 2012 selbst einmal auf der DP World Tour. | © Getty Images/Andrew Redington

Harry Diamond: Freund, Bruder, Caddie

Wie sollte der perfekte Caddie sein? Mehr Stratege? Oder Wissenschaftler? Selbst ein Top-Golfer? Oder vielleicht einfach nur ein guter Freund? Im besten Fall vielleicht ein Mix von allem. Bei Rory McIlroy ist das so eine Sache. Der Mann, der seit Jahren seine Tasche trägt, heißt Harry Diamond. Die beiden kennen sich, seit sie als junge Kerle in Nordirland Bälle aus dem Bunker schlugen. Ein Sandkasten-Freund sozusagen. Nun haben die beiden zwei Masters-Siege in Folge geholt. Dabei hatte es vor ziemlich genau zwei Jahren noch massive Kritik aus der Szene gegeben.

 

Damals, im Juli 2024 war's. Bei der US Open verspielte McIlroy den sicher geglaubten Sieg. Ex-Tour-Pros sowie TV-Experten gaben dafür auch Diamond die Schuld. Er habe falsch beraten, bei der Schlägerwahl daneben gelegen. Hank Haney sowie Smylie Kaufman rieten McIlroy gar dazu, den Mann an der Tasche auszutauschen. Sonst werde die schier endlose Phase ohne Major-Sieg nie enden, mutmaßten sie – und täuschten sich. McIlroy hielt an seinem Freund fest, vertraute ihm und holte in den Folgejahren zweimal das Masters. Manchmal muss man eben durch eine schwierige Phase gehen, geduldig bleiben.

Der Champion weiß genau, was er an Diamond hat. McIlroy: „Ich bin Einzelkind. Deswegen ist er so etwas wie der große Bruder, den ich nie hatte. Das macht es so besonders.“ Diese Beziehung sei eine sehr emotionale Sache. Die beiden Jungs hatten sich damals als junge Talente auf dem Putting Green im Holywood Golf Club getroffen, als sie noch Kinder waren. McIlroy war sieben, Diamond fünf Jahre älter, aber er freundete sich trotzdem mit McIlroy an. Sie verbrachten Jahre damit, zusammen Golf zu spielen, wurden beste Freunde und begleiteten den jeweils anderen auf dessen Lebensweg mit Hochzeit, Geburt der Kinder und so weiter. Das Duo ist mehr als nur eine Spieler-Caddie-Beziehung.

 

Beide bezeichnen ihre Freundschaft als offen und ehrlich. Manchmal sind es auch harte Worte, aber keiner von beiden würde deswegen beleidigt sein oder es besser wissen wollen. Dafür kennen sie sich zu lange – und machten zu viel gemeinsam durch. McIlroy behauptet, es gebe in dieser Welt keine zweite Person, die ihn auf dem Platz so entspannt sein lässt. Der Impact Harry Diamonds auf die Gemütslage seines Schützlings sei immens. Dabei sind beide doch recht unterschiedlich. McIlroy der Star im Rampenlicht, Diamond eher der Mann im Hintergrund, der die große Bühne ohnehin nicht so sehr braucht. Einer, der ganz gut klar kommt mit der zweiten Geige.

 

Die Geduld zahlte sich in den vergangenen beiden Jahren ja doch recht ordentlich aus. Caddies verdienen je nach Vereinbarung etwa acht bis zehn Prozent des Preisgeldes. Der Scheck für den Sieg in Augusta belief sich auf rund 4,5 Mio. US-Dollar. Also bekäme Diamond für seinen Job über die Woche irgendetwas zwischen 360.000 und 450.000 US-Dollar. Ein ganz passabler Stundenlohn für einen Mann, den einige vor zwei Jahren schon fast aufgegeben hatten. McIlroy nicht. Er vertraute seinem Freund – der Erfolg gibt ihm Recht.

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So wirklich viel ist über den „Schattenmann“ mit dem glanzvollen Namen nicht bekannt. Ja, er trägt die Tasche des Major-Siegers McIlroy, kennt dessen Schwung wie kaum ein anderer, weiß genau, was wann zu trainieren ist. Er sorgt für ein komfortables Umfeld, wenn es ernst wird. Als der Meister bei seinem zweiten Streich in Augusta auf der 18 seinen Ball nach rechts in die Bäume drosch und einige schon wieder von einem Breakdown sprachen, blieben die beiden Kumpels aus Holywood cool. Keine Hektik. Im Prinzip war diese Schlussbahn für McIlroy ein Spiegelbild der letzten Jahre. Wenn's schwierig wird, nur nicht hastig etwas ändern. Ruhig bleiben und an Routinen halten.

 

Harry Diamond, geboren am 29. Mai 1984, war immerhin selbst einmal ein hervorragender Golfer mit Handicap 2,5. Die Tour hat sogar ein Spielerprofil für ihn angelegt, da er 2012 die West of Ireland Championship gewonnen und sich für die Irish Open qualifiziert hatte. Er mag Boxen, Fußball, Tennis und Darts. Und er trifft hin und wieder Sportgrößen wie Raffa Nadal oder Floyd Mayweather Junior. Für den größten Star trägt er die Tasche. Zuletzt ziemlich erfolgreich, auch wenn einige ihn vor zwei Jahren schon abgeschrieben haben. Es geht aber auch im Leben eines Major-Champions nicht immer nur um Titel oder Preisgeld. Eine echte Männer-Freundschaft ist manchmal wichtiger.

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