Die ganze Geschichte über Amundi-Siegerin Leo Harm
Sie hat es geschafft: Leonie Harm war ihrem ersten Sieg auf der Ladies European Tour schon oft so nah. Jetzt hat sie ihn. Beim Heimspiel. Die 28-Jährige aus dem National Team Germany gewann das Amundi German Masters powered by VcG in Hamburg. Geduld und unbändiger Ehrgeiz zahlten sich aus für die Stuttgarterin aus dem GC St. Leon-Rot. Ihr Mut hat sie getragen, denn in der Geschichte der Leonie Harm gibt es tiefe Einschläge. Einer hätte ihr beinahe das Leben gekostet.
Im Alter von 15 Jahren änderte sich Harms Leben dramatisch. In den frühen Morgenstunden des 3. Mai 2013 wurde sie von einem betrunkenen Autofahrer, der mit 70 km/h unterwegs war, erfasst, lag im Koma. Die Ärzte gaben ihr eine sehr geringe Überlebenschance. Schädel-Basis-Bruch, die Hüfte, das Fußgelenk sowie eine Rippe waren angeknackst. Auch das Felsenbein, das das Innenohr umgibt, war gebrochen, die Lunge geprellt, Hämatome haben sich im Gehirn gebildet. „Ich war morgens vor der Schule beim Joggen und erlitt ziemlich schwere Verletzungen. Aber ich habe mich auf wundersame Weise erholt. Ich wachte aus dem Koma auf und es war seltsam. Ich wusste, was mit mir passiert war, aber ich hatte keine Erinnerung an das Ereignis.“
Die schweren Verletzungen hielten Harm nicht davon ab, eine schnelle, fast vollständige Genesung zu erreichen. Nur sieben Wochen später kehrte sie zurück. Für viele grenzte das an ein Wunder. „Ich habe es geschafft, nach dem Unfall sehr schnell wieder auf den Golfplatz zurückzukehren.“ Sie wurde 2014 Deutsche Meisterin und spielte 2015 den PING Junior Solheim Cup in ihrem Heimatclub. Harm begann 2016 eine College-Karriere an der University of Houston, stellte mehrere Rekorde auf und gewann vier NCAA-Titel.
Vielleicht geht Harms unglaubliche Comeback-Geschichte über das Nahtoderlebnis hinaus. Auf ihrem Weg zur LET-Siegerin musste sie auch den Krebs-Tod ihrer Mutter überwinden. Zudem dachte sie 2024 ernsthaft darüber nach, mit Golf aufzuhören, nachdem sie nicht mehr die Form erreichen konnte, die sie sich gewünscht hatte. Und dann kam alles doch wieder anders.
„Meine Karriere war eigentlich vorbei. Ich wollte es beenden und nach den Hero Women’s Indian Open in den Ruhestand gehen. Ich war irgendwie kurz davor, verrückt zu werden, weil auf dem Platz nichts mehr funktionierte, obwohl ich so hart arbeitete. Ich beschloss, es zu beenden, aber plötzlich änderte sich alles“, erzählt sie im LET-Interview. Harm war als Caddie in Saudi-Arabien unterwegs, schlug zwanglos ein paar Bälle und traf ungewollt plötzlich Coach Scott Edwards. „Er gab mir ein paar Tipps und plötzlich fühlte sich alles wieder mehr wie mein Schwung an. Ich konnte dann auch an allen anderen Teilen meines Spiels arbeiten. Ich unternahm ein paar Reisen, um mit ihm zu arbeiten und sofort gab es Verbesserungen.“
Und nun, zwei Jahre später, hat das Märchen von Leonie Harm ein Happyend. Sie erreichte den langersehnten Tour-Sieg ausgerechnet zu Hause beim Event in Deutschland. Ein Triumph, der besser nicht beweisen könnte, dass es sich lohnt zu kämpfen. Aufgeben war für Leonie Harm einmal eine Option. Es kam anders. „Ich glaube, dass ich mich im Moment mental in einer guten Verfassung befinde. Es ist ein großartiges Gefühl, dass mich Golf nun zum Erfolg führen kann“, so Harm. Mit ihrer Kraft, ihrem Mut und ihrem Weg wird die Nationalspielerin vielen jungen Talenten ein strahlendes Vorbild sein.








