Ausgelippt: Neuer Handschuh, altes Spiel?
Die neue Golfsaison beginnt – und mit ihr kehren die immer gleichen Muster zurück. Zu hohe Erwartungen, zu wenig Vorbereitung und eine Vielzahl an Ausreden. Genau hier setzen Christian Marysko und Christoph Herrmann in der aktuellen Folge von „Ausgelippt“ an. Ihre Botschaft: Wer besser spielen will, muss zuerst ehrlich zu sich selbst sein. Der Klassiker ist schnell erzählt: Drei Monate kaum gespielt, am Wochenende das Masters Tournament verfolgt und dann mit großen Erwartungen auf den Platz gegangen. Die Realität? Ernüchterung. Für die beiden Bundestrainer ist das kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem im Golf: falsches Erwartungsmanagement.
„Im Golf ist es möglich, einzelne perfekte Schläge zu machen – selbst als Amateur. Das verzerrt die eigene Wahrnehmung“, erklären sie. Wer sich daran orientiert statt an seiner tatsächlichen Spielstärke, wird zwangsläufig enttäuscht. Der bessere Ansatz ist es, prozessorientiert statt ergebnisfixiert zu denken. Ein zentrales Werkzeug dabei ist die ehrliche Selbstdiagnose. Wo verliere ich wirklich Schläge? Beim Treffen des Balls, bei der Richtung oder bei der Länge? Anstatt planlos auf der Driving Range zu trainieren, empfehlen Marysko und Herrmann, genau diese Schwächen zu identifizieren und gezielt daran zu arbeiten. Unterstützen können dabei Apps oder einfache Notizen auf der Scorekarte.
So oft wie möglich auf den Platz
Ebenso wichtig ist die richtige Gewichtung von Training und Spiel. Die klare Empfehlung lautet, so oft wie möglich auf den Platz zu gehen. „Dafür machen wir das Spiel“, betonen die beiden. Die Driving Range bleibt wichtig, allerdings nur als Ergänzung, um konkrete Probleme in kurzen, fokussierten Einheiten zu bearbeiten. Ein häufiger Fehler, gerade zum Saisonstart, ist der zu starke Fokus auf das lange Spiel. Die Experten raten stattdessen dazu, besonders das kurze Spiel und das Putten zu trainieren. Hier werden Scores gemacht – oder eben verschenkt. Wer sein Scoring schnell verbessern will, sollte genau hier ansetzen.
Auch körperlich lohnt sich ein bewusster Neustart. Schon wenige Minuten Aufwärmen können den Unterschied machen. Ein simples Fünf-Minuten-Programm, das leichtes Anlaufen, Mobilisation und erste Rotationsbewegungen umfasst, reicht oft aus, um Verletzungen vorzubeugen und besser ins Spiel zu kommen. Wer komplett „kalt“ startet, riskiert nicht nur schlechtere Schläge, sondern auch typische Beschwerden wie Ellbogenprobleme oder Rückensteifheit. Am Ende läuft alles auf einen einfachen Nenner hinaus: Ehrlichkeit. „Wer hat wirklich trainiert – und wer hat nur neue Handschuhe gekauft?“, fragen die Bundestrainer augenzwinkernd. Die Antwort darauf entscheidet oft darüber, wie erfolgreich – und vor allem wie zufrieden – man in die neue Saison startet.
Ihr Fazit lautet: weniger Ausreden, weniger Technik-Overload, dafür mehr Klarheit, Struktur und Selbstreflexion. Dann wird aus dem „alten Spiel“ vielleicht doch ein neues.







