Denise Sohn ist mit den Ducks aus Heddesheim in die 1. Bundesliga aufgestiegen – und damit erste Trainerin einer Männermannschaft in der höchsten DGL-Spielklasse. | © Privat

„Wir sind eine richtige Golf-Familie geworden“

An den 26. Februar 2005 erinnert sie sich noch genau. Die Ladies European Tour spielte im Royal Pines Resort (Queensland/Australien) das ANZ Ladies Masters aus. „Ich habe auf die Startliste geschaut und bin fast in Ohnmacht gefallen“, sagt Denise Sohn. Damals lief sie in ihrem ersten Profijahr noch als Denise Simon auf und konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil sie als Newcomerin plötzlich neben Laura Davies, der Grande Dame des europäischen Golfsports, am Tee stehen sollte. „Ich weiß noch, dass sie Tees nur zum Droppen benutzte und den Ball am Abschlag auf einen Erdhügel legte, den sie vorher mit dem Eisen aus dem Boden gehauen hatte“, sagt Denise Sohn.

 

Bevor es für sie auf die Tour ging, legte die junge Dame aus Heidelberg eine beachtliche Amateur-Karriere hin. Sie gewann zweimal den Junior Ryder Cup mit Team Europa (damals gab es noch keinen Junior Solheim Cup), siegte bei der Austrian, Swiss, Portuguese und German Amateur Championship und holte mit Deutschland die Team-EM der Mädchen. Die Spielerin aus dem GC St. Leon-Rot gehörte zu den hoffnungsvollsten Talenten im nationalen Golf, ehe sie den Schritt auf die große Tour und ins bezahlte Golf wagte. 2008 war damit aber schon wieder Schluss. „Ich habe mich fürs Privatleben und für die Familie entschieden“, sagt Denise Sohn.

Heute sind ihre Töchter acht und zehn Jahre alt, treiben wie die Eltern viel Sport und machen ihre Mama glücklich. Aber genau die kam wieder zurück in den Golfsport, wurde Teaching Professional und konzentrierte sich fortan aufs Coachen. Und das inzwischen sehr erfolgreich, denn Denise Sohn ist Trainerin im GC Heddesheim Gut Neuzenhof, übernahm dort vor zwei Jahren die Männermannschaft und stieg mit ihr in kürzester Zeit in die 1. Bundesliga auf. Damit ist sie die erste Frau in der Geschichte der AXA Deutschen Golf Liga presented by All4Golf, die in der höchsten deutschen Spielklasse eine Männermannschaft coacht. Zusammen mit Captain Thomas Krieger bildet sie ein eingespieltes und ziemlich erfolgreiches Team.

 

Wir sind über die vergangenen Jahre wirklich eine geschlossene Gemeinschaft, eine tolle Mannschaft und eine richtige Golf-Familie geworden, in der sich jeder für den anderen reinhängt und über dessen Erfolge freut. Es macht großen Spaß mit den Jungs“, sagt Sohn. Nach dem knappen Sieg in der Relegation gegen das Team vom Reichswald quaken die Ducks aus Heddesheim (Ente im Clublogo) ganz oben. Seit vielen Jahren arbeitet die Clubführung daran, mit den Männern in der 1. Bundesliga abzuschlagen. 2026 hat es geklappt; dem Teamspirit sei Dank. In der Saison 2027 der AXA Deutsche Golf Liga presented by All4Golf peile sie mit ihren Männern den Klassenerhalt an. Klar wäre der eine oder andere Neuzugang schön, „aber sie müssen ins Team passen“, sagt die Trainerin, die noch früh in 2026 die Vorbereitungsphase auf das große Abenteuer starten möchte. 

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Wie ist das so, als Frau eine Männermannschaft zu trainieren? „Vielleicht führe ich etwas emotionaler als meine männlichen Kollegen, ja. Aber man kann das nicht pauschalisieren und sagen, dass sich Frauenteams anders trainieren lassen als Männer oder dass Frauen anders coachen als Männer.“ Schließlich ist es ja auch seit vielen Jahren normal, dass Frauenteams von Männern gecoacht werden, auch in Liga eins. 

 

Ihre Jungs hätten in den vergangenen Jahren Vertrauen gefunden. In die Gemeinschaft, die Trainerin und – vor allem – in sich selbst. Denise Sohn hat gelernt, wer was wann braucht. Und hin und wieder zocken Heddesheims Jungs auch gegen ihre Trainerin. Schließlich weiß die auch noch ziemlich genau, wie man den Golfball in die Luft bewegt. Und das nicht erst seit Laura Davies.

 

Ihre Mannschaft habe inzwischen Sicherheit und Stabilität – und genau die gebe gerade im Golf ein sehr gutes Gefühl. Auf ihren Erfolg haben sie bereits angestoßen, werden das aber wohl noch einmal tun, denn die Trainerin hat versprochen, ihr Team im Falle des Aufstiegs in ihr Ferienhaus nach Holland einzuladen. Vielleicht wird sie dann noch weitere Storys von damals erzählen, als sie noch als Playing Pro auf der LET unterwegs war. 

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