Traumauftakt: Harm, Henseleit und Co. dominieren Runde eins
Es war ein eher unbequemer Morgen in Green Eagle. Nasskalte Bedingungen begrüßten die Spielerinnen zum Auftakt des Amundi German Masters powered by VcG. Esther Henseleit hatte eine frühe Startzeit erwischt und sich in fünf Kleidungsschichten geworfen, um den Körper schwungbereit zu halten. Positiv für die Spielerinnen war aber, dass der Wind zumindest am Morgen kaum spürbar war. Umstände, die die beste deutsche Golferin, die normalerweise auf der LPGA Tour aktiv ist, eindrucksvoll nutzen konnte.
Vier Birdies auf den ersten vier Löchern, sechs auf den ersten Neun brachten die 27-Jährige aus dem Elite Team Germany früh an die Spitze des Feldes. Und auch, wenn das Spiel auf den zweiten Neun etwas unpräziser wurde, reichte es am Ende zu einer beeindruckenden 66 (-7).
„Ich weiß gar nicht, ob ich jemals so gut aus den Startlöchern gekommen bin", sagte die Olympia-Silbermedaillengewinnerin. „Ein großartiger Auftakt. Man will diese Löcher ab der Zehn (Henseleits Auftaktloch) natürlich nutzen, um Schläge gutzumachen, und es ist schön, wenn das gelingt. Auf meinen zweiten Neun war es etwas verhaltener, aber insgesamt bin ich natürlich enorm zufrieden mit meiner ersten Runde."

Harm mit Platzrekord
Nur eine Spielerin war zur Eröffnung noch besser: Leonie Harm. Die 28-Jährige war am Donnerstag unglaublich formstark unterwegs, traf 15 von 18 Grüns in Vorgabe und nutzte dank eines enorm heißen Putters acht ihrer Birdie-Chancen. Die Folge: 65, acht unter Par, keine Fehler und ein neuer Platzrekord auf dem berüchtigten Nord Course.
Dabei begann die Turnierwoche für die Stuttgarterin nicht wirklich nach Plan. Die National-Team-Germany-Athletin reiste am Dienstagmorgen vom US Womens Open Qualifier aus London nach Hamburg – leider ohne ihr Golfgepäck. Durch die verspätete Ankunft ihrer Schläger fiel die Proberunde am Dienstag aus, was Harm im Nachhinein sogar geholfen haben könnte. Denn wegen der Kälte und des starken Windes wäre der Probelauf kräftezehrend geworden. Stattdessen war die Siegerin der British Ladies Amateur 2018 zum Pausieren gezwungen – und fand ausgeruht bei windstillen Bedingungen zur Höchstform.
„Ich bin sehr stolz auf mich", bilanzierte sie. „Normalerweise bin ich eher gut darin, bei schwierigen Bedingungen ein gutes Ergebnis zu spielen – andererseits ein leichteres Setup nicht wirklich nutzen zu können. Aber heute konnte ich voll auf die Fahnen gehen, und es war ein schönes Gefühl, dass das so gut geklappt hat."
Harm genoss auch die besondere Unterstützung der heimischen Zuschauer. „Es ist sehr schön, angefeuert zu werden und vor allem auch die Kids zu sehen, wie sie sich für Golf begeistern. Es ist eine tolle Energie."

Deutscher Glanz auch am Nachmittag
An die frühen Höchstleistungen von Harm und Henseleit konnten die Spielerinnen in den Nachmittagsgruppen nicht ganz anknüpfen. Dennoch gab es auch im weiteren Verlauf äußerst erfreuliche Ergebnisse aus deutscher Sicht zu vermelden. Auch Laura Fünfstück, die in der vergangenen Woche gleich zwei Turniere der von Justin Rose initiierten Rose Ladies Series in London gewinnen konnte, erwischte einen hervorragenden Start in das Turnier. Sieben Birdies und zwei Bogeys führten am Ende zu einer 68 (-5). Damit geht die in London lebende Hessin schlaggleich mit Sofie Kibsgaard aus Dänemark von Platz drei in die zweite Runde.
„Es waren natürlich auch Schläge dabei, mit denen ich nicht so glücklich bin, aber insgesamt war es eine sehr gute Leistung", bilanzierte die 31-Jährige, die direkt nach ihrer Runde für Selfies zu haben war und Autogramme verteilte. „Vor allem mit den Annäherungen bin ich sehr zufrieden. Ich habe mir viele Chancen erspielt und konnte mit dem Putter einige verwerten."
Auch Briem und Försterling mischen oben mit
Vier Schläge hinter Leonie Harm an der Spitze beendete Helen Briem ihre Auftaktrunde. Ihre Bilanz: Fünf Birdies, ein Bogey und – wie die ehemalige Nummer eins der Amateure selbst bekräftigte – jede Menge verpasste Chancen. „Bis auf das ärgerliche Bogey auf dem Par 5 bin ich ganz zufrieden, vor allem wenn so viele Zuschauer hierherkommen, um uns zu unterstützen." Die 20-Jährige teilt nach Durchgang eins von vier den geteilten fünften Rang.
Direkt nach Briem kam Alexandra Försterling, die Turniersiegerin von 2024, zurück in den Scoring-Bereich – und das trotz einer beachtlichen 70 (-3) nur als fünftbeste Deutsche (T10). „Dass so viele Deutsche vorne dabei sind, ist super. Vielleicht gelingt es uns so, noch mehr Zuschauer für das Turnier zu begeistern." Ihre Runde mit vier Birdies und einem Bogey beschrieb die Berlinerin insgesamt als solide, obwohl sie noch einige Schläge tiefer hätte ausfallen können.
Am Abend folgte rutschte noch Chiara Noja in die Top Zehn, die auf den abschließenden vier Bahnen drei Birdies notierte.
Imposante deutsche Bilanz
So fällt das Fazit vor allem mit deutscher Brille fantastisch aus. Der erste Tag des Amundi German Masters powered by VcG produzierte trotz der etwas kühleren Temperaturen zahlreiche begeisternde Momente. Zwei Deutsche auf den Plätzen eins und zwei, vier weitere in den Top zehn. Fest steht: Besser hätte es für Schwarz-Rot-Gold beim Deutschland-Stopp der LET kaum losgehen können.







