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Zwei Golfer, zwei Denkweisen: Entdecken Sie, wie Sie Overthinking auf dem Platz besiegen. | © Audio Golf

Warum „Lockerlassen“ scheitert – und was wirklich hilft

Die Falle der Willenskraft

Die meisten Tipps gegen Prüfungsangst auf dem Grün lauten: „Entspann dich einfach“ oder „Denk an etwas anderes“. Aber Peter Koenig (PGA Master Professional, Vize-Weltmeister und Leiter der Golfschule Erfolgreich Golfen im GC Gernsheim) weiß: „Wissenschaftlich betrachtet ist das leider Zeitverschwendung. Wer mit Willenskraft versucht, Angst wegzudrücken, erzeugt nur noch mehr inneren Druck.“ Und Ablenkung ist wie das Umstellen der Liegestühle auf der Titanic – das Schiff sinkt trotzdem.“ Vielversprechender ist es, das Overthinking als eine Gewohnheit zu betrachten, die sich festgesetzt hat. Denn das Gute an Gewohnheiten ist: man kann sie ändern.
 

Der Frühjahrs-Check: Die Gewohnheit entzaubern

Eine der erfolgreichsten Methoden hierfür stammt von dem Neurowissenschaftler Dr. Judson Brewer. Seine Forschung zeigt, dass wir Angst und Grübeln innerhalb weniger Wochen um bis zu 67 Prozent reduzieren können, wenn wir sie „entzaubern“. Der Schlüssel liegt nicht im Unterdrücken, sondern im Umprogrammieren der Belohnungswerte einer schlechten Gewohnheit in unserem Kopf. Der Ratschlag des Trainingsexperten: Nutzen Sie die kommenden Wochen vor der Saison für die drei Schritte von Brewers „3-stage mindful approach to behavioral change“.

Schritt 1: Das Mapping Ihrer Muster (1-2 Wochen)

Machen Sie sich zunächst Ihre automatischen Verhaltensweisen bewusst. Weit verbreitete Muster sind: übermäßiges Nachdenken über die Schwungtechnik, defensives oder „geführtes“ Schwingen, Selbstbeschimpfungen nach dem Schlag oder die Sorgen über die Meinung der Mitspieler. Verstehen Sie, wie diese Muster strukturiert sind. 

 

Ein typisches Overthinking-Beispiel:

 

  • Trigger: Ein schlechter Schlag.
  • Verhalten: Grübeln über die Mechanik („War mein Ellbogen korrekt?“).
  • Vermeintliche Belohnung: Das (trügerische) Gefühl, etwas zu tun, um weitere Fehler zu vermeiden.

Schritt 2: Die „Entzauberung“ (1-2 Wochen)

Dr. Brewer vergleicht das Training des Gehirns damit, einen Hund stubenrein zu bekommen: Man muss das Gehirn direkt und immer wieder „mit der Nase“ darauf stoßen, wie unangenehm und wertlos das Overthinking eigentlich ist. Fragen Sie sich in der Situation (oder im Rückblick): 

 

  • „Wie fühlt sich dieses Grübeln gerade an?“ (Antwort meist: schwer, eng, frustrierend).
  • „Was bringt es mir wirklich?“ (Ergebnis: nur noch mehr Unsicherheit).

 

So verliert die Gewohnheit ihren Reiz und das Gehirn wird bereit für ein „Upgrade“.

Schritt 3: Das Upgrade – produktive Gewohnheiten

Wir können das Gefühl der Angst nicht einfach abstellen – es ist ein Überlebensmechanismus. Aber wir können uns etwas Zeit verschaffen, um zu realisieren, dass unser Leben auf dem Platz gerade nicht in Gefahr ist. Ein wirksames Tool dazu ist die achtsame Neugier. Wenn Sie merken, dass ein schlechtes Muster auftaucht, sagen Sie sich: 

 

„Wie interessant, dass mein Hirn gerade wieder in das alte Grübel-Muster will, obwohl ich weiß, wie schlecht es sich anfühlt.“

 

Auch achtsames Atmen ist nach einer gewissen Übungszeit sehr effektiv.

Das schnelle Upgrade: Rhythmus statt Grübeln

„Das Greifen nach mechanischen Kontrolle entsteht oft aus der Sorge, dass der Druck das Gefühl für die Distanzkontrolle verändert hat“, so Koenig weiter. „Hier gibt es schnelle Abhilfe, um dieses Gefühl zurückzuholen: die Rhythmus-Phrasen von Audio Golf“. Statt an Winkel oder Positionen zu denken, wird die sogenannte Sonifizierung genutzt. Ein prominentes Beispiel ist die Phrase „ya-la bam“ für Fünf-Meter-Putts:

 

  • Die Idee: Diese Silben bilden exakt den Rhythmus ab, den ein Fünf-Meter-Putt benötigt – die Länge des Rückschwungs, die Kraft im Treffmoment und das ideale 2:1-Tempoverhältnis.
  • Der Effekt: Ihr Körper synchronisiert sich automatisch mit dem Klang (ein neurologischer Effekt namens Auditory-Motor Entrainment). Sie putten so intuitiv, wie Sie Ihren Fuß im Takt eines guten Songs wippen lassen – präzise, mühelos und ohne einen jeden Steuerungsversuch.

 

Als nächsten Schritt zum freien Schwung ganz ohne Overthinking könnten Sie den „ya-la bam“-Effekt im Wohnzimmer auf dem Teppich testen.

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