Nach Playoff-Thriller: Henseleit spielt für Europa
Esther Henseleit zeigte bei der AIG Womens Open ihr Weltklasse-Potenzial. Die Athletin aus dem Elite Team Germany blieb bei schwierigen Bedingungen in Royal Lytham & St Annes auf höchstem Niveau stabil, sicherte sich dank eines spektakulären Putts die Teilnahme am Stechen – und hatte dann nicht das große Glück auf ihrer Seite. Die Golfwelt diskutierte über die Situation am zweiten Loch im Playoff, als ihr Ball nach dem Abschlag so unglücklich in die Ginsterbüsche sprang. Vermutlich vom Fuß eines Marshalls.
Henseleit hingegen fand schnell erstaunlich geordnete Worte für diesen so entscheidenden Moment, der am Ende ausschlaggebend dafür war, dass die Japanerin Shiho Kuwaki schließlich die Major-Trophäe in Empfang nehmen durfte. „Da hatte ich vermutlich etwas Pech”, erklärte die Norddeutsche nüchtern. „So ist Linksgolf.” In den Gesprächen mit den Medien nach diesem unglaublichen Finaltag an der englischen Küste sprach sie viel über die schönen Momente. Vor allem über den gelochten Putt aus gut zwölf Metern, der sie überhaupt erst ins Playoff gebracht hatte. „Daran werde ich mich definitiv noch lange erinnern.” Henseleit ergänzte, sie wolle aus der Erfahrung und dieser speziellen Woche lernen. Es gäbe viele Dinge, auf die sie sehr stolz sein kann.
Solheim Cup: Henseleit unter acht Qualifizierten
Nach der Top-Platzierung steht nun endgültig fest, dass die Olympiazweite von Paris im September in Europas Solheim-Cup-Team stehen wird. Als Zweite der LET-Rankings gehört die 27-Jährige zu jenen acht Spielerinnen, die sich nach dem Ende des Qualifikationszeitraums ihren Platz im Team erspielt haben. Als Team-Kolleginnen stehen bislang Celine Boutier (Frankreich), Carlota Ciganda (Spanien), Linn Grant (Schweden), Charley Hull (England), Nanna Koerstz Madsen (Dänemark), Maja Stark (Schweden) und Lottie Woad (England) fest.
„Ich freue mich sehr, wieder Teil des europäischen Solheim-Cup-Teams zu sein“, sagte Henseleit. „Das letzte Mal in den USA war es eine großartige Erfahrung, aber ich freue mich besonders darauf, nun auf europäischem Boden im Team zu stehen. Da es so nah an Deutschland liegt, hoffe ich, dass viele Fans kommen und zuschauen werden.“
Vier weitere Akteurinnen wird Team Captain Anna Nordqvist im Laufe des Montags nominieren. Auch Helen Briem aus dem Elite Team Germany ist nach starken Leistungen während des Qualifikationszeitraums im Kreis der Kandidatinnen.
Highlight-Clip: Thorbjornsen gewinnt Rocket Classic in Detroit
Mit einer 63 zur Titelpremiere: Michael Thorbjornsen hat das Rocket Classic in Detroit, Michigan, gewonnen. Für den 24-Jährigen US-Amerikaner war es nach seinem Profi-Debüt vor zwei Jahren der erste Sieg auf der PGA TOUR. Mit insgesamt 18 Schlägen unter Par verwies er Xander Schauffele mit zwei Schlägen Vorsprung auf Platz zwei. Als Dritter kam Davis Riley ins Ziel, der als Führender in den Finaltag gestartet war. Schlusspunkt einer sensationellen Leistung am Sonntag war ein spektakulärer Birdie-Putt aus acht Metern Entfernung (siehe Highlight-Video). Nach dem Erfolg von Jackson Koivun bei den 3M Open vergangene Woche ist es der zweite Premieren-Sieg in Folge auf der Tour für einen hochdekorierten College-Spieler.
Matti Schmid aus dem Elite Team Germany schaffte es nicht ins Wochenende. Stephan Jäger hingegen blieb mit 65, 68, 69 und erneut 69 Schlägen im Detroit Golf Club in allen Runden unter Par und kam auf dem geteilten 26. Rang ins Ziel. In der kommenden Woche geht es für das Duo bei der Wyndham Championship um die Qualifikation für die Playoffs des FedExCup. Die besten 70 Spieler der Saison dürfen bei den drei Finalturnieren abschlagen.
Hirmer mit Top-Ergebnis
Henseleits Glanzvorstellung war nicht die einzige Top-Platzierung eines deutschen Golfers an diesem Wochenende. Nach Runden von 67, 69, 68 und nochmals 69 Schlägen schaffte es Michael Hirmer bei der Estonian Challenge der HotelPlanner Tour auf den geteilten dritten Platz. Nach seinem Aufstieg von der Pro Golf Tour im vergangenen Jahr sollte seine Tour-Karte für die kommende Zweitliga-Saison damit sicher sein. Auch ein Sprung unter die Top 45, die sich für das Saisonfinale auf Mallorca qualifizieren, ist noch möglich.
Die PGA Tour Champions machte in dieser Woche Stopp in Portugal. Beim Europa-Gastspiel der besten Senioren weltweit triumphierte der ehemalige Masters-Gewinner Zach Johnson. Alex Cejka kam als 17. ins Ziel, Bernhard Langer beendete das Turnier in Vilamoura an der Algarve auf Platz 26.
Richtig spannend wurde es auch auf der Korn Ferry Tour, wo bei der Utah Championship nach 72 Löchern gleich fünf Spieler schlaggleich lagen. Im Stechen setzte sich schließlich Derek Hitchner gegen vier Landsleute durch. Jonas Baumgartner kam als geteilter 41. ins Ziel, Jeremy Paul wurde 50., während Thomas Rosenmüller den Cut verpasste.
Wie gut auf höchstem Niveau aktuell Golf gespielt wird, zeigt die Anzahl der 59er-Runden in jüngerer Vergangenheit. Die magische Zahl notierten in den letzten zehn Tagen gleich drei Spieler: Scott Stevens (Osprey Valley Open, PGA Tour Americas), Michael Kim (3M Open PGA Tour) und Chris Francoeur (Utah Championship, Korn Ferry Tour). Zum Vergleich: Nach der ersten 59 auf der PGA Tour (Al Geiberger, 1977) vergingen 14 Jahre bis zur nächsten (Chip Beck, 1991).
Wyndham Classic bei MagentaSport und MagentaTV
In dieser Woche steht bei MagentaSport und MagentaTV die PGA Tour auf dem Programm. Bei der Wyndham Championship geht es unter anderem für das deutsche Duo um Jäger und Schmid um die Teilnahme an den lukrativen FedExCup-Playoffs. Vom 6. bis 9. August geht es im Sedgefield Country Club in Greensboro, North Carolina, um 8,5 Millionen US-Dollar.










