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Nacho Elvira und sein Caddie während der Unterbrechung des Spiels am ersten Tag des Omega European Masters 2025 aufgrund von Nebel. | © 2025 Getty Images

Einzigartige Regelung in den Schweizer Wolken

Golf lebt von Präzision, Übersicht und dem richtigen Schlag zur richtigen Zeit. Doch was passiert, wenn selbst die Sichtweite nicht mitspielt? Genau vor dieser Herausforderung standen Spieler und Offizielle in der vergangenen Woche beim European Masters im Crans-sur-Sierre Golf Club in der Schweiz. Auf rund 1.500 Metern Höhe schieben sich dort nicht selten dichte Wolken über die Fairways und verwandeln so manche Bahn in eine „Blindflug-Zone“.

 

Die DP World Tour reagierte mit einer außergewöhnlichen Sonderregelung: Gespielt wird dort, wo die Sicht ausreichend ist, und die Partie wird unterbrochen, sobald Nebel oder Wolken den Blick auf das Ziel unmöglich machen. „Wir haben eine einzigartige Regel, die wir diese Woche anwenden“, erklärte Mark Litton, Director of Rules der Tour. „Die Spieler schlagen ab, wenn es möglich ist, und unterbrechen, wenn es nicht mehr geht.“

So kam es, dass am 17. Loch bei einer Sichtweite von nur 50 Metern kein Spielfortsetzung möglich war, während auf der klaren 14. Bahn gleichzeitig ganz normal weitergespielt wurde. Eine ungewöhnliche Situation, die natürlich entsprechende Geduld von den Profis erfordert. Schon die erste Runde war geprägt von Unterbrechungen. Am Morgen musste der Spielbetrieb abgebrochen werden, erst am Nachmittag konnte wieder gestartet werden, doch dann kehrten die Wolken zurück und erzwangen die nächste Zwangspause.

 

Trotz der Unterbrechungen konnte die Finalrunde wie geplant am Sonntag beendet werden. Das Omega European Masters ist ein Turnier, das nicht nur sportlich, sondern auch regeltechnisch für Schlagzeilen sorgt. Eine einzigartige Regelung in den Schweizer Wolken – und ein Beispiel dafür, wie flexibel Golf mit den Launen der Natur umgehen kann.

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

„Die meisten von uns werden das Ärgernis einer Spielunterbrechung kennen, sei es wegen Unbespielbarkeit des Platzes oder wegen Gewitter. Der Unterschied liegt nur darin, dass bei einer normalen Unterbrechung wegen schlechter Platzverhältnisse die Spieler das Loch zu Ende spielen dürfen, während sie bei einer Unterbrechung wegen Blitzgefahr sofort aufhören müssen.

 

Nun standen die Kollegen der DP World Tour vor dem Problem, dass es in Crans Montana sehr punktuelle Störungen durch Nebel gegeben hat, die nur das Spiel einzelner Löcher stören. Hier wäre es Zeitverschwendung, die Spieler auf den Löchern 15-18 unterbrechen zu lassen, wenn nur das Loch 14 durch eine Wolke blockiert ist. Auch die Spieler auf den Löchern 10-13 können weiter spielen und haben wertvolle Zeit gewonnen, bevor es dunkel wird. Sicher gibt es dann am Abschlag 14 einen Stau, zu dem alle 10 Minuten eine weitere Gruppe dazukommt, aber man hat dies als das kleinere Übel hingenommen und es damit auch geschafft, dass alle Spieler die Runde beenden konnten.

 

Sofern alle Spieler identisch behandelt werden und nicht gegen die Grundsätze der Regeln verstoßen wird, sind solche Sonderregelungen manchmal die „Rettung“ eines Turniers. Ich habe vor einigen Jahren trotz großen Protesten einiger Spieler die Endrunde der deutschen Meisterschaften in Vierergruppen und als Kanonenstart spielen lassen, da der Nebel erst gegen Mittag weniger wurde. Alles, was funktioniert, ist gut.“  

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