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Ekstase im größten Golfstadion der Welt: Bahn 16 bei der WM Phoenix Open im TPC Scottsdale. | © Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images

WM Phoenix Open: Die größte Party auf Gras beginnt!

Es gibt Erinnerungen, die immer unvergessen bleiben werden. Ein Besuch der WM Phoenix Open gehört dazu. Einmal den Wahnsinn hautnah zu spüren, der sich Jahr für Jahr an Bahn 16 des TPC Scottsdale abspielt, im größten Golfstadion der Welt, das Platz bietet für rund 22.000 Zuschauer, ist für fast jeden Golffan ein Muss-Erlebniss. Obwohl, strenggenommen, der Sport hier gar nicht im Mittelpunkt steht. Was unten auf dem Rasen passiert, ist für die feiernde Masse auf den Rängen oft Nebensache. Die WM Phoenix Open ist mit keinem Turnier auf diesem Globus zu vergleichen, weder mit einem Majorevent noch mit dem Ryder Cup. Was sich vier Tage lang vor allem an der 149 Meter langen Bahn 16, dem vielleicht berühmtesten, sicher jedoch lautesten Par 3 der Welt zuträgt, gleicht einer rauschenden Party, einzuordnen irgendwo zwischen amüsant, abgedreht und abartig. Ganz sicher aber so gar nicht typisch für das sonst biedere Image des Golfsports. Obwohl es seit dem vergangenen Jahr strengere Regeln gibt, nachdem das Event 2024 völlig im Chaos versunken war: mehr Ordnungskräfte, ein weiterer Eingang, breitere Gehwege auf dem Gelände. 

Sprint am frühen Morgen

Wenn an diesem 5. Februar die erste Runde der diesjährigen WM Phoenix Open startet, dann werden sich trotzdem schon am frühen Morgen Tausende Fans – viele bereits volltrunken, andere zumindest mit der klaren Absicht – vor dem verschlossenen Haupttor des TPC Scottsdale versammeln. Um 7 Uhr öffnen die Eingänge und die wilde Horde sprintet dann los, sie nennen es in Scottsdale das „Race to 16“. Einmal quer über die Anlage geht es, bis eben zu jenem Stadion an Bahn 16, in das jeder hinein möchte und indem es später lauter und ungesitteter zugehen wird als in vielen Fußballarenen. Wer sich nicht lange vor Spielbeginn seinen Platz sichert, wird im Laufe des Tages viele Stunden vor den Eingängen warten müssen. 

Stundenlanges Warten – auf Bier und Golf

Warten ist das Stichwort. Denn Golf wird um diese Zeit natürlich noch nicht gespielt. Um 7:30 Uhr beginnt der sogenannte Breakfast Club, dann werden Sandwiches und Tortillas auf die Tribünen geworfen. Die hungrige Meute hat nun anderthalb Stunden Zeit, sich eine vernünftige Grundlage aufzubauen für den Start des offiziellen Bierverkaufs um 9 Uhr, der von vielen im weiten Rund mehr herbeigesehnt wird als der erste Flight. Der betritt in der Regel erst gegen 10:15 den Abschlag, die Fans trällern bis dahin die amerikanische Hymne, feiern einen kleinen Mann, der die Fahne aufs Grün trägt und rasten zum Phoenix-Open-Song „Sweet Caroline“ völlig aus. Es ist die perfekte Inszenierung. Dass ein Bier inzwischen elf Dollar kostet, kümmert die wenigsten Besucher. 

Scheffler und Mickelson über Bahn 16

Die Profis lieben oder hassen Bahn 16 im TPC Scottsdale. Sie werden gefeiert wie Gladiatoren, wenn sie den Abschlag betreten. Gute Bälle werden ohrenbetäubend laut bejubelt, landet ein Ball im Bunker oder kullert ein Putt am Loch vorbei, buhen und pfeifen sie im Kolosseum. Phil Mickelson gab einmal zu Protokoll: „Wir Spieler sollten zu schätzen wissen, dass man hier etwas erlebt, das es nirgendwo anders gibt. Man muss die Energie der Leute und der Bahn aufsaugen – und sie zu seinem Vorteil nutzen.“ Sein Landsmann Scottie Scheffler, der schon zweimal auf dem Kurs im TPC Scottsdale triumphieren konnte, sagt: „Es ist ein einzigartiger Test, weil man nicht nur mit dem Golfplatz zu kämpfen hat, sondern auch mit einer ziemlich hektischen Menge da draußen. Das ist etwas, was wir das ganze Jahr über nicht sehen, aber es macht wirklich Spaß, hierher zu kommen und das zu erleben.“

Der gute Zweck hinter der großen Party

Die WM Phoenix Open ist laut, schrill, bunt und verrückt. „The greatest show on grass” – der Titel, den die Macher ihrem Event selbst gegeben haben, passt. Aber es gibt auch eine andere Seite. Der Veranstalter „Thunderbirds“, eine ehrenamtliche Non-Profit-Organisation, spendet jährlich viele Millionen Einnahmen für gute Zwecke in Arizona. Einnahmen, die zu einem beträchtlichen Teil aus Getränke- und Ticketverkäufen resultieren. 75 Dollar und mehr kosten die normalen Karten in diesem Jahr, mehr als 700.000 Fans strömen in der Regel jährlich aufs Gelände. Ein Großteil der Plätze im überdachten Bereich des Stadions und auch an anderen Bahnen wird in VIP-Logen an Firmen verkauft – die Preise liegen für die gesamte Turnierwoche jenseits der 50.000 Dollar. Mehr als 220 Millionen Dollar haben die Thunderbirds in der gesamten Turniergeschichte bereits gespendet.

 

Und trotzdem: Denkt man an die WM Phoenix Open, kommen einem in erster Linie Gedanken an die verrückteste Golfparty der Welt in den Sinn. Obwohl Golf dabei ja gar nicht entscheidend ist... 

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