Wannsee mit starker Försterling und Quade-Platzrekord
Die Berliner machen ernst. Also nicht nur, wenn es um Jens Spahn und seine Leihmutter-Affäre geht, sondern auch in Sachen Golf. Am fünften und letzten Spieltag der Deutschen Golf Liga presented by All4Golf hat der G&LC Berlin-Wannsee die 1. Bundesliga Nord zu Gast. Und die Gastgeber wollen an diesem sonnigen, aber windigen Wochenende zu Hause keine Geschenke verteilen. „Wir sind jetzt seit elf Jahren mit beiden Mannschaften in der höchsten Spielklasse vertreten und wir würden in der Saison 2026 gerne mal wieder mit beiden Teams zum Final Four nach München fahren“, sagt Wannsee-Sportdirektorin Miriam Hiller.
Die Berliner Männer hatten das Ticket fürs Endspiel am Riedhof (1./2. August) bereits am vierten Spieltag gelöst. Die Frauen wollen ihren Heimvorteil in Runde fünf nutzen und ebenso alles klar machen, um den Einzug ins Final Four zu schaffen. In den vergangenen zwei Jahren blieben die Wannseer in der DGL jeweils ohne Medaille. Das soll diesmal anders werden – und so hat der Gastgeber der Nordstaffel schon am Samstag die volle Kapelle ins Rennen geschickt, damit gar nicht erst Zweifel aufkommen, wer der Herr im Haus ist in der Bundeshauptstadt. Nach Einzeln und Vierern am Samstag führen beide Wannseer Teams das Klassement deutlich an. Die Frauen mit -2 vor Hamburg (+16) und Hösel (+23), die Männer mit -26 vor Hubbelrath (-18) und Hamburg (-8).
Die Frauen des Gastgebers konnten dabei auf Pro Alexandra Försterling zurückgreifen. Die Pause auf der Tour macht's möglich, und Berlins Eigengewächs, das sich zu einer der besten Golferinnen in der Republik sowie einer Olympia-Teilnehmerin und LET-Siegerin gemausert hat, kann sich in der DGL optimal auf den UK-Swing vorbereiten. „Grundsätzlich schätze ich an der DGL vor allem, dass man dort als Mannschaft spielt. Man spürt den Teamgeist ganz besonders: Alle fiebern miteinander, kommen nach ihrer eigenen Runde noch raus, um einen zu unterstützen oder warten am 18. Grün“, so Försterling. Ihre 67 (-5) war die beste Runde des Tages. Damit ist die Leistungsträgerin, die am Vortag noch fleißig Autogramme für ihre kleinen Fans gegeben hatte, die Lokomotive des Gastgeber-Clubs, der im Duell um das letzte Final-Four-Ticket gegen Hubbelrath keine Tür nur einen Spalt weit öffnen möchte.
Meister Hösel droht der Abstieg
Etwas entspannter können es die Männer vom Wannsee angehen. Sie sind bereits sicher dabei, wenn Anfang August die Plaketten im Münchener Süden vergeben werden. Das heißt allerdings nicht, dass Wannsee mit angezogener Handbremse spielt in der fünften DGL-Runde. Im Gegenteil. Einer hatte richtig Bock – und einen Sahnetag erwischt: Finn Quade beendete sein Einzel mal eben mit einer 62 (-10) und stellte einen neuen Platzrekord auf. Was Ryan Fox bei der Open kann, kann Quade auch in der DGL. „Das war so ein Tag, an dem irgendwie alles funktioniert hat, wobei sogar noch ein Bogey dabei war. Der Start hätte besser kaum laufen können und der Putter lief heute mal richtig heiß, das macht mich natürlich schon happy“, so Quade. Nach fünf Löchern hatte er bereits bei -5 gelegen (dreimal Birdie, einmal Eagle).
Während an der Tabellenspitze der 1. Bundesliga Nord der Männer also alles entschieden ist, ist im Keller am letzten Spieltag noch eine Frage offen: Wer steigt in die 2. Bundesliga ab? Im Kampf um den Klassenerhalt liefern sich der noch amtierende Deutsche Meister aus Hösel (-1) und der Berliner GC Stolper Heide (-6) ein Duell. Beide liegen nach den Einzeln und Vierern am Samstag noch eng beieinander, sodass Zuschauer und Fans am Sonntag durchaus einen hochspannenden Showdown erwarten können, bei dem um jeden Schlag gekämpft werden wird. Kleiner Vorteil Stolpe: Die Mannschaft von Coach Uli Zilg hatte die deutlich kürzere Anreise und kennt den Platz beim Berliner Nachbarn vielleicht ein wenig besser. Das Polster auf Hösel beträgt vor dem Sonntag aber nur fünf Schläge.
Und dann ist da noch Alex Navarro Navarro. Hamburgs Neuzugang hatte mit einer 69 (-3) am Samstag den tiefsten Einzelscore seines Teams ins Clubhaus gebracht. „Wir haben eine starke, sehr solide Mannschaft, mit der wir kommende Saison auf jeden Fall ins Final Four einziehen wollen“, sagt Navarro Navarro. In diesem Jahr werden die Falkensteiner am Riedhof nicht dabei sein, für den Spanier aus Hamburg steht trotzdem noch ein Finale an – bei der Fußball-WM in Amerika. „Ich werde mir das Endspiel gegen Argentinien morgen zu Hause anschauen und tippe auf ein 3:1 für uns“, so Navarro Navarro (Lieblingsspieler Iniesta). Die Entscheidung am fünften Spieltag der 1. Bundesliga Nord fällt am Sonntag weit vor dem Endspiel der Fußball-WM in den USA – und für den Wannsee sind wieder optimale Bedingungen vorhergesagt. Zuschauer sind willkommen, der Eintritt ist frei.
Weitere Stimmen:
Mario Hansch, Trainer Berlin-Wannsee Frauen: „Ich kann nicht anders als zufrieden sein. Die Mädels haben fantastisch gespielt. Es ist der Beginn eines Generationswechsels. Wir sind mit einem Fuß im Final Four und ich bin sehr stolz darauf, was unsere Eigengewächse hier leisten. Dazu hat uns mit Alex Försterling eine erfahrene Tour-Spielerin unterstützt und den Laden gezogen, bevor sie morgen nach Schottland fliegt. Es hätte heute kaum besser laufen können; ich bin happy.“
Alex Schmitt, Trainer Hubbelrath Männer: „Unser Start war ganz okay, haben am Nachmittag aber den Turn-Around geschafft. Die Vierer waren gut, wenn morgen noch ein bisschen Glück dazukommt, ist alles möglich. Wir freuen uns, auf dieser tollen Anlage Gast sein zu dürfen und werden morgen nochmal alles reinhauen.“
Uli Zilg, Trainer Berliner GC Stolper Heide: „Wir haben heute morgen ordentlich und solide gespielt und eine geschlossene Mannschaftsleistung abgeliefert. Am Nachmittag hatten wir hervorragende Vierer, mit denen wir uns einen etwas größeren Vorsprung erarbeiten konnten. Es bleibt spannend, mal schauen, was am Sonntag passiert.“










