Vor dem Start in Frankreich
Vineuil-Saint-Firmin/Frankreich – Bundestrainerin Nicole Gögele hat für diesen Saisonhöhepunkt eine gute Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und Rookies zusammengestellt: Vier der Athletinnen haben im Vorjahr gemeinsam den Titel gewonnen, zwei Positionen mussten neu besetzt werden, nachdem Helen Briem und Celina Sattelkau sehr erfolgreich den Wechsel ins Profilager vollzogen haben.
Das Team
Für Paula Schulz-Hanßen ist es mit 22 Jahren schon die siebte Team-EM. Zuvor hatte die Athletin des GC St. Leon-Rot zweimal bei den Mädchen und viermal bei den Frauen mitgespielt.
Der Medaillenspiegel dabei ist beeindruckend: 2020 Silber mit dem Damen-Team und Gold bei den Mädchen. 2023 gab es Bronze mit den Frauen, 2024 wurde es sogar Gold.
Auch ohne dieses Team ist PSH erfolgreich, holte 2020 die EM der Damen und gewann zweimal mit Europa den Ping Junior Solheim Cup.
„Da wir Titelverteidiger sind, bedeutet es in diesem Jahr umso mehr, hier dabei zu sein. Ich freue mich sehr drauf und glaube, wir werden eine tolle Woche in Frankreich haben. Wir haben als Team so noch nie zusammen gespielt und ich bin gespannt, wie schnell wir eine gute Teamdynamik entwickeln können.“
Chiara Horder spielt mit 22 Jahren auch schon ihre fünfte Team-EM. 2020 und 2024 war es jeweils der Titel, 2023 gab es Bronze.
Größte Erfolge der Bayerin sind der Triumph bei der R&A Women’s Amateur Championship 2023 und eben die zwei Titel mit der deutschen Mannschaft. Dazu holte „Kiki“ Horder noch den Sieg in der College Southeastern Conference.
„Ich freue mich, ein letztes Mal als Amateur mit dem Team zu spielen, bevor ich dieses Jahr Profi werde. Es ist immer eine Ehre und ich freue mich mega auf die Woche mit den Mädels und dem Trainer-Team. Es macht immer extrem viel Spaß und wir wollen auf jeden Fall den Pott am Ende wieder hochhalten. Ich freue mich, denn es gibt so viele Erinnerungen von den letzten Jahren. Ich bin mir sicher, dieses Jahr wird wieder ganz besonders!“
Susanna Brenske vom Hamburger GC spielt mit 20 Jahren ihre erste Team-EM. Bei der IAM Damen 2022 holte sich das Nordlicht im GC Neuhof die Bronzemedaille. Matchplay kann Brenske. 2023 zog sie bei den Deutschen Lochspielmeisterschaften ins Halbfinale ein.
„Es ist für mich eine große Ehre, in diesem Jahr gemeinsam mit dem Team bei der Team-EM in Frankreich den Bundesadler zu tragen. Ich freue mich auf die Wettkampfwoche und bin stolz, mit der Mannschaft alles für Deutschland geben zu können. Wichtig ist mir vor allem der Zusammenhalt! Einander so zu pushen und zu motivieren, dass jeder das Beste aus sich selbst rausholen kann, um letztlich das gemeinsame Ziel zu erreichen.“
Charlotte Back ist mit 20 Jahren auch schon eine sehr erfahrene Team-EM-Fahrerin. Schon sechsmal war Back nominiert, spielt nun aber tatsächlich zum vierten Mal mit. Bisher gab es stets Edelmetall: 2020 und 2024 Gold, 2023 Bronze.
Eine Woche vor der Team-EM hat Charlotte Back bei ihrem Debüt auf der LET mit Rang 19 auf Green Eagle vor mehr als 12.000 Zuschauern grandios abgeliefert.
2024 schaffte Back es bei der Einzel-EM in die Top 15 und 2020 gab es bei den Irish Women’s den ersten großen internationalen Titel. National wurde Back 2020 Deutsche Meisterin der AK 18.
„Die Team-EM ist jedes Jahr ein Highlight in meinem Saisonkalender. Es macht so viel Spaß, mit allen zu reisen, und diese Energie sieht man auch an unserer Performance. Den Bundesadler zu tragen und zu repräsentieren war und bleibt immer ein Traum von mir. Es ist etwas so Besonderes, was nicht jeder miterleben kann, und wir alle arbeiten so hart für diese Momente. Noch dazu sind wir Titelverteidiger, und da steigt natürlich auch die Vorfreude auf die jetzt anstehende Woche. Wir haben dieses Jahr ein Team, das sehr gut harmoniert, und das ist natürlich auch sehr wichtig.“
Stella Jelinek feiert mit 21 Jahren ihr Debüt im Dress des Junior Team Germany. Im Matchplay hat die Spielerin des GC St. Leon-Rot ihren größten Erfolg erzielt, als sie 2022 den Sieg bei der Deutschen Lochspielmeisterschaft feierte. Charlotte Back gewann damals in Lichtenau die Bronzemedaille. Im US-Collegegolf war Jelinek bei der Nationals der Division 2 am Ende Dritte geworden.
„Für mich ist es eine ganz besondere Ehre, in diesem Jahr bei der Team-Europameisterschaft den Bundesadler tragen zu dürfen. Es ist das erste Mal, dass ich Deutschland bei einem solchen internationalen Event repräsentieren darf – und allein schon das Trikot mit dem Adler auf der Brust zu tragen, erfüllt mich mit Stolz. Es bedeutet mir unglaublich viel, Teil dieses großartigen Teams zu sein und meinen Beitrag zu leisten. Ich freue mich auf die Erfahrungen, die ich sammeln darf, und darauf, das deutsche Team so gut wie möglich zu unterstützen.“
Das Team-Erlebnis ist für die Kurpfälzerin von besonderer Bedeutung: „Im Golf bedeutet Team für mich, füreinander da zu sein – auch wenn es ein Einzelsport ist. Gemeinsam kämpfen, sich gegenseitig pushen, unterstützen und Erfolge teilen – das macht den Teamspirit bei einer EM so besonders.“
Zu ihrer dritten Team-EM ist Christin Eisenbeiß nach Frankreich angereist. Die 24-Jährige vom Hamburger GC Falkenstein ist bisher immer mit Edelmetall wieder nach Hause gefahren. 2023 durfte sie Bronze, 2024 Gold mit nach Hause nehmen.
Ihre größten Einzelerfolge feierte das Nordlicht im US-Collegegolf. Siege beim Ironwood Invitational, dem Lady Paladin Invitational sowie dem Momentum Transportation Invitational haben ihr auch in den USA zu einiger Aufmerksamkeit verholfen.
Eine Woche nach ihrem Debüt auf der LET huscht ein Strahlen über ihr Gesicht: „Ich freue mich auf eine tolle Woche mit erstklassigem Golf und guter Kameraderie.“
Auch Bundestrainerin Nicole Gögele hat sich in ihrer Karriere vor ihrem Wechsel ins Profilager eine Medaille bei einer Team-EM erkämpft. Im Jahr 1999 gewann Gögele in St. Germain, also ebenfalls in Frankreich, damals noch unter dem Namen Stillig die Bronzemedaille. Neben der heutigen Bundestrainerin standen Miriam Hiller, Verena Scholz, Miriam Nagl, Andrea Lanz und Martina Eberl im Team. Im Kleinen Finale wurden damals die Niederlande mit 5:2 besiegt.
Neben der Bundestrainerin Frauen sind Physio Britta Bücker und Florian Münch, der Leiter des Bundesstützpunkts St. Leon-Rot beim Team.
Der Modus
Die Team-EM beginnt mit zwei Runden Zählspielqualifikation, bei der jeweils die besten fünf Scores in die Wertung kommen.
Anschließend geht es im Matchplay weiter, und die acht bestplatzierten Teams spielen in Flight A um die Plätze eins bis acht, entsprechend wird in Flight B um die Plätze 9 bis 16 gespielt.
Solange es um Medaillen geht, werden am Vormittag zwei Vierer und am Nachmittag fünf Einzel gespielt.
In den anderen Duellen werden nur ein Vierer und vier Einzel gespielt. Falls ein Match nach 18 Löchern all square steht, geht diese Partie direkt weiter auf die Extralöcher, bis eine Entscheidung gefallen ist. Nur wenn inzwischen das gesamte Duell der Nationen entschieden ist, wird das noch laufende Match auf den Extralöchern als geteilt gewertet.
Der Platz
Nur 45 Kilometer nördlich von Paris liegt mit dem Golf de Chantilly eine Anlage, die wie wenige andere in Europa mit dem Begriff Turniertradition verbunden ist. Der Club wurde 1909 gegründet, der berühmte Vineuil Course, heute meist als „Old Course“ bezeichnet, geht in seiner heutigen Form auf die Handschrift von Tom Simpson (1920) zurück. Die zweite Platzschleife, der Longères Course, wurde in den 1980er-Jahren von Donald Steel überarbeitet.
Der Old Course hat mehrfach die Open de France (erstmals 1913, letztmals 1990) ausgerichtet und war auch mehrfach Schauplatz europäischer Amateurmeisterschaften. Seine schmalen Fairways, das subtile Green-Design und das klassische Parkland-Layout fordern strategisches Spiel und mentale Konstanz. Der Platz ist selektiv und wird die Athletinnen aus Europa in jeder Hinsicht fordern, aber durch ein sehr besonderes Ambiente auch für die Mühen entlohnen.
Vor einem Jahr
Das deutsche Team hat vor einem Jahr in der Zählspielqualifikation nur den achten Platz belegt. Punktlandung, um in Flight A weiter um den Titel spielen zu können. Und wie die Mannschaft diese Herausforderung angenommen hat, war großartig. Im Viertelfinale wurde der große Favorit Spanien, der in den beiden Zählspielrunden zuvor satte 20 Schläge weniger gebraucht hatte, mit 4,5:2,5 geschlagen. Das Momentum nahmen die Bundesadler mit und zogen wiederum mit 4,5:2,5 gegen Irland ins Finale ein. Gegner waren hier die Französinnen – und wieder hieß es am Ende 4,5:2,5 für Deutschland.
Vor allem geht es bei der Team-Europameisterschaft der Damen um die sportliche Weiterentwicklung, aber eben auch um Ruhm und Ehre, die eine Medaille mit sich bringt.
Silber für Jungen 2019 an gleicher Stelle
Auch die deutschen Junioren haben die sportliche Qualität des Old Course zu spüren bekommen – und für sich genutzt. Bei der European Boys’ Team Championship 2019 an gleicher Stelle kämpfte sich das deutsche U18-Team bis ins Finale vor und gewann die Silbermedaille. Nur Gastgeber Frankreich konnte gegen die starken Spieler um Bundestrainer Christoph Herrmann bestehen.
Dieser Erfolg verleiht dem Turnier 2025 eine besondere emotionale Dimension: Zum zweiten Mal in sechs Jahren könnte eine Vertretung des Golf Team Germany auf einem der berühmtesten Golfplätze Europas einen großen Erfolg landen.
Startzeiten
Am Abend fand noch die kurze und fröhliche Eröffnungsfeier statt. Die französischen Gastgeber gaben sich Mühe, den Rahmen sportlich und dem Anlass entsprechend mit Respekt für die Athleten zu gestalten.
Von Dienstag bis Samstag stehen lange und anstrengende Wettkampftage auf dem Programm, und dafür werden alle Körner gebraucht.
Die Startzeiten der deutschen Athletinnen für die erste Wettkampfrunde, gleichzeitig erste Runde der Zählspielqualifikation:
07:00 Uhr: Charlotte Back
07:33 Uhr: Stella Jelinek
08:17 Uhr: Paula Schulz-Hanßen
10:51 Uhr: Christin Eisenbeiß
11:24 Uhr: Chiara Horder
12:08 Uhr: Susanna Brenske







