Staycation: Golfurlaub in Deutschland im Trend
Eigentlich ist das Donauniedrigwasser für Budapest weit weg. Doch die zwei älteren Damen, die wir dieser Tage im Golfresort Semlin in Brandenburg treffen, hat es ihren einwöchigen Sommerurlaub gekostet. Ihre Flusskreuzfahrt wurde einen Tag vor der Abfahrt abgesagt. Genauso kurzfristig entschieden sich die beiden Berlinerinnen für ihr neues Reiseziel – auch wenn das Golfresort Semlin nur gut eine Stunde von ihrem jeweiligen Zuhause entfernt liegt. Eine andere Wahl sei ihnen ohnehin schwergefallen, erzählen sie. Schließlich brenne es derzeit in der Türkei, in Frankreich, Spanien und Portugal.
Staycation nennt sich der Urlaub im eigenen Land – unter Golfern gewinnt er an Bedeutung, seit Extremwetter die Reiseplanung zu einem unberechenbaren Faktor gemacht hat. „Der Klimawandel wird zu einem der wichtigsten Rahmenfaktoren“, erklärte Tourismusforscher Harald Zeiss von der Hochschule Harz gegenüber dem Stern. Nachhaltiger Tourismus gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten. Die Frage, wie die globale Erderwärmung die Reisegewohnheiten der Deutschen verändert, beschäftigt ihn seit Jahren. Hitzewellen, Corona, steigende Energiepreise und nun die immer häufigeren Waldbrände führen dazu, dass auch deutsche Golfer ihre Reisepläne zunehmend überdenken.
„Wir haben viele Gäste, die für einige Tage entspannt und sicher Urlaub machen möchten, die die kurze Anreise innerhalb Deutschlands schätzen und unabhängig sein wollen“, sagt Stefanie Baintner, Geschäftsführerin des Hotels 1280 Krone in Geisingen am Bodensee. Für das erst vor drei Jahren eröffnete Hotel ist der Golfmarkt der Bodenseeregion mit seinen zahlreichen Anlagen ein wichtiger Baustein. Auch im nur rund 15 Minuten entfernten GC Schloss Langenstein begrüßt Geschäftsführerin Caroline Hoffmann in diesem Sommer zahlreiche Golfer, die sich kurzfristig für einen Urlaub in Deutschland entschieden haben. Manche von ihnen stammen auch aus der angrenzenden Schweiz. Hauptsache, die Anreise zum Urlaubsort ist unkompliziert.
Gestützt werden diese individuellen Eindrücke durch die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Deren Reiseanalyse zeigt, dass sich viele Urlauber zunehmend kurze Anreisewege, regionale Wertschöpfung, einen geringeren CO2-Fußabdruck und Naturerlebnisse wünschen. Zu den beliebtesten Urlaubsregionen der Deutschen zählen laut Statista neben dem Bodensee die Ostsee, die Nordsee, die Bayerischen Alpen, das Allgäu, der Schwarzwald und die Mecklenburgische Seenplatte. In allen diesen Regionen gibt es eine große Auswahl an Golfplätzen und vielfach auch spezialisierte Golfhotels.

Mit weiter steigenden Temperaturen könnte sich dieser Trend zum Urlaub in Deutschland künftig noch verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Studie aus dem Jahr 2023. Darin berechnete ein Forscherteam, wie sich eine globale Erwärmung von 1,5 bis vier Grad auf die Tourismusströme in Europa auswirken würde. Unabhängig vom Szenario erwarten die Wissenschaftler langfristig sinkende Besucherzahlen in Südeuropa. Wie stark dieser Effekt ausfallen wird, hängt davon ab, wie weit die Erderwärmung tatsächlich voranschreitet. Der klassische Mittelmeergolfurlaub könnte sich deshalb zunehmend in die Frühjahrs- und Herbstmonate verlagern. Für die Monate Juli und August prognostizieren die Forscher dagegen steigende Übernachtungszahlen in Skandinavien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings hat der Juli 2026 gezeigt, dass inzwischen selbst in Deutschland Temperaturen von über 35 Grad möglich sind.
Wer sich für Staycation in Deutschland entscheidet, reduziert meist auch den CO2-Fußabdruck seines Urlaubs. Der größte Hebel liegt dabei in der Anreise. Während für Golfreisen nach Spanien, Portugal oder in die Türkei oft ein Flug erforderlich ist, können deutsche Golfdestinationen bequem mit dem E-Auto erreicht werden. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes verursacht ein Hin- und Rückflug nach Mallorca – je nach Auslastung und Berechnungsmethode – rund 300 bis 500 Kilogramm CO2e pro Person. Eine Anreise mit einem E-Auto innerhalb Deutschlands über einige hundert Kilometer liegt dagegen in der Regel lediglich bei etwa 20 bis 60 Kilogramm CO2e pro Fahrzeug und damit selbst bei zwei Reisenden deutlich darunter.
Der dominierende Grund für den Golfurlaub vor der eigenen Haustür ist dies in den meisten Fällen derzeit wohl noch nicht. Dass der Golfurlaub der Zukunft aber ohnehin anders aussieht als bisher, ist auch den zwei Berliner Damen in den letzten Tagen deutlich geworden. Mit den neuen Erfahrungen im Gepäck, ist Staycation für sie vielleicht auch im nächsten Jahr eine Option. Golfurlaub in Deutschland punktet.








