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Paula Schulz-Hanßen geht mit der ersten Startzeit des Tages bei trübem Regenwetter auf die Runde | © DGV

Schulz-Hanßen trotzt Landregen

Allerum/Schweden – Der Wind war an diesem Tag gekommen, um zu bleiben. Nur die frühen Startzeiten hatten am ersten von vier Wettkampftagen zusätzlich mit teils heftigem Regen zu kämpfen, doch auch nachdem der Dauerregen abgezogen waren, blieb das Wetter ein entscheidender Faktor. Rund fünf Kilometer von der Ostsee entfernt griffen die kräftigen Böen und einzelne Schauer den gesamten Tag über deutlich ins Spiel ein und sorgten dafür, dass am ersten Wettkampftag der 39. Europameisterschaft der Frauen höchste Konzentration verlangt wurde.
 

Der 5.757 Meter lange Par-72-Platz des Allerum GK wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar, offenbarte aber schnell seine Tücken. Trotz des Regens waren die Fairways ausgesprochen hart. Entsprechend schwer ließ sich vorhersehen, wie die Bälle nach der Landung verspringen würden. Wasserhindernisse und zahlreiche Bunker in den Drivezonen forderten präzises Spiel vom Tee. Die Grüns präsentierten sich teils schnörkellos, teils komplex, während die Spielleitung zum Auftakt überwiegend faire Fahnenpositionen gewählt hatte.

Fünf Spielerinnen auf T1

Unter diesen Bedingungen gelang es fünf Athletinnen, mit jeweils 69 (-3) Schlägen die gemeinsame Führung zu übernehmen. Tiefer gingen die Ergebnisse nicht und mitten im erweiterten Kreis der Spitze platzierte sich Sofia Maier-Borst.
Die Spielerin des GC St. Leon-Rot hatte nach 17 Löchern Even Par gelegen. Ihre Runde war bis dahin solide, kontrolliert und weitgehend frei von größeren Fehlern verlaufen. Auf der 438 Meter langen Schlussbahn setzte die Athletin des Junior Team Germany dann ein Ausrufezeichen. Nach einem langen Drive spielte sie ein Fünfer-Eisen knapp hinter das Grün und lochte von dort zum Eagle ein. Mit der 70 (-2) schob sich Maier-Borst noch bis auf den sechsten Platz nach vorne und verschaffte sich eine hervorragende Ausgangslage für die zweite Runde.
 

„Das ist ein ganz cooler Platz. Ich habe heute sehr solide gespielt, wenig große Fehler gemacht und hier und da ein paar Birdiechancen erarbeitet. Einige Putts habe ich auch gelocht, sodass es insgesamt ein sehr guter Start ins Turnier war“, fasste Maier-Borst ihre Leistung zusammen. Dass die Spitze nach dem ersten Tag bei lediglich drei Schlägen unter Par lag, überraschte die Kurpfälzerin angesichts der Bedingungen nicht. Der Platz bot deutlich weniger kurze Schläge ins Grün, als es die reine Länge vermuten ließ. Umso wertvoller war ihr Abschluss.

Schlick bleibt fehlerfrei

Auch Isabelle Schlick brachte einen roten Score ins Clubhaus. Die ehemalige Frankfurterin, die seit Jahren für den GC St. Leon-Rot spielt, musste früh ihr einziges Bogey des Tages hinnehmen. Danach hielt sie ihre Karte sauber und erarbeitete sich mit zwei Birdies eine 71 (-1).

Einen ebenfalls grundsoliden Start erwischte Victoria Schuldt. Die Spielerin des Hamburger GC notierte jeweils drei Birdies und drei Bogeys und kam mit einer 72 (Even Par) ins Recording. Damit belegt die Falkensteinerin nach dem ersten Tag den 20. Platz und bleibt in Schlagdistanz zu den vorderen Positionen.

PSH im Landregen sehr solide

Paula Schulz-Hanßen vom GC St.Leon-Rot hatte um 7.00 Uhr das zweifelhafte Vergnügen, in einem echten Landregen auf das erste Tee zu gehen. Die Europameisterin von 2020 lieferte unter den denkbar unangenehmsten Bedingungen eine solide Leistung und liegt mit 73 (+1) Schlägen zunächst auf Rang 31.

Wechselhaft

Die Runde von Susanna Brenske verlief wechselhafter. Nach einem frühen Birdie musste die Athletin des Junior Team Germany zum Ende ihrer Front Nine eine schwierige Phase überstehen. Innerhalb von fünf Löchern rutschten vier Bogeys auf die Karte. Brenske fing sich jedoch wieder, stabilisierte ihr Spiel und setzte mit einem späten Birdie einen versöhnlichen Schlusspunkt. Die 75 (+3) bedeutet zunächst den geteilten 56. Platz.
„Wir hatten insgesamt schwere Bedingungen mit starkem Wind und etwas Regen. Der Platz ist auf den ersten Blick recht unscheinbar, aber man hat auf jeden Fall viel Wasser und viele Bunker in den Drivezonen“, erklärte Brenske.
Die Bunker empfand sie trotz ihrer strategischen Lage als fair, da sie vergleichsweise hart und flach waren. Deutlich schwieriger war es, die Schläge mit dem Wind sauber an die Fahnen zu bringen. Hinzu kamen zwei ausgelassene kurze Putts und eine ungünstige Lage direkt an einem Baum. Dennoch überwogen nach der Runde die positiven Eindrücke.
„Wenn ich meine Runde rekapituliere, bin ich trotzdem zufrieden. Es gibt natürlich immer etwas Luft nach oben, aber das werde ich dann versuchen, morgen umzusetzen“, sagte Brenske mit Blick auf den zweiten Wettkampftag.

Renner belohnt ihren Kampf

Schlaggleich mit Brenske ging Sophie Renner in die zweite Runde. Die Spielerin des Stuttgarter GC Solitude hatte lange mit ihrem Spiel und der Chancenverwertung auf den Grüns gerungen. Nach 13 Löchern lag die Schwäbin bei fünf über Par, ließ sich davon aber nicht entmutigen. Auf den letzten Bahnen vertraute Renner wieder stärker auf ihre Abläufe und belohnte sich für ihren Kampf. Innerhalb von vier Löchern gelangen ihr drei Birdies, mit denen sie ihren Score noch auf 75 (+3) drückte. Besonders mit Blick auf die schwierige Anfangsphase war dies eine bemerkenswerte Reaktion.

„Ich habe mich gut zurückgekämpft, habe meinem Spiel mehr vertraut und dadurch die Bälle ein bisschen näher an den Stock gehauen. Dadurch hatte ich bessere Birdie-Chancen als davor“, erklärte Renner.
Auf den Grüns hatte sie nach eigener Einschätzung dennoch einige Möglichkeiten liegen gelassen. Positiv bewertete sie dagegen ihr langes Spiel, auf dem zuletzt ein besonderer Trainingsschwerpunkt gelegen hatte. In diesem Bereich erkannte sie deutliche Fortschritte und nahm trotz des zwischenzeitlich hohen Scores wertvolle Erkenntnisse aus der Auftaktrunde mit.

Weite Wege

Esther Poburski war am ersten Tag sehr viel bei den Rundenvorbereitungen ihrer Schützlinge auf der Driving Range. Die Bundestrainerin Frauen/Nachwuchs hatte nur eingeschränkt die Chance, das Spiel auf dem Platz zu verfolgen, weil die Wege im Allerum GK sehr weit sind. Am zweiten Tag, so der Plan, wird sie mehr Zeit auf dem Platz sein, um dort genau schauen zu können, wie die Athletinnen im Wettkampf ihre Ziele und Vorgaben umsetzen.

Die Ergebnisse des ersten Tages hatten die Bundestrainerin noch nicht umfassend überzeugt: „Das war aus deutscher Sicht heute ein durchwachsener Tag mit ein paar Lichtblicken. Highlight war ganz sicher der Eagle von Sofia Maier-Borst, als sie auf der 18 von außen eingechipt hat. Das Paula Schulz-Hanßen heute früh bei diesem Landregen so solide gespielt hat, finde ich auch sehr respektabel.“

Starkes Feld in Schweden

Insgesamt sind 144 der besten Amateurspielerinnen der Welt nach Schweden gereist. Das Gastgeberland stellte mit 25 Athletinnen das größte Aufgebot. Angeführt wird das schwedische Team von Meja Örtengren, die als Nummer sechs im World Amateur Golf Ranking die bestplatzierte Spielerin des Feldes ist und 2024 bereits eine EM-Bronzemedaille gewonnen hatte.

Die Südkoreanerin Soomin Oh geht als zweitbeste Spielerin der Weltrangliste im Feld an den Start und hat die Möglichkeit, als erste Nicht-Europäerin den Titel zu gewinnen. Der Start der Asiatin war mit einer 74 (+2) solide.

Große Bedeutung

Die Bedeutung des Turniers reichte weit über den Titel und die Medaillen hinaus. Die neue Europameisterin erhält eine Einladung zu den AIG Women’s Open im Royal Lytham & St Annes GC. Eine weitere Startmöglichkeit für das Major wird über die AIG Women’s Open Amateur Series vergeben, deren letztes Wertungsturnier die Europameisterschaft ist.
 

Zudem spielte das Turnier eine wichtige Rolle in der European Amateur Order of Merit. Als letzte Station des sogenannten Back-Nine Swing bietet die Meisterschaft noch einmal eine hohe Zahl an Ranglistenpunkten. Nach Abschluss des Turniers haben die besten Spielerinnen der Gesamtwertung sowie die führenden U18-Athletinnen Startplätze für die drei Final-Sprint-Turniere im August und September sicher.

Große deutsche Tradition

Die Einzel-Europameisterschaft der Frauen wird seit 1986 ausgetragen und hat sich als eines der bedeutendsten Turniere im internationalen Amateurgolf etabliert. Viele frühere Medaillengewinnerinnen wechselten später erfolgreich auf die großen Profitouren, gewannen Majors, spielten im Solheim Cup oder holten olympische Medaillen.
 

Auch deutsche Spielerinnen haben die Geschichte der Meisterschaft geprägt. Martina Koch gewann die Premiere und wiederholte ihren Erfolg 1990. Weitere Titel gingen an Martina Fischer, Martina Eberl, Sophia Popov und Paula Schulz-Hanßen.
Popov hatte 2010 mit drei Schlägen Vorsprung triumphiert und gewann zehn Jahre später als erste Deutsche die Women’s British Open. Esther Henseleit holte 2018 EM-Silber und setzte ihrer internationale Karriere 2024 mit der olympischen Silbermedaille in Paris die vorläufige Krone auf.
 

Bei der Auflage 2025 im Frankfurter GC hatten spanische Spielerinnen alle drei Plätze auf dem Podium belegt. Beste Deutsche war Christin Eisenbeiß auf Rang elf gewesen. Die Falkensteinerin ist inzwischen ins Profilager gewechselt und spielt vor allem auf der Epson Tour in den USA.
 

Der Allerum GK liegt nördlich von Helsingborg und ist ein offener Heidelandplatz mit parkähnlichen Elementen. In den vergangenen Jahren waren dort Turniere der Ladies European Tour, der LET Access Tour und der Challenge Tour zu Gast.
 


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