Scheffler und McIlroy staunen über Shinnecock Hills
Wenn Rory McIlroy und Scottie Scheffler nach einer Proberunde auf einem Major-Kurs überrascht sind, lohnt sich das Hinhören. Vor der US Open 2026 (18. – 21. Juni) in Shinnecock Hills fiel beiden vor allem ein Detail auf: Die Fairways sind deutlich breiter als erwartet. Dabei gilt Shinnecock Hills seit Jahrzehnten als eine der härtesten Prüfungen im Golfsport. Die Zahlen sprechen für sich: Bei den vier modernen US Open auf dem traditionsreichen Long-Island-Kurs schafften es insgesamt nur drei Spieler, das Turnier unter Par zu beenden. Insgesamt gingen dabei 624 Profis an den Start. „An diesem Ort scheinen Golf-Dämonen zu wohnen“, sagt USGA-Chefplatzarchitekt John Bodenhamer. „Sie steigen aus den Grüns empor – auf eine teuflische, faszinierende und zugleich wunderbare Art.“
McIlroys und Schefflers Beobachtungen
Die Härte des Platzes wurde zuletzt 2018 deutlich, als Brooks Koepka mit einem Gesamtergebnis von eins über Par triumphierte. Im selben Jahr sorgte Phil Mickelson mit seinem berühmten Regelverstoß auf dem Grün für einen der denkwürdigsten Momente der jüngeren Major-Geschichte. Vor der diesjährigen Austragung nutzten zahlreiche Spitzenspieler die Gelegenheit für eine erste Platzbesichtigung. Für McIlroy und Scheffler, die beide mit großen Ambitionen zum dritten Major-Turnier des Jahres reisen, stand dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt, wo die größte Herausforderung liegen wird.
Fairways großzügiger als in der Vergangenheit
McIlroy zeigte sich zunächst von den Abschlägen beeindruckt: „Shinnecock sieht großartig aus. Die Fairways sind sehr großzügig angelegt. Sie sind deutlich breiter als 2018. Aber das erste Rough ist fünf Zoll hoch. Es gibt vielleicht drei Schritte Platz zwischen Fairway und Fescue-Gras. Verfehlst du das Fairway um nur einen Meter, hast du ein Problem. Andererseits sind die Fairways so breit, dass man sie eigentlich treffen sollte. Wenn man sie verfehlt, hat man sich die schlechte Lage verdient.“ Auch Scheffler war bei seinem ersten Besuch überrascht. „Ich war vorher noch nie dort. Das war mein erster Besuch“, sagt er. „Von der Breite der Fairways war ich tatsächlich überrascht. Die eigentliche Herausforderung sind aber die Grüns. Dort wird das Turnier entschieden.“
Herausforderungen auf den Grüns
Tatsächlich verfolgt die USGA in diesem Jahr einen etwas anderen Ansatz als bei früheren Veranstaltungen. Laut Bodenhamer werden die Fairways durchschnittlich rund 44 Meter breit sein – so großzügig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Damit setzt der Verband seine Strategie fort, die US Open weniger über extreme Enge und stärker über einen insgesamt fairen, aber anspruchsvollen Test zu definieren. An der Schwierigkeit des Turniers dürfte das allerdings wenig ändern. Denn während die Abschläge mehr Spielraum bieten, wartet die eigentliche Herausforderung rund um die Fahnen.
Das hohe Rough als verdiente Strafe
„Das Rough ist bei dieser Fairwaybreite eine hervorragende Strafe“, sagt Scheffler. „Sobald du das Fairway verfehlst, hast du praktisch keine Chance mehr. Gleichzeitig bieten die breiten Fairways ausreichend Möglichkeiten. Die Grüns sind jedoch extrem schwierig. Die Verantwortlichen können die Fahnenpositionen nahezu beliebig setzen und die Scores damit so hoch treiben, wie sie möchten.“ Gerade die Grüns hinterließen bei den Stars den größten Eindruck. Zwar sind sie flächenmäßig vergleichsweise groß, doch die nutzbaren Bereiche für Annäherungsschläge schrumpfen je nach Fahnenposition auf wenige Quadratmeter zusammen. Wer von der falschen Fairwayseite angreift, findet oft nur einen winzigen Zielkorridor vor.
McIlroy zuversichtlich
„Die Grüns laufen aktuell mit etwa 11 bis 11,2 auf dem Stimpmeter, ich glaube nicht, dass sie viel schneller sein müssen“, sagt McIlroy. „Wenn sie diese Geschwindigkeit beibehalten und die Grüns gleichzeitig fest werden lassen, können sie die gewünschten Fahnenpositionen nutzen, ohne die Probleme zu bekommen, die es bei einigen der vergangenen US Open gab.“ Für die Spieler bedeutet das: Vom Tee könnte die US Open 2026 etwas einladender wirken als in früheren Jahren. Doch spätestens auf den Grüns dürfte die bekannte Härte zurückkehren.








