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Der Berliner GC Stolper Heide jubelt über seine Rückkehr in die 1. Bundesliga | © BGC Stolper Heide

Rückkehr statt Premiere

Hamburg – Der Hamburger GC war Gastgeber der Relegation zur 1. Bundesliga Nord der Herren. Nach vier Vierern und acht Einzeln stand am Abend eines langen Tages auf dem Harry-S.-Colt-Platz fest: Der Himmelssturm des ambitionierten Clubs aus Niedersachsen ist erst einmal gestoppt. Der Burgdorfer GC hatte einen Fanbus gechartert, der am frühen Morgen in der Nähe von Hannover losfuhr, um den passenden Support für die Niedersachsen auf den Platz zu bringen. Doch am Ende reichte es nicht ganz, denn der Berliner GC Stolper Heide zeigte in vielen Matches herausragend gute Leistungen.

Vorzeichen

Der Berliner GC Stolper Heide hatte in der 2. Bundesliga Nord drei Spieltage gewonnen, war einmal auf Rang drei gekommen und sicherte sich mit Rang zwei am letzten Spieltag die nötigen Punkte, um im Endklassement vor dem GC Hof Treudelberg zu stehen. Der Sieg der Berliner in Treudelberg mit nur einem Schlag Vorsprung auf die Gastgeber brachte den entscheidenden Punkt mehr. Ein Jahr zuvor hatte Treudelberg die Nase vorn gehabt, war aber in der Relegation gescheitert. 2023 durfte das Team des Berliner GC Stolper Heide schon einmal Bundesligaluft schnuppern, hatte aber mit neun Punkten den Abstieg nicht verhindern können.
2017 und 2018 hatten die Berliner zuvor schon zweimal als Nord-Meister vergeblich versucht, in der Relegation den Aufstieg zu realisieren.
 

Auch der Burgdorfer GC sicherte sich mit drei Siegen, einem zweiten und einem dritten Platz mit 22 Punkten den Sieg in der Weststaffel der 2. Bundesliga. Die Mannschaft des Clubs, der genau zwischen Hannover und Celle liegt, hatte am letzten Spieltag noch den GC Essen-Heidhausen abgefangen, der lange an der Spitze der Tabelle gestanden hatte und im Endklassement sogar zwei Schläge weniger in den Büchern hatte. Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga im Jahr 2023 hatte der Burgdorfer GC in seiner Premierensaison in der 2. Bundesliga schon den zweiten Platz erreicht. Im zweiten Jahr konnte nun die West-Meisterschaft gefeiert werden.

Vierer

Im ersten Vierer schickte Coach Uli Zilg Luis Büch und Profi Timo Vahlenkamp ins Rennen. Die Berliner gerieten gegen Max Oelfke und Gerrit Schiele zweimal in Rückstand, glichen aber jeweils wieder aus und gingen auf Loch elf erstmals mit 2auf deutlicher in Führung. Die Burgdorfer ließen sich zwar nicht abschütteln, konnten aber das Blatt auch nicht mehr wenden, sodass der erste Punkt mit 2&1 an den Berliner GC Stolper Heide ging.

Ein wechselhaftes Duell lieferten sich Julian Trost und Florian Schrödl mit Max Behnke und Niklas Meier. Nach acht Löchern führten die Burgdorfer 2auf, verloren dann aber drei Löcher in Serie, sodass nun die Berliner in Front lagen. Auf dem 13. Grün stoppten die Niedersachsen den Lauf der Kontrahenten und glichen wieder aus. Noch einmal schafften es Trost/Schrödl, in Führung zu gehen, sodass es mit 1auf für Stolper Heide auf das 18. Tee ging. Nervenstark holten sich Behnke/Meier diese Bahn und glichen zum all square als Endstand aus.
 

Die beiden anderen Vierer gingen an den Burgdorfer GC. Alexander Lauer und Albert Hoxhaj gerieten gegen David Rauch und Julian Schwarz zwar schnell 2down in Rückstand, behielten aber die Ruhe und schafften nicht nur die Wende, sondern lagen nach 16 Löchern selbst mit 2auf in Front. Die Athleten des Berliner GC Stolper Heide konnten auf der 17. Bahn zwar noch einmal verkürzen, gaben aber das 18. Loch wieder ab, sodass ein 2&1 für Burgdorf in den Büchern steht.

Im letzten Vierer standen sich Junioren-Nationalspieler Colin Bärmann und Lukas Schröder auf Seiten des Burgdorfer GC sowie Lasse Kieper und Eric Göldner für den BGC Stolper Heide gegenüber. Loch 1 ging an die Berliner, aber dann kamen die Niedersachsen ins Spiel und übernahmen bis Loch 6 mit 2auf das Kommando. Zweimal gab es einen Lochgewinn hüben, den drüben postwendend wieder ausglichen. Mit einem weiteren Lochgewinn auf dem 15. Grün erhöhten Bärmann/Schröder auf 3auf und ließen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, sodass ein 3&2-Sieg für Burgdorf einen weiteren Punkt ergab.
Mit einer 2,5:1,5-Führung für die Niedersachsen ging es in die kurze Mittagspause.

Einzel

Bei wolkenlosem Himmel über dem wie immer hinreißend gepflegten Platz des Hamburger GC Falkenstein kletterte das Thermometer bis auf sehr erträgliche 25 Grad. Optimale Bedingungen, zumal der Wind zwar spürbar war, aber nur in Böen wirklichen Einfluss hatte.

Im ersten Einzel trafen Timo Vahlenkamp und Max Oelfke aufeinander. Der Profi, der ursprünglich im GC Teutoburger Wald zu Hause war, ehe er zum Berliner GC Stolper Heide wechselte, legte los, als gäbe es kein Morgen, und führte nach fünf Löchern schon mit 3auf. Max Oelfke hat an den Platz noch sehr gute Erinnerungen, denn 2017 gewann er im Stechen an gleicher Stelle die German International Amateurs, lange bevor auch er ins Profilager wechselte. Inzwischen reamateurisiert, ist Oelfke aber noch immer eine Größe und holte doch noch die Punkt für Burgdorf.
 

Noch schneller fertig war Luis Büch, der Felix Lampe keine Chance ließ und schon auf dem zwölften Grün zum 7&6 den Deckel draufmachte. Der Sohn des Präsidenten des BGC Stolper Heide unterstrich damit seine Matchplay-Qualitäten. Im Mai hatte der ehemalige Jugend-Nationalspieler auf heimischem Terrain bei der Deutschen Lochspielmeisterschaft die Bronzemedaille gewonnen.
 

Wenig später waren zwei weitere Matches beendet. Alexander Lauer holte für Burgdorf mit 4&2 einen Punkt gegen einen altgedienten Haudegen. David Rauch war früher auch Jugend-Nationalspieler, geriet gegen Lauer aber schnell deutlich in Rückstand. Rauch wehrte sich zwar tapfer, aber am Ende gingen ihm die Löcher aus und er musste volles Risiko gehen, um bei dormie 4down das Match noch teilen zu können. Auf Loch 15 ging dies gut und der Berliner verkürzte, aber schon auf Loch 16 wurden Mut und Risiko nicht mehr belohnt, sodass das Match vorzeitig an Alex Lauer ging.
Beinahe zeitgleich holte Florian Schrödl für die Berliner einen weiteren Punkt. Gegen Max Behnke führte Schrödl ständig, musste aber zweimal hinnehmen, dass der Burgdorfer aus einem 3down aufholte und drauf und dran war, den Ausgleich zu erzielen. Dieses Spielchen ging zweimal auf, aber am Ende setzte sich Schrödl doch mit 2&1 durch.

Spannungsbogen

Alfred Hitchcock hätte kein spannenderes Drehbuch schreiben können, denn in der Vorhersage stand es mit den noch laufenden Matches für längere Zeit 6:6.

Profi Gerrit Schiele, der 2004 in Burgdorf mit dem Golfsport begonnen hatte und inzwischen Teaching-Pro bei seinem Heimatverein ist, lieferte sich mit Julian Trost ein faszinierendes Duell. Der Berliner führte nach elf Löchern 3auf. Dann zündete Schiele den Turbo und gewann die Löcher 13 bis 15. Beim all square schien es so, als sei das Momentum nun ganz bei dem Niedersachsen, der damit auch für seine Mannschaft ein deutliches Ausrufezeichen hätte setzen können.
Trost behielt aber die Nerven, ging auf dem 16. Grün wieder in Führung und machte auf Loch 17 mit 2&1 den Punkt für Berlin fest.
Damit war der Druck nun ganz auf Seiten des Burgdorfer GC, der mindestens eines der beiden Matches noch ausgleichen oder drehen musste, bei denen Berlin in Führung lag.

Nervenkitzel

Auch beim Duell zwischen Albert Hoxhaj und Lasse Kieper hätte es spannender kaum sein können. Kieper gewann die Löcher 1 und 3. Hoxhaj glich auf 4 und 6 wieder aus. Kieper ging erneut mit 2auf in Front, Hoxhaj parierte, konnte aber nicht ausgleichen. Der Berliner schaffte dagegen, auf Loch 14 seine Führung wieder auf 2auf auszubauen.
Beim Kampf zwischen Gustav Ordel und Colin Bärmann ging der Berliner auf Loch 1 in Führung. Anschließend zeigte Colin Bärmann sein Potenzial und holte sich die Löcher 2, 4, 5 und 8 zur klaren 3auf-Führung. Zum Auftakt der Back Nine war es dann wiederum Gustav Ordel, der mit einem Zwischenhoch durch drei Lochgewinne in Folge ausglich, um wenig später auf dem 14. Grün sogar selbst wieder die Führung zu übernehmen und diese auf Loch 16 zum 2auf auszubauen. Der 2&1-Sieg für den Berliner brachte eine Vorentscheidung.
 

Im letzten Match des Tages standen sich Julian Schwarz und Lukas Schröder gegenüber. Zweimal ging Schwarz für Berlin in Führung, zweimal glich Schröder postwendend für Burgdorf aus. Danach zog der Niedersachse mit zwei Lochgewinnen davon und lag lange mit 2auf in Front. Doch auch dieser Punkt für Burgdorf geriet noch einmal in Gefahr, als Schwarz auf dem 17. Grün auf 1down verkürzte. Mehr war dann aber auch für den Berliner nicht mehr drin, sodass Lukas Schröder für den Burgdorfer GC einen Punkt holte.
 

Am Ende hing der Ausgangs dieser Relegation am Duell zwischen Albert Hoxhaj und Lasse Kieper. Hoxhaj gewann das 17. Loch und hielt damit den Traum der Niedersachsen vom Aufstieg wach und lebendig. Auf dem Schlussloch gelang dem Burgdorfer jedoch kein weiterer Lochgewinn, und so ging der Punkt mit 1auf an Lasse Kieper und den Berliner GC Stolper Heide.
Der Rest war Jubel auf Seiten des Berliner. Die Rückkehr in die Beletage des Deutschen Mannschaftsgolfs war geschafft. Der Berliner GC Stolper Heide wird 2026 wieder in der 1.Bundesliga Nord der Deutschen Golf Liga presented by All4Golf spielen. Traditionell ist der Saisonstart in der Nordstaffel beim Hamburger GC, so dass der Aufsteiger schon im Mai voraussichtlich wieder beim Gründungsmitglied des Deutschen Golf Verbands auf diesem so außergewöhnlichen Platz antreten darf.

Stimmen vom Tag

Ein Protagonist des Berliner GC Stolper Heide feierte doch seine Premiere. Der ehemalige Bundestrainer Uli Zilg hatte bisher in der Deutschen Golf Liga noch keine Erfahrung, war nun aber direkt am Aufstieg als Coach beteiligt. Entsprechend war der Trainer sehr glücklich und kommentierte den Sieg seiner Mannschaft fast schon euphorisch:
„Erstmal war es ja nicht selbstverständlich, dass wir hierher gekommen sind. Der vierte Spieltag war wirklich umkämpft, aber am Ende waren wir dann doch als starke Mannschaft hier am Start. In den Vierern haben wir heute Morgen ordentlich gespielt, aber hinten raus dann doch noch einmal ein Match abgegeben. Wir sind dann sehr, sehr gut in die Einzel gestartet. Je länger diese Relegation ging, je mehr Spieler draußen waren, desto mehr glich es sich insgesamt aus. Dann war plötzlich mal Burgdorf vorne, und wir hatten ein Match, das 3down war. Gustav Ordel hat das dann noch gedreht. Das war wirklich der Matchwinner, gar keine Frage. Für mich war das hier ein besonderes Erlebnis, weil ich die DGL noch nie gecoacht habe und das Ganze bisher nur von der Seitenlinie kannte. Ich freue mich natürlich jetzt, dass Berlin wieder in der ersten Liga ist. Das war auch wichtig für den Club, ist schön für die Mannschaft und mich. Das war hier ein tolles Erlebnis!“
 

Luis Büch, der mit seinem glatten Sieg im Einzel für seine Mannschaft ein Statement abgeliefert hatte, war ebenfalls überglücklich, als am Abend der alles entscheidende Punkt auf dem 18. Grün endlich geholt war:
„Wir freuen uns alle sehr. Es war am Ende unfassbar knapp. Es kam aufs letzte Loch an, und wir haben uns mega gefreut. Jetzt wird natürlich auch ordentlich gefeiert. Mein Match lief unfassbar glatt. Ich habe super gespielt, keine Fehler und keine Bogeys gemacht. Ich habe auch von den anderen sehr viele gute Schläge gesehen. Es war trotzdem sehr knapp, weil die Burgdorfer auch sehr gut gespielt haben. Wir freuen uns natürlich über den Sieg und auf die 1. Bundesliga im nächsten Jahr. Wir waren als Team richtig gut. Jeder hat jeden unterstützt. Der Platz des Hamburger GC war in einem unfassbar guten Zustand. Das ist einer der schönsten Plätze, die ich in Deutschland je gespielt habe. Die Greenkeeper haben sich super gekümmert. Die Fahnenpositionen waren perfekt für ein Aufstiegsspiel und sehr schwer. Das hat riesig  Spaß gemacht.“
 

Gerrit Schiele, der in seiner Doppelfunktion als Coach und Spieler des unterlegenen Burgdorfer GC diese Relegation besonders intensiv erlebt hatte, war nach dem letzten Putt sichtlich niedergeschlagen, zeigte sich aber auch als fairer Verlierer:
„Auf einem solchen Platz die Relegation spielen zu dürfen, war uns eine Ehre. Sehr anspruchsvoll, und die Pinpositions waren eine echte Herausforderung. Wir haben den Berlinern ein Match auf Augenhöhe geliefert. Fast 100 Fans waren aus Burgdorf gekommen, und so hatten wir gefühlt fast ein Heimspiel. Wir haben insgesamt eine sehr gute Leistung geboten, auch wenn es mitunter sehr schwierig war, bei mancher Böe die Fahne anzuspielen. Insgesamt war es unglaublich spannend. Wir gratulieren dem Berliner GC Stolper Heide. Glückwunsch zum Aufstieg! Für uns heißt das, im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu unternehmen.“

 

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