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Lily Reitter liest die Puttlinie sehr genau und hat damit oft Erfolg. Die guten Putts sind ein Schlüsselelement im Spiel der 17-Jährigen vom GP Gerolsbach | © USGA/Logan Whitton

Reitter bei U.S. Girls in Top Ten

Durham/USA – Als Siegerin der R&A Girls’ Amateur Championship 2025 war Lily Reitter für das vielleicht größte Mädchenturnier der Welt qualifiziert. Die 17-Jährige, die beim GP Gerolsbach gemeldet ist, lieferte auf dem 5.935 Meter langen Par-72-Kurs des Old Chatham GC eine starke Vorstellung ab und bewies erneut eindrucksvoll, dass sie auf der ganz großen internationalen Bühne bestehen kann.

Die U.S. Girls’ Junior Championship brachte seit ihrer Premiere im Jahr 1949 zahlreiche Spielerinnen hervor, die später zu den besten Golferinnen der Welt gehörten. Entsprechend hochklassig war auch diesmal das Feld besetzt. 156 Spielerinnen gingen in North Carolina an den Start. Nach zwei Runden Zählspiel durften lediglich die besten 64 Athletinnen im Lochspiel weiter um den Titel kämpfen.

Erste Hürde souverän genommen

Lily Reitter meisterte diese erste Herausforderung mit Runden von 71 und 75 Schlägen. Mit insgesamt 146 Schlägen belegte die Deutsche den 51. Platz und qualifizierte sich souverän für die Matchplays.

Dort wartete in der Runde der besten 64 mit Seoah Kim eine Spielerin, die sich im Zählspiel auf Rang 13 deutlich weiter vorne platziert hatte. Die Koreanerin erwischte den besseren Start und profitierte am ersten Loch von einem Doppelbogey Reitters. Damit ging Kim zum ersten und zugleich einzigen Mal in diesem Match in Führung.

Reitter zeigte sofort eine starke Reaktion, glich schnell aus und übernahm wenig später selbst die Führung. Die Deutsche spielte mutig, blieb geduldig und erhöhte mit ihrem zweiten Birdie des Tages auf Loch 11 vorentscheidend auf 3auf. Kim konnte den Rückstand anschließend zwar noch einmal verkürzen, doch Reitter ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen und zog in die Runde der besten 32 ein.

Birdie zum Sieg

Dort traf die Spielerin des GP Gerolsbach auf Alexa Takai aus Hawaii. Wie schon in ihrem ersten Match musste Reitter auf Loch 1 einen frühen Rückstand hinnehmen, weil sie ihr Par zum Auftakt nicht halten konnte.

Erneut blieb die 17-Jährige jedoch vollkommen ruhig. Auf Loch 3 glich sie das Match aus und gestattete ihrer Kontrahentin anschließend keine weitere Führung. Lange blieb das Duell all square. Beide Spielerinnen agierten auf hohem Niveau und erlaubten sich kaum Schwächen.

Auf Loch 13 gelang Reitter mit einem Birdie schließlich der erste Lochgewinn seit der dritten Bahn. Damit kippte das Momentum deutlich auf die Seite der Deutschen. Reitter setzte sofort nach, baute ihre Führung aus und beendete das Match auf dem 16. Grün im Stil einer ganz Großen.

Aus mehr als acht Metern versenkte sie den Putt zum Birdie und machte damit den 3&2-Erfolg perfekt. Wie hochklassig dieses Match gewesen war, zeigte ein Blick auf die Scorekarten. Alexa Takai hatte sich über die gesamte Runde kein einziges Bogey erlaubt. Reitter musste für jeden einzelnen Lochgewinn ein Birdie spielen.

Starke Aufholjagd im Achtelfinale

In der Runde der besten 16 wartete mit Macie Rasmussen die nächste starke US-Amerikanerin. Auf den ersten neun Löchern konnte Reitter lediglich ein Birdie notieren. Rasmussen legte dagegen eine beeindruckende Serie hin und erspielte sich vor dem Wechsel auf die Back Nine eine deutliche 4auf-Führung.

Das Match schien zu diesem Zeitpunkt bereits klar in Richtung der Amerikanerin zu laufen. Reitter bewies jedoch einmal mehr, wie viel Kampfgeist in ihr steckt. Zu Beginn der Back Nine startete die Deutsche eine eindrucksvolle Aufholjagd. Sie gewann Loch um Loch und hatte ihren Rückstand bereits auf 1down verkürzt, als die beiden Spielerinnen das 14. Tee erreichten. Plötzlich war wieder alles offen.

Auch in der entscheidenden Phase blieb das Niveau außerordentlich hoch. Beide Spielerinnen lieferten sich einen offenen Schlagabtausch und spielten Birdies in Serie. Rasmussen blieb letztlich einmal mehr unter Par und setzte sich dadurch mit 2&1 durch.

Für Lily Reitter endete das Turnier damit im Achtelfinale. Als Trost blieb der geteilte neunte Platz und damit das vielleicht wertvollste Top-Ten-Ergebnis, das es im weiblichen Nachwuchsgolf zu erspielen gibt.

Beeindruckendes Setup

Das Turnier hatte bei Lily Reitter ohnehin mächtig Eindruck hinterlassen. Die Organisation, die Bedingungen und die gesamte Atmosphäre im Old Chatham GC machten diese Woche für die 17-Jährige zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Entsprechend groß war schon unmittelbar nach dem Ausscheiden die Vorfreude auf die Möglichkeit, im kommenden Jahr noch einmal einen Anlauf zu nehmen, um nach den R&A Girls auch noch die U.S. Girls’ Junior zu gewinnen: „Die Organisation des Turniers durch die USGA und den Old Chatham GC war einfach nur perfekt. Wir wurden rundum bestens betreut und alle Menschen hier waren super freundlich. Die Trainingseinrichtungen und der Platz waren in perfekten Konditionen. Ich bin sehr dankbar, hier dabei sein zu dürfen. Ins Turnier bin ich ohne große Erwartungen gestartet, denn seit meinem Sieg bei den German International Girls habe ich kein Turnier mehr gespielt, weil ich erst mein International Baccalaureate gemacht habe und dann leider krank geworden bin. Als ich den Cut geschafft hatte, war ich sehr aufgeregt, weil ich Matchplay so liebe. Ich habe mich gefreut, gegen die Besten spielen zu dürfen und habe einfach immer mein Spiel gespielt. Im Match gegen die Hawaiianerin habe ich sehr gut gespielt. Auf 16 Löchern habe ich nur 23 Putts gebraucht. Der lange Putt zum Sieg war wahrscheinlich das Highlight dieses Spiels. Im dritten Match hat meine Gegnerin keine Fehler gemacht. Ich lag zwar 4down, konnte aber noch einmal zurückkommen. Es war ein wirklich gutes Match. Und obwohl ich natürlich nicht froh war, zu verlieren, weiß ich, dass ich sehr gutes Golf gespielt habe. Es war eine tolle Woche hier in North Carolina. Ich bin sehr dankbar für diese großartige Erfahrung. Mein Ziel ist es, ab jetzt im College-Golf so gut zu spielen, dass ich im nächsten Jahr hier wieder mitspielen darf. In weniger als einem Monat geht es für mich an der University of Virginia los.“

The winner takes it all

Die Bedeutung der U.S. Girls’ Junior Championship zeigte sich nicht nur am hochklassigen Teilnehmerfeld, sondern auch an den Privilegien, die mit dem Sieg verbunden sind. Die Siegerin erhält Startrechte für alle zukünftigen U.S. Girls’ Junior Championships, solange sie die Altersgrenze von 19 Jahren noch nicht überschritten hat. Darüber hinaus öffnete der Titel die Türen zu einigen der größten Bühnen im internationalen Frauengolf.

Die neue Championess darf bei der U.S. Women’s Open Championship 2027 im Inverness Club in Toledo im US-Bundesstaat Ohio antreten. Außerdem erhält sie Einladungen zu den U.S. Women’s Amateur Championships im laufenden und im folgenden Jahr. Auch beim Augusta National Women’s Amateur 2027 wird die Siegerin einen Startplatz bekommen.

Eine Meisterschaft mit großer Geschichte

Die U.S. Girls’ Junior Championship wurde 1949 ins Leben gerufen, ein Jahr nach der Einführung der U.S. Junior Amateur Championship. Austragungsort der Premiere war der Philadelphia Country Club, einer der ältesten Golfclubs der Vereinigten Staaten. Damals nahmen 28 Mädchen aus 17 Bundesstaaten teil.

Mehrere frühere Siegerinnen gewannen später Majors, darunter Amy Alcott, JoAnne Carner, Inbee Park, Ariya Jutanugarn, Hollis Stacy und Mickey Wright. Seit 2017 bekommt die Siegerin der U.S. Girls’ Junior eine Einladung zur U.S. Women’s Open Championship des folgenden Jahres.

Namen wie aus einem Major

Die Liste der bisherigen Siegerinnen und Finalistinnen liest sich wie die Startliste eines aktuellen Majors. Rose Zhang, Eun Jeong Seong, Minjee Lee, Alison Lee, Ariya Jutanugarn, Lexi Thompson und Inbee Park haben bei früheren Auflagen des Turniers erfolgreich gespielt, ehe sie auch im internationalen Profigolf für Schlagzeilen sorgten.
Deutsche Namen sind in der Geschichte des Turniers bislang kaum zu finden. Lily Reitter war überhaupt erst die zweite Deutsche, die an der U.S. Girls’ Junior Championship teilnahm. 2022 hatte Jordan Fischer als erste Spielerin aus Deutschland bei diesem traditionsreichen Turnier abgeschlagen. Fischer war damals allerdings in der Zählspielqualifikation am Cut gescheitert. Inzwischen spielt sie überwiegend auf der Epson Tour.


Endstand >>>

 

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