Pflanzenschutz im Golf: Das sollten Sie wissen
Was genau spritzt der Greenkeeper denn da aufs Grün? Flüssigkeiten oder Schaumbällchen, die das Platzpersonal auf den Grüns verteilt, werfen bei Golfern oder Spaziergängern entlang von Golfplätzen immer wieder Fragen auf: Ist das ein Unkrautvernichter, im Fachjargon Herbizid genannt? Oder irgendein Mittel gegen den nächsten Pilzbefall? Was genau sind das für weiße, federleichte Flöckchen, die da auf dem Grün liegen? Und vor allen Dingen – ist all‘ das eigentlich giftig?
„Die weißen Bällchen sind ganz einfach Markierungen für den Greenkeeper“, gibt Gert Schulte-Bunert, Präsident des Deutschen Greenkeeper Verbands lächelnd Entwarnung. Auf Golfanlagen, die noch nicht über GPS-gesteuerteMaschinen verfügen, wird dieser Markierungsschaum noch immer verwendet, wenn Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf Grüns eingesetztwerden.
Das Ausbringen von Flüssigdünger ist ein Anwendungsfall, den man immer wieder beim Greenkeeping beobachten kann. Mit größeren Düsen werden die Mittel gleichmäßig auf dem Grün verteilt. „Tatsächlich steht bei uns auch jetzt vor Weihnachten noch eine Dosierung an“, erläutert Daniel Lüttger, Golf Course Superintendent im GC St. Leon-Rot. Rasenpflege ist ein Ganzjahresgeschäft und keineswegs nur auf die Hauptsaison beschränkt. Lüttger und seine Kollegen können die genauen Mengen und den Anwendungsbereich inzwischen über das Lenkrad ihres Fahrzeugs bedienen, das über GPS-Daten des kompletten Golfplatzes verfügt.
Geringer Einsatz in Deutschland
Zielgenauigkeit bis ins kleinste Segment ist auch die Losung, wenn es um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geht. Hier macht Prof. Martin Bocksch, Leiter des Arbeitskreises Pflanzenschutz des Deutschen Golf Verbands, sofort klar, dass „die Anzahl der erlaubten Mittel und ihrer Anwendungen genau festgelegt und inzwischen minimal ist.“ Das heißt: Bei deutschen Golfanlagen ist eine breite und häufige Ausbringung von Insektiziden, Herbiziden oder Fungiziden gesetzlich ohnehin nicht erlaubt. Und das bei gleichzeitig steigenden Herausforderungen durch Schädlinge, Pilze und unerwünschte Gräser in den Rasenflächen.
Zum Einsatz sollten die Mittel nur bei schwerwiegendem oder akutem Befall kommen. „Dann gibt es für jedes Produkt genaue Vorgaben, was zum Beispiel die Absperrung des Geländes betrifft“, erklärt Bocksch. Dabei gilt zum Beispiel, dass die Grüns nach der Anwendung komplett abgetrocknet sein müssen, bevor sie wieder für die Golfer geöffnet sind. „Im Herbst oder Winter dauert das natürlich länger als im Sommer, generell kann man aber auch im Sommer von zwei Stunden Wartezeit ausgehen“, lautet die Empfehlung des Pflanzenschutzexperten.
„Es macht Sinn abends zu spritzen und an Tagen, an denen keine Spielgruppen unterwegs sind“, empfiehlt Schulte-Bunert, selbst Headgreenkeeper, wohl wissend, dass sich so manche Rasenkrankheit eben nicht an die Wochenplanung des Sportbüros oder des Greenkeeping-Teams hält. Taucht Dollarspot auf, muss in der Regel sehr schnell gehandelt werden, um eine größere Ausbreitung auf den Grüns zu verhindern. „In diesen Fällen muss dann eben auch konsequent tagsüber gesperrt werden“, resümiert Bocksch.
„Wo ist das Löschpapier?“
„Wo ist das Löschpapier“, lautet eine seiner Lieblingsfragen, wenn er Golfanlagen besucht und mit den Verantwortlichen über den verantwortungsvollen und richtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln spricht. „Mit dem Löschpapier kann der Greenkeeper genau erkennen, ob das Grün bereits abgetrocknet ist“, erklärt er. Deshalb gehört es zur Standardausstattung in jeder Greenkeeperhalle, was bei amtlichen Kontrollen auch überprüft wird. Wobei Bocksch auch klar macht: „Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist auf deutschen Golfanlagen standardisiert. Aufgrund der Kontrollen und der hohen Auflagen ist eigentlich allen Verantwortlichen klar, wann Schilder aufgestellt werden müssen oder Golfplätze zu sperren sind.“
Gewässerschutz ist vorrangig
Zu den Auflagen gehört zum Beispiel auch ein ausreichender Abstand zu Gewässern. Damit in Teiche, Bäche oder kleine Biotope nach Möglichkeit keine Nährstoffe aber auch Pflanzenschutzmittel eindringen, gibt es ohnehin Bauvorgaben, die Golfanlagen beachten müssen, wenn sie Grüns um- oder neu bauen. „Abstände zwischen Grün und Wasserfläche von fünf bis zehn Metern sind inzwischen die Regel “, erläutert der Golfplatzdesigner Thomas Himmel. „Ein Inselgrün mit Holzpaneelen wie wir es alle aus dem Fernsehen von der Players Championship in TPC of Sawgrass kennen, ist in Deutschland in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden kaum genehmigungsfähig.“
Sollten Gewässer tatsächlich nah ans Grün reichen oder sogar angrenzen, was zum Teil noch bei älteren Golfanlagen der Fall ist, ist die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln kompliziert. „Gewässerschutz steht an erster Stelle,“ erklärt Bocksch. Es hängt vom Mittel, der verwendeten Düse in der Spritze, dem Gefälle der Rasenfläche und den jeweiligen Vorgaben des Bundeslandes ab, welche Mindestabstände zum Gewässer dann eingehalten werden müssen.
Neue biologische Mittel
Angesichts all der Regularien tendieren Greenkeeper zunehmend zu Alternativen im Greenkeeping: Pflanzenstärkungsmittel, Algenpräparate oder Mikronährstoffdünger werden eingesetzt, um den Ernstfall zu verhindern. Das bedeutet in vielen Fällen aber auch eine häufigere Ausbringung oder mehr mechanische Arbeiten auf dem Platz.
Was, wenn dann eigentlich ein Turnier auf dem Platz stattfinden soll, Hochbetrieb in einer Golfwoche herrscht oder die Golfer einfach ihren Platz nicht räumen wollen? „Das Problem lässt sich eigentlich gut umgehen, wenn der Greenkeeper eine Strategie hat“, findet Bocksch. In der Regel kann man die Maßnahmen gut kommunizieren, wenn man ihre Dringlichkeit klar macht. Außerdem kann das Greenkeeping-Team die Sperrzeit der Grüns sofort für andere Pflege-Arbeiten nutzen, so dass der Golfer auch von einer besseren Platzqualität profitiert.“
Kommunikation, so die Empfehlung des Pflanzenschutz-Experten sei sowieso das A und O: Egal ob über Social Media, im Newsletter, per Aushang am Schwarzen Brett oder eben mit den verpflichtenden Hinweis-Schildern: Gut informierte Golfer fühlen sich sicher und wohl – egal, was aus der Spritze des Greenkeeper-Fahrzeugs kommt.








