Neue Rangliste für Frauen: Wer ist wirklich die beste Golferin?
Wer sind die besten Golferinnen der Welt? Eine scheinbar einfache Frage, die sich mit einem Blick auf die Weltrangliste klären lässt. Oder nicht? Tatsächlich ist die Antwort oft wesentlich komplexer, als es Ranglisten auf den ersten Blick vermuten lassen. Turnierergebnisse geben zwar eine klare Richtung vor, doch entscheidend ist auch, wo diese Ergebnisse erzielt wurden und gegen welche Konkurrenz. Angesichts der Vielzahl an Touren, Formaten und Turnieren weltweit kann schnell ein unübersichtliches und verzerrtes Bild entstehen. Das soll sich jetzt durch DataGolf ändern. Die Analyseplattform ist bei den Männern bereits etabliert und soll nun auch bei den Frauen für mehr Aussagekraft über die aktuellen Leistungen sorgen. Seit kurzem gibt es eine umfassende Frauen-Rangliste, die Leistungen unabhängig von Tour-Zugehörigkeit oder Turnierformat besser vergleichbar macht.
Ranking in Relation zur Konkurrenz
Das Prinzip dahinter ist klar: Die Ergebnisse einer Spielerin werden nicht isoliert betrachtet, sondern in Relation zum jeweiligen Teilnehmerfeld und zu einem globalen Leistungsniveau gesetzt. Wer konstant gut spielt – egal auf welcher Tour –, verbessert seinen Wert. Wer gegen starke Konkurrenz überzeugt, wird entsprechend höher eingestuft. Umgekehrt wirken schwache Leistungen, vor allem in weniger stark besetzten Feldern, negativ.
Umgekehrte Reihenfolge: Korda vor Thitikul
An der Spitze der neuen Rangliste steht wenig überraschend Nelly Korda, gefolgt von Jeeno Thitikul und Kim Hyo-joo. Das Trio ist zwar auch in der offiziellen Rolex-Weltrangliste ganz vorne zu finden, allerdings in anderer Reihenfolge – dort führt derzeit Thitikul vor Korda. Spannend wird es dahinter. Ein großer Teil des internationalen Frauen-Golfs spielt sich in Asien ab, insbesondere in Japan und Korea. Viele dieser Spielerinnen treten nur selten auf der LPGA Tour an und stehen daher kaum im direkten Vergleich mit den Topstars aus den USA oder Europa. Für Fans ist es dadurch oft schwierig, die tatsächliche Leistungsstärke einzuordnen.
Sakuma unter den besten Zehn – Henseleit beste Deutsche
Hier liefert DataGolf neue Perspektiven. Ein Beispiel ist die Japanerin Shuri Sakuma. Die 23-Jährige rangiert bereits unter den Top Ten des Rankings (Platz 9), obwohl sie bislang nur wenige LPGA-Turniere bestritten hat, keines davon in den USA. Auf der japanischen Tour dominiert sie jedoch seit Monaten und konnte innerhalb eines Jahres mehrere Siege feiern. Die neue Rangliste macht sichtbar, dass ihr Niveau näher an der Weltspitze liegt, als es viele bislang vermutet hätten. Esther Henseleit übrigens, die im Rolex Ranking derzeit Platz 38 belegt, wird in der Rangliste von DataGolf derzeit nur auf Platz 44 geführt. Die nächste Deutsche ist Helen Briem auf Platz 148.
„Skill Index“ macht Dominanz messbar
Was ebenfalls spannend ist: der sogenannte „Skill Index“, der die Dominanz einzelner Spielerinnen messbar macht. Während im Männerbereich Scottie Scheffler derzeit deutlich vor der Konkurrenz liegt, zeigt sich bei Korda ein ähnliches, wenn auch etwas weniger ausgeprägtes Bild. Ihr Vorsprung auf Thitikul ist geringer als der Abstand zwischen Scheffler und seinem direkten Verfolger Jon Rahm.
Blick in die Vergangenheit
Noch interessanter dürfte ein Blick in die Vergangenheit werden. DataGolf plant, die Statistiken bis ins Jahr 2000 zurückzurechnen. Damit ließen sich auch dominante Phasen von Legenden wie Annika Sörenstam oder Lorena Ochoa neu einordnen. Für das Frauen-Golf bedeutet das vor allem eine bessere Vergleichbarkeit – und damit ein klareres Bild davon, wer wirklich zur Weltspitze gehört.








