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Hat das Damengolf stark geprägt: Annika Sörenstam. | © Eakin Howard/Getty Images

Mentaltipp: Sörenstam verrät den größten Denkfehler im Golf

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Das Jahr 2001, Annika Sörenstam spielt beim Standard Register Ping als erste Spielerin auf der LPGA Tour eine 59 und schreibt damit Golfgeschichte. Ein Moment für die Ewigkeit. Und doch hatte sie damals, am Ende dieser famosen Runde, ganz andere Gedanken, mit denen sie sich beschäftigte: „Ich hatte sogar die Chance auf eine 58“, erzählte sie vor wenigen Wochen bei einer Pressekonferenz zu ihrem eigenen LPGA-Turnier im Pelican Golf Club in Florida. „Warum ist der Ball nicht gefallen? Man identifiziert sich irgendwann mit dieser Zahl – das ist einfach Teil unseres Lebens.“

Gedanken, die in eine Negativspirale führen können

Die Stars der Touren, die Woche für Woche um Preisgelder und Platzierungen kämpfen, leben meistens in dieser Welt der Zahlen. Aber der Mechanismus ist derselbe wie bei Amateuren: Der Blick auf die Scorekarte überstrahlt oft alles, was während einer Runde gut gelungen ist. Statt die vielen erfolgreichen Schläge zu würdigen, fixieren sich Spieler häufig auf das Ergebnis – und damit auf die Fehler, die es angeblich verdorben haben. Diese Gedanken führen nicht selten in eine mentale Negativspirale. 

„Man ist eigentlich nie vollständig zufrieden"

Auch LPGA-Siegerin Linn Grant kennt das Gefühl. In der gemeinsamen Gesprächsrunde mit Sörenstam sagte sie: „Es gibt so viele Tage, an denen man vom Platz kommt und sofort denkt: Das hätte ich besser machen können. Selbst wenn man einige Schläge unter Par spielt, schießt einem durch den Kopf: Den Putt hätte ich lochen müssen.“ Und weiter: „Man ist eigentlich nie vollständig zufrieden. Das macht diesen Sport so herausfordernd. Man hat ständig das Gefühl, es müsste noch besser gehen. Ich glaube, das betrifft uns alle.“

Entwickeln Sie ein Spiel im Spiel

Wer nach dem letzten Putt ausschließlich an die verpassten Chancen denkt und sich nur über die Zahl am Ende der Scorekarte definiert, gerät leicht in eine mentale Sackgasse. 
Einen Ausweg skizzieren die renommierten Mental-Coaches Pia Nilsson und Lynn Marriott, die unter anderem mit Sörenstam gearbeitet haben, auf der US-Plattform Golf Digest. Beide beobachten seit Jahren dasselbe Muster: Viele Amateure hängen so sehr am Score, weil ihnen eine alternative Orientierung fehlt. Ihr Ansatz: Eine Art „Spiel im Spiel“ entwickeln – ein persönlicher Fokus, der nichts mit dem Ergebnis zu tun hat.

Die besseren Vorsätze vor einer Runde

Das kann erstaunlich einfach sein. Nilsson und Marriott sprechen von einem „Playing Focus“ oder „Playing Promise“, etwa: Vor jedem Schlag einmal bewusst einatmen. Oder: Den Schwungabschluss zwei Sekunden lang halten. Statt also mit dem Vorsatz auf die Runde zu gehen: „Heute breche ich die 90!“, könnte das Ziel lauten: „Heute achte ich konsequent auf meinen Atem vor jedem Schlag.“ Während der Runde überprüft man sich selbst: Bin ich noch bei meinem Fokus? Und nach dem 18. Grün zählt nicht der Score, sondern die Antwort auf die Frage, wie gut es geklappt hat mit der Fokussierung.

Entspannter nach dem Spiel

Nach Erfahrung der Coaches führt diese Methode dazu, dass Spieler entspannter vom Platz gehen, weil sie sich nicht ausschließlich über die vergebenen Putts und die entgangenen Schläge definieren. Und nicht selten passiert etwas Überraschendes: Wer weniger am Score hängt, spielt plötzlich bessere Scores.

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