Kleine Mädchen – große Vorbilder
Schon mal Golf gespielt? „Noch nie.“ Schon mal eine Golferin gesehen? „Einmal im Fernsehen.“ Nele und ihre Thea sind gespannt. Sie lernen den Sport beim „Golf like a Girl Day“ im Rahmen des LET-Turniers Amundi German Masters kennen. Ein Schnuppergolfkurs auf der Driving Range, eine Golf-Clinic mit der Proette Celina Sattelkau, ein Blick auf die Olympiazweite Esther Henseleit und dazu eine Tasche voller Geschenke rund um das Thema Golf – das Programm für Golf like a Girl ist so attraktiv, dass sich mehr als 110 Mädchen für den Ausflug nach Green Eagle angemeldet haben.
Die zehnjährige Thea und ihre kleine Schwester Nele hat Vater Marcus zur Anlage gefahren. Es ist kalt, es ist regnerisch und die rosa Turnschuhe von Nele sind schon nach der Anmeldung am Haupteingang schlammverspritzt. Klar ist aber auch, die Familie ist sportbegeistert. Die zwei Mädchen spielen Handball, Tennis, machen Rhythmische Sportgymnastik. In ihrer Schule ist Thea in einem Förderprogramm des Landesportbundes für Talente. So haben sie auch die Einladung zum Amundi German Masters erhalten.
Die ersten Schwünge auf der Driving Range sind am Donnerstag, dem ersten Turniertag, noch ein bisschen steif. Hinrich Arkenau, früher Golfprofi und heute Geschäftsführer der Golfverbandes Niedersachsen-Bremen, steht neben den Mädchen auf der Driving Range und erklärt die Grundbegriffe des Schwungs, während nicht weit entfernt die eine oder andere Proette trainiert . Er ist begeistert: „Ist doch super, wie die den Ball schon treffen.“ Der Golfsport braucht weiblichen Nachwuchs. Immer mehr Golfclubs haben Probleme, überhaupt ausreichend Mädchen zu finden, die in einer Mannschaft spielen möchten.
Auch deshalb haben sich die Golfverbände Niedersachsen-Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg beim Projekt Golf like a Girl mit dem Veranstalter des Turniers U.COM und dem Titelsponsor Amundi zusammengetan und das Projekt gemeinsam auf die Beine gestellt. „Der Erfolg gibt uns recht, findet Kolja Hause, Geschäftsführer des Golfverbandes Schleswig-Holstein, „im vergangenen Jahr hatten wir noch ungefähr die Hälfte der Mädchen.“
Wer im Sport heute um die immer geringer werdende Menge von Kindern wirbt, muss einiges an Organisationstalent mitbringen. „Ja, die vergangenen vier Wochen war bei dem Thema viel los“, resümiert Annika Fricke vom Golfverband Niedersachsen-Bremen mit einem Lachen. „Aber es hat sich rentiert – trotz des schlechten Wetters. Vor allem, weil ja auch wirklich viele Kinder dabei gekommen sind, die noch nie beim Golf waren.“ Zusammen mit ihren Betreuern, die mit den Mädchen in Kleingruppen über den Platz gingen, war das Interesse für die Proetten aber schnell geweckt.
Franca Fehler, ehemals selbst Jugendkoordinatorin und als Spielerin im Hamburger Golf Club aktiv, ist „aus totaler Überzeugung dabei.“ Als Dominikus Schmidt, Geschäftsführer des Hamburger Golfverbandes bei ihr anrief und um Unterstützung bat, sagte sie sofort zu. „Das ist ja auf jeden Fall eine sinnvolle Aufgabe“, findet sie und dirigierte die Mädchengruppe vorbei am ersten Abschlag.
Ob die Mädchen nach diesem Ausflug noch einmal den Weg auf einen Golfplatz finden, wer weiß. Angebote für interessierte Kinder gibt es bei allen drei Golfverbänden im Norden und ihren angeschlossenen Clubs. „Hauptsache, wir haben das Interesse erst einmal geweckt“, findet Annika Fricke. Thea und Nele fahren vom Golfplatz in Green Eagles zusammen mit Vater Marcus weiter zu Oma und Opa. Das Gesprächsthema für den Nachmittag ist klar: Golf.






