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Streuobstwiesen | © S. Bothmer/Achimer GC, GC Erding Grünbach, P. Himmel

Jetzt sind sie eine Wucht

Optisch werten sie jede Golfanlage auf. Tatsächlich aber sind die Streuobstbestände inzwischen in vielerlei Hinsicht wertvoll für die Golfanlagen, die alljährlich oft hunderte Kilo Obst von ihren Bäumen ernten.Als Apfelsecco, Marmelade, Apfelsaft, Most oder manchmal auch Schnaps findet sich die Ernte später im Endprodukt auf der Theke des Sekretariats oder im Verkauf des Proshops wieder. Neben dem selbstproduzierten Honig haben sich auch Obstprodukte auf vielen Anlagen zum Verkaufsschläger entwickelt. 

 

Dabei wird die Ernte und Produktion zum Mitmachprojekt für Mitglieder: Der Achimer GC in Niedersachsen zum Beispiel hatte im Herbst 2025 drei Erntetermine im Programm, fast zehn Zentner Äpfel kamen zusammen, die man anschließend gemeinsam in die Mosterei Finkenburg in Thedinghausen fuhr. Dort produzierten die versammelten Golfer 320 Liter Saft, eine neue Rekordmenge, die anschließend für 3,50 Euro im Starterhaus verkauft wurde. Mehr als sechs Flaschen pro Person gab es allerdings nicht, die Nachfrage war groß. Das Beste daran: Die Einnahmen fließen – abzüglich der Produktionskosten – in Golf und Naturprojekte des Clubs.

 

Praktische Umweltbildung nennt man das, schließlich wird bei solchen Aktionen auch klar, warum Golfanlagen mit Streuobstwiesen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten: Streuobstwiesen gelten als gefährdet. Ihr Bestand geht zurück. In Mitteleuropa sind die Flächen um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. Gründe dafür sind der Wechsel zu intensivem Obstbaumanbau, der Verlust an Weideland und die zunehmende Versiegelung von Flächen. Außerdem gelten Streuobstwiesen als sehr arbeitsintensiv, weil sie schnell vergreisen, wenn man sich nicht um sie kümmert. Das heißt: Ihr Umfeld muss nicht nur regelmäßig gemäht werden, auch der Baumschnitt ist Pflicht. 

Dieses Thema hat so mancher deutsche Golfclub über Kooperationen gelöst. Der GC Weiherhof im Saarland bietet seine Streuobstwiese dem örtlichen Gartenbauverein genauso zur Pflege an wie etwa der GC Schönbuch, der bereits 2019 begann mit der Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau am Landratsamt Böblingen zusammen zu arbeiten, weil auf der Golfanlage im Raum Stuttgart immerhin 380 Obstbäume stehen. Gemeinsam veranstalten Golfanlagen, Fachstellen und Gartenbauvereine oftmals Schnittkurse für Obstbäume, die Nicht-Golfer besuchen. Gleichzeitig nehmen auch Greenkeeper oder Mitglieder der Golfclubs teil, so dass eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entsteht, weil auch noch die Bäume des Clubs fachgerecht geschnitten werden. 

 

Auf diese Weise erfahren die Golfer auch mehr über Sorten, deren Namen sie wahrscheinlich noch nie gehört haben: Brettacher zum Beispiel oder Gewürzluiken. In Deutschland gibt es über 3000 Obstsorten, die genetische Vielfalt sorgt auch für Resilienz. Gleichzeitig gehen aber immer mehr Sorten verloren. Auch in diesem Bereich sind Golfanlagen aktiv: Die Golfanlage Monrepos zum Beispiel, Teil der Grünen Oase Monrepos, pflanzt auf ihrer Anlage nur Obstbäume, die im Kreis Ludwigsburg beheimatet sind, um auf diese Weise diese heimischen Arten zu fördern. Einen verstärkten Fokus auf die Bedeutung und Gefährdung der Arten hat die UNESCO dadurch geschaffen, dass sie den Streuobstanbau in Deutschland 2021 zum Immateriellen Kulturerbe erklärt hat. 

 

Mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung haben die Streuobstbäume dadurch gewonnen. Das führte in den vergangenen Jahren – zum Beispiel im GC Gatow – auch dazu, dass Mitglieder Obstbäume für die Golfanlage spendeten.Billig sind die Pflanzen nämlich nicht. Ältere Bäume können über 200 Euro kosten, ein- bis dreijährige Pflanzen sind schon für um die 50 Euro erhältlich. Mit der Investition allein ist es aber nicht getan. Die Obstbäume sind zwar robust, aber nicht anspruchslos. Der Boden muss passen, ausreichend Sonne da sein, vor allem aber vertragen die Bäume keinen Trockenstress. Wer eine Mitgliederaktion zum Spenden von Streuobstbäumen startet, muss also auch deren regelmäßige Bewässerung und später den Baumschnitt sichern – sonst gehen die Bäume ein. Aber der Blick auf Praxisbeispiele wie beim GC Schönbuch zeigt – Golfanlagen finden Lösungen. 

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