James Braid: Zehn Meisterwerke der Open-Legende
Wenn die Senior Open Championship Ende Juli in Gleneagles gastiert, richtet sich der Blick auf einen der schönsten Golfplätze Schottlands. Der Kings Course ist zugleich das wohl bekannteste Vermächtnis eines Mannes, der den Golfsport gleich doppelt geprägt hat: James Braid.
Geboren 1870 im schottischen Earlsferry, gewann Braid zwischen 1901 und 1910 fünfmal die Open Championship und gehörte gemeinsam mit Harry Vardon und J.H. Taylor zum legendären "Great Triumvirate", das den Golfsport zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte. Doch seine vielleicht nachhaltigste Wirkung entfaltete er erst nach seiner Spielerkarriere.
Als Golfarchitekt entwarf oder überarbeitete Braid mehr als 200 Plätze auf den Britischen Inseln. Seine Philosophie war ebenso einfach wie zeitlos: Golfplätze sollten sich der Landschaft anpassen – nicht umgekehrt. Natürliche Geländekonturen, strategisch platzierte Bunker und hervorragend verteidigte Grüns standen für ihn im Mittelpunkt. Seine Plätze belohnen kluge Entscheidungen weit mehr als reine Schlaglänge – und genau deshalb wirken sie auch mehr als ein Jahrhundert später erstaunlich modern.
Anlässlich der Senior Open 2026 werfen wir einen Blick auf zehn Golfplätze, die James Braids außergewöhnliches Vermächtnis besonders eindrucksvoll widerspiegeln.
- Gleneagles – Kings Course (Schottland)
Der Kings Course ist James Braids bekanntestes Meisterwerk. 1919 eröffnet, gilt der Platz bis heute als Referenz für klassisches Inland-Golf in Schottland. Statt spektakulärer künstlicher Elemente nutzt Braid die natürliche Topografie der Perthshire Highlands. Höhenunterschiede, geschickt platzierte Bunker und ständig wechselnde Blickwinkel sorgen dafür, dass jede Bahn ihren eigenen Charakter besitzt. Die Senior Open Championship 2026 unterstreicht einmal mehr den internationalen Stellenwert dieser Anlage.
- St. Enodoc – Church Course (England)
An der Nordküste Cornwalls schuf Braid einen Links Course, der landschaftlich ebenso spektakulär wie spielerisch anspruchsvoll ist. Gewaltige Dünen, ständig wechselnde Winde und die kleine Kirche neben dem Fairway der sechsten Bahn verleihen St. Enodoc einen unverwechselbaren Charakter. Wer klassisches britisches Links Golf erleben möchte, kommt an diesem Platz kaum vorbei.
- Royal Aberdeen – Balgownie Course (Schottland)
Royal Aberdeen zählt zu den ältesten Golfclubs der Welt. Braid modernisierte den traditionsreichen Championship Course in den 1920er Jahren und trug entscheidend dazu bei, seinen heutigen Charakter zu formen. Die ersten neun Löcher entlang der Nordsee gehören zu den eindrucksvollsten Linksbahnen Großbritanniens.
- Royal Cinque Ports (England)
Nur wenige Plätze atmen so viel Open-Geschichte wie Royal Cinque Ports. Nachdem der Erste Weltkrieg und Sturmfluten den Platz schwer beschädigt hatten, wurde James Braid mit der Neugestaltung beauftragt. Heute zählt der traditionsreiche Links Course in Deal zu den großen Klassikern der englischen Südküste und ist regelmäßig Austragungsort der Final Qualifying Series für The Open.
- Carnoustie Championship Course (Schottland)
Carnoustie genießt den Ruf, einer der härtesten Golfplätze der Welt zu sein, und gilt für viele Profis als die ultimative Herausforderung der Open-Rotation. Braid war zwar nicht der ursprüngliche Architekt, seine umfangreichen Überarbeitungen trugen jedoch wesentlich dazu bei, den Championship Course an die Anforderungen des Spitzengolfs anzupassen. Bis heute zählt Carnoustie zu den größten Herausforderungen der Open-Rotation.
- Royal Troon – Old Course (Schottland)
Auch Royal Troon trägt James Braids Handschrift. Seine Modernisierungen halfen dabei, den traditionsreichen Open-Schauplatz weiterzuentwickeln, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Heute verbindet Royal Troon klassische Links-Architektur mit einigen der berühmtesten Löcher im Golfsport – allen voran dem legendären "Postage Stamp".
- Brora Golf Club (Schottland)
Brora ist Golf in seiner ursprünglichsten Form. Schafe grasen bis heute neben den Fairways, Naturzäune und Dünen prägen das Bild. Braid verstand es meisterhaft, die vorhandene Landschaft zu nutzen, anstatt sie zu verändern. Genau deshalb gilt Brora heute als einer der authentischsten Links Courses Schottlands.
- Southport & Ainsdale (England)
An Englands berühmter Golf Coast, zwischen Royal Birkdale und Hillside, liegt einer der großen Championship Courses des Landes. James Braid gestaltete Southport & Ainsdale in den 1920er Jahren grundlegend um. Der ehemalige Ryder-Cup-Schauplatz verbindet breite Fairways mit markanten Dünen und zählt bis heute zu den renommiertesten Championship Courses Englands.
- Pennard Golf Club (Wales)
"The Links in the Sky" beschreibt Pennard wohl am treffendsten. Hoch über der Three Cliffs Bay gelegen, verbindet der Platz spektakuläre Ausblicke mit klassischem Links Golf. Dünen, Heide und die Ruinen einer mittelalterlichen Burg schaffen eine Atmosphäre, die weltweit ihresgleichen sucht.
- Perranporth Golf Club (England)
Perranporth gehört zu den unterschätzten Meisterwerken James Braids. Der Platz schmiegt sich scheinbar mühelos an die zerklüftete Atlantikküste Cornwalls. Wind, Bodenwellen und natürliche Dünen bestimmen jede Runde. Gerade diese Ursprünglichkeit macht Perranporth bis heute zu einem Geheimtipp unter Kennern britischer Golfarchitektur.
Steckbrief: James Braid
Geboren: 6. Februar 1870 in Earlsferry, Fife (Schottland)
Gestorben: 27. November 1950 in London (England)
Als Spieler:
- Fünfmaliger Sieger der Open Championship (1901, 1905, 1906, 1908, 1910)
- Mitglied des legendären "Great Triumvirate" mit Harry Vardon und J.H. Taylor
- Langjähriger Club Professional im Walton Heath Golf Club
Als Golfarchitekt:
- Mehr als 200 Golfplätze entworfen oder maßgeblich umgestaltet
- Einer der einflussreichsten Golfarchitekten des frühen 20. Jahrhunderts
Design-Philosophie:
- Die Landschaft bestimmt den Golfplatz – nicht umgekehrt.
- Strategische Entscheidungen wichtiger als reine Länge.
- Natürliche Geländekonturen statt künstlicher Inszenierung.
- Anspruchsvolle Grüns und clever platzierte Bunker als zentrales Gestaltungselement.








