Henseleit, Briem und Co.: Der Weg ins europäische Team
„THIS IS OUR YEAR“ steht in weißen Großbuchstaben vor blauem Hintergrund auf der offiziellen Golf-Webseite des Solheim Cups. Dies dürften sich beide Teams vor der 20. Ausgabe des Kontinentalvergleichs zwischen den USA und Europa (7. bis 13. September) denken. Doch mit dem europäisch blauen Himmel als Hintergrund und dem Umstand, dass es ein Heimspiel in den Niederlanden ist, dürfte dieses Motto noch mehr auf die Spielerinnen rund um Europas Kapitänin Anna Nordqvist zutreffen. Schließlich will man sich nach der deutlichen Niederlage 2024 gegen Angela Stanfords Team revanchieren.
Die Frage ist, wer bei dieser Revanche im Bernardus Golf mithelfen wird. Wie immer ist Platz für zwölf Spielerinnen pro Team. Ein Teil qualifiziert sich über gesammelte Punkte im Tour-Alltag, der andere Teil wird von der schwedischen Kapitänin und ihren Assistentinnen ausgewählt. Wir werfen ziemlich genau ein halbes Jahr vor Beginn des Solheim Cups einen genaueren Blick auf den Qualifikationsprozess, den aktuellen Stand sowie die Chancen auf mindestens eine deutsche Teilnehmerin.
Deadline AIG Womens Open
Die europäische Qualifikationsphase für den Solheim Cup im Bernardus Golf begann bei der La Sella Open 2024 und endet nach der AIG Womens Open 2026, die vom 29. Juli bis 2. August im Royal Lytham & St Annes Golf Club ausgetragen wird. Das Team Europa setzt sich aus den zwei bestplatzierten, spielberechtigten Spielerinnen der LET-Solheim-Cup-Punkteliste, den sechs besten, spielberechtigten Spielerinnen des Rolex Womens World Golf Rankings sowie vier Captains Picks zusammen.
Solheim-Cup-Punkte werden 2026 für Top-Ten-Ergebnisse bei Turnieren der Ladies European Tour (LET), Top-20-Platzierungen bei gemeinsam von der LET und der LPGA Tour sanktionierten Events sowie Top-20-Ergebnisse bei Major Championships vergeben. Dabei haben die Punkte den doppelten Wert im Vergleich zum Zeitraum 2024/2025.
Unmittelbar nach Abschluss der AIG Womens Open werden jene Spielerinnen bekannt gegeben, die sich über die europäische Qualifikation einen Platz im Team gesichert haben. Die vier Wildcards wird Kapitänin Nordqvist nach dem 2. August nominieren. Dabei wird sie von ihren Vize-Kapitäninnen Caroline Hedwall, Mel Reid und Anne Van Dam unterstützt.

Stand der Dinge
Bis zum Ende des Qualifikationszeitraums werden noch jede Menge Golf gespielt und etliche Punkte vergeben. Dennoch kann bereits jetzt eine erste Prognose gewagt werden, wer mit ziemlicher Sicherheit in Blau antreten wird. Ein Blick auf die Weltrangliste genügt, um einige europäische Namen in den Top 30 zu entdecken, die ihr Ticket für die Niederlande eigentlich schon gebucht haben: Dazu gehören Charley Hull (England, Rang drei), Lottie Woad (England, Rang acht), Maja Stark (Schweden, Rang 18), Linn Grant (Schweden, Rang 24) und Celine Boutier (Frankreich, Rang 27). Bis auf Woad waren alle dieser Spielerinnen mindestens schon zweimal beim Solheim Cup dabei.
Im LET-Solheim-Cup-Ranking liegt aktuell Chiara Tamburlini aus der Schweiz vorne. Die Gewinnerin der LET Order of Merit 2024 und Fünftplatzierte der Gesamtwertung im vergangenen Jahr ist seit Beginn der Vergabe von Punkten für den Solheim Cup die beste Spielerin auf der Ladies European Tour. Sie ist jedoch durchaus noch von der Spitze dieser Wertung zu verdrängen. Immerhin werden dieses Jahr doppelte Punkte auf der LET vergeben, sodass Tamburlini ihre direkte Qualifikation in den kommenden Monaten mit sportlichen Erfolgen absichern muss. Rang zwei im Solheim-Cup-Ranking belegt übrigens Hull, die in der Weltrangliste auf Platz drei steht. Das hätte zur Folge, dass über die Weltrangliste eine weitere Qualifikantin nachrücken würde. In diesem Fall würden erst die beiden besten Spielerinnen im LET-Ranking ins Team rücken. Anschließend würde auf die sechs besten Spielerinnen im Rolex Ranking geblickt, die noch nicht qualifiziert sind.
Chance auf zwei deutsche Teilnehmerinnen
Würde der Qualifikationszeitraum morgen enden, wäre mit Esther Henseleit aktuell auch sicher eine Deutsche im Team. Die Spielerin des Elite Team Germany ist als 35. der Weltrangliste aktuell die sechstbeste Europäerin in dieser Wertung. Ihr Solheim-Cup-Debüt feierte sie vor zwei Jahren in Virginia, wo sie bei drei Einsätzen 1,5 Punkte holte – also je ein Match gewann, eins teilte und eins verlor – und durchaus zu überzeugen wusste. Damals hatte sie sich als Zweitplatzierte des LET-Rankings qualifiziert. Dieses Jahr könnte sie die starke Platzierung in der Weltrangliste also ins Team spülen.
Eine weitere Deutsche, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz im Team machen darf, ist Helen Briem. Henseleits Elite-Team-Kollegin ist in diesem Ranking mit Platz 87 zwar noch etwas hinten dran, dafür schnuppert sie als Drittplatzierte im LET-Ranking aber an einem Ticket. Allerdings gab Briem kürzlich zu bedenken, dass sie dieses Jahr nicht mehr Vollzeit auf der LET abschlagen wird, da sie erstmals für die LPGA Tour spielberechtigt ist. Weniger Starts bedeuten weniger Gelegenheiten, Punkte für die relevante LET-Wertung zu sammeln. Dies ist ihr aber definitiv zuzutrauen.

Als sie bei einer Pressekonferenz zum Amundi German Masters powered by VcG darauf angesprochen wurde, wirkte Briem über diese Situation aber nicht allzu beunruhigt: „Wenn ich mit 21 schon einen Solheim Cup gespielt habe, ist das sehr schön, aber wenn ich ihn erst später spielen würde, ist das auch nicht schlimm. Natürlich ist es mein Ziel. Und klar, es wäre etwas, das ich gerne in einem Nachbarland erleben würde. Aber wie gesagt, die Grundlage dafür ist erst einmal, gutes Golf zu spielen, und dann schauen wir, ob es am Ende reicht oder nicht.“ Und am Ende bleibt auch immer noch die Chance, über einen Pick der Kapitänin ins Team zu rücken.
Mit gleich zwei deutschen Spielerinnen so gut im Rennen liegend, hat Golf-Deutschland natürlich die Hoffnung, erstmals seit dem Heim-Solheim-Cup in St. Leon-Rot – damals mit Sandra Gal und Caroline Masson – wieder zwei Deutsche in den Wettbewerb schicken zu können. Zumal in den kommenden sechs Monaten noch so viel in den Rankings passieren kann.
Vor allem das LET-Ranking bietet Spielerinnen wie Alexandra Försterling, Laura Fünfstück, Leonie Harm oder Patricia-Isabel Schmidt die Gelegenheit, über Erfolge auf der LET ausreichend Punkte zu sammeln und ihren Traum von einer Teilnahme am Solheim Cup in den Niederlanden wahr werden zu lassen. Als kleine Motivationsspritze für alle heißt es auch hier: „THIS IS OUR YEAR“.







