„Grünes Gold“ aus Blaufelden
Ein ganz normaler Morgen um 8 Uhr in Raboldshausen: Im Ortsteil von Blaufelden (Landkreis Schwäbisch Hall) treffen wir Ernst Rieger. In Arbeitskleidung. Es gibt noch einiges zu tun, ehe der Besuch kommt. „Ich bin hier der Alte“, sagt er. Sein Geschäft hat er bereits an seine Söhne übergeben, aber ohne den „Alten“, der alles aufgebaut hat, geht’s eben doch noch nicht. Der Mann hat einen durchaus stattlichen Saatgut-Betrieb entwickelt. Adresse: In den Wildblumen 7. Das spricht für sich. Was das mit Golf zu tun hat? Eine Menge, denn ein Golfplatz verfügt über mehrere Hektar Fläche und ihre Betreiber sowie Verbandsfunktionäre werden nicht müde, immer wieder zu betonen, dass Flächen so zu bewirtschaften sind, dass sich Artenvielfalt entwickeln kann. Und genau dafür braucht es Samen von gebietseigenen Wildblumen und Wildgräsern aus gesicherten Herkünften. Und schon ist Ernst Rieger wieder im Spiel.
„Ich habe mal die Platzreife gemacht und ein paar Bälle geschlagen. Golf ist wirklich schön, aber mit fehlt einfach die Zeit dazu“, sagt Rieger. Sein Familien-Unternehmen in Blaufelden hat in vielerlei Hinsicht etwas mit Wachstum zu tun. Mitte der 1980er-Jahre fing alles an – auf einem Hektar und mit wenigen helfenden Händen. Inzwischen beschäftigt die Firma Rieger-Hofmann GmbH knapp 70 Mitarbeiter und bewirtschaftet zusammen mit 80 Anbaupartnern an ebenso vielen Standorten in ganz Deutschland derzeit knapp 700 Hektar. Von Blaufelden aus sendet sie ihr saisonales, vielfältiges Aussaatgut hinaus in die Welt. „Dieser Betrieb ist die Champions League seiner Zunft. Hier entsteht der Samen für eine naturnahe Begrünung, durch die Artenvielfalt gewährleistet wird“, sagt Jörg Vowinckel-Ewald. Er ist Manager des Projekts GolfBiodivers im Deutschen Golf Verband (DGV) und an diesem Dienstag mit einer 15-köpfigen Gruppe bei den Riegers, um den beeindruckenden Betrieb unter die Lupe zu nehmen. Der DGV hat zusammen mit vier universitären Partnern ein sechsjähriges Projekt zur ökologischen Aufwertung, das Monitoring und der Kommunikation der Biodiversität von Golfanlagen entwickelt. Das Projekt GolfBiodivers wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.


