Glawe zaubert krass
Madrid/Spanien – Im Real Club Puerta de Hierro gab es am vierten Wettkampftag aus deutscher Sicht sehr viel Licht und nur wenig Schatten.
Tjelle Rieger musste am Morgen gegen den Spanier Nicolas Garcia in den Kampf um den Einzug ins Achtelfinale bestehen. Das Nordlicht in Diensten des GC St. Leon-Rot lieferte eine Gala-Vorstellung und gewährte seinem Kontrahenten nur einen Lochgewinn. Zwingend ging der Deutsche früh in Führung und ließ beim letztlich sehr klaren 5&4-Sieg keine Fragen offen.
Im Achtelfinale machte der Hanseat, der inzwischen seine sportliche Heimat in der Kurpfalz hat, gegen Gonzalo Banos da weiter, wo er am Mittag aufgehört hatte. Der Spanier konnte auf dem dritten Loch zwar einmal in Führung gehen, aber damit waren die Lochgewinne für ihn auch schon vollständig erzählt. Rieger drehte das Match ganz cool und sicherte mit 3&2 wieder vorzeitig den Aufstieg ins Viertelfinale. In diesem trifft der 20-Jährige am Samstag um 8.50 Uhr auf Tom Osborne. Der Engländer hat bislang auch sehr überzeugend seine Matches gewonnen. Am Nachmittag steht für den Sieger dieses Duells dann noch das Halbfinale auf dem Programm.
„Ich bin sehr happy. Der Tag war perfekt. Der ganze Tag war ein Highlight, denn ich habe sehr gut gespielt. Die Chancen, die ich hatte, habe ich zum größten Teil genutzt und gleichzeitig habe ich den Gegnern wenig geschenkt.
Mit Andre Sallmann hier zu sein, ist natürlich irgendwie auch wieder schön, mit ihm mal so viel Zeit zu verbringen, nachdem wir uns nach all den Jahren mal wiedersehen. Ich bin super happy, im Viertelfinale zu stehen, muss jetzt aber natürlich auch wieder meinen Fokus setzen. Es gibt noch 72 Löcher zu spielen und die möchte ich auch spielen. Dafür muss ich einfach weiter Vertrauen in mein Spiel haben, gute Schläge machen und das beeinflussen, was in meiner Macht liegt“, ist die Bilanz des Tages von Tjelle Rieger gleich auch schon in der Fokussierung auf die möglichen Erfolge der kommenden zwei Wettkampftage von Madrid.
Glawe in der Top Ten
Wolfgang Glawe traf am Vormittag auf den Niederländer Stijn Egging. Es entwickelte sich ein ganz spezielles Match, denn der Deutsche lag schon 4down, ehe er mit krassen Schlägen den Spieß noch umdrehte und für seine grandiose Leistung mit dem Aufstieg ins Achtelfinale belohnt wurde.
Was der unter den Fittichen von Ted Long in Mannheim-Viernheim aufgewachsene Athlet des Golf Team Germany unter größtem Druck geleistet hat, brachte ihm viel Respekt ein. Der Glauben an die eigene Stärke, das Ding noch zu drehen, war fast greifbar und gab letztlich den Ausschlag.
Im Achtelfinale ging es für den Hubbelrather gegen Oscar Krzton aus Dänemark. Lange Zeit lag Glawe in Führung, konnte sich aber nicht entscheidend absetzen. Als es am Ende bei diesem Duell auf Augenhöhe ganz eng wurde, nahm der Deutsche einen Hauch zu viel Risiko bei seinen Anspielen an die Fahne und wurde für die aggressive Spielweise bestraft. Mit 2&1 gewann der Skandinavier dieses Match. Im Endklassement wird Wolfgang Glawe somit auf dem geteilten neunten Platz geführt.
Bock auf T17
Nils-Levi Bock hatte es in der Runde der besten 32 mit dem Spanier Gonzalo Banos zu tun. Direkt das erste gespielt Loch, die reguläre Bahn 10, ging an den 1,93 Meter großen Athleten vom GC St. Leon-Rot. Erhöhen konnte Bock dann aber nicht, weil Banos nicht den Hauch einer Schwäche zeigte, aber auch mitunter erkennbar mehr Glück hatte. Nils-Levi Bock, der an den Vortagen mehr als überzeugend abgeliefert hatte, spielte auch in diesem Duell stark, war aber am Ende mit 2&1 unterlegen, weil er auf einen Gegner getroffen ist, der an diesem Vormittag teils faszinierende Schläge auf den anspruchsvollen Platz zauberte. Diese famose Leistung seines Kontrahenten konnte auch der Bundesadler neidlos anerkennen: „Es war aus meiner Sicht trotzdem ein sehr guter Tag. Ich habe mich an das gehalten, was ich wollte, dass ich mein Spiel spiele. Das habe ich die ganze Zeit durchgezogen. Das ist natürlich jetzt bitter. Trotzdem war es für mich ein sehr positives Turnier. Ich konnte meine Leistung aus Portugal wieder bestätigen, dass ich auf diesem Niveau oben mitspielen kann. Und jetzt muss ich das Gelernte verarbeiten und dann in den nächsten Turnieren auf jeden Fall bestmöglich darauf antworten. Es ist halt immer beim Matchspiel so, dass alle Jungs irgendwie golfen können und es immer enge Partien sind. Ich schaue trotzdem sehr positiv auf das Turnier zurück und jetzt geht es einfach weiter.“
Im Abschlussklassement wird der Deutsche Meister von 2025 auf dem geteilten 17. Platz geführt.
Zusammenfassung des Coaches
Coach André Sallmann hatte einen über weite Strecken sehr positiven Tag erlebt: „Das war ein sehr abwechslungsreicher Vormittag. Im Matchplay gibt es unterschiedliche Kategorien an Verläufen. Wir hatten heute fast alles dabei. Es gibt Matches, bei denen es irgendwann unmöglich erscheint, noch zu gewinnen. Dazu zählte das Match von Wolfgang Glawe am Vormittag. Der Niederländer lag nach elf Löchern souverän 4auf. Und dann dreht Wolfgang das Match noch mit schier unglaublichem Golf. Das war absolut einmalig, wirklich großartig, was ich hier gesehen habe.
Tjelle Rieger hat im ersten Match des Tages seinem Gegner eine Packung verabreicht. Er hat wirklich super gespielt. Das war ein ganz sicheres Match, mit Abstand das entspannteste Match des Tages.
Dann gibt es noch knappe Matches. Dazu zählte das Duell von Nils-Levi Bock. Er hat absolut auf Augenhöhe gespielt. Es tut einem in der Seele weh, zu sehen, wie Nils-Levi nur verloren hat, weil der Spanier in den entscheidenden Situationen ein Quäntchen mehr das Glück des Tüchtigen hatte. Nils-Levi hat ein großartiges Turnier gespielt und hätte für seine Leistungen eigentlich verdient, mehr zu erreichen.“
Achtelfinale
Am Nachmittag ging es somit für Wolfgang Glawe und Tjelle Rieger im Achtelfinale weiter.
Die Ergebnisse kommentierte André Sallmann emotional, aber sachlich: „Wolfgang hat gegen einen jungen Dänen sehr knapp verloren. Leider. Auf diesem Platz muss man sich ständig für Spiellinien entscheiden. Wolfgang hat sich in diesem Match in der Nachbetrachtung halt ein paar Mal leider falsch entschieden. Seine Niederlage geht nicht auf einen Mangel an spielerischen Elementen zurück. Er hat den Preis dafür bezahlt, dass er die ein oder andere Fahne zu direkt angespielt hat, was super schade ist. Er ist jetzt sehr enttäuscht, hat dafür aber eigentlich kaum einen Grund. Wolfgang wird seinen Weg weitergehen.
Tjelle Rieger hat es auch im zweiten Match heute wieder großartig gemacht. Das passt wirklich alles und er schwimmt gerade auf einer Welle. Ich hoffe, dass die Welle riesig groß ist, denn Tjelle hat jetzt das Zeug, hier wirklich noch viel zu erreichen. Aber man muss jetzt eben Match für Match sehen. Er muss sich heute Abend neu ordnen und morgen einfach genau da weitermachen, wo er mit seinem Spiel an den letzten beiden Tagen war. Das war wirklich ganz großes Kino!“
Kreis schließt sich
Für André Sallmann und Tjelle Rieger schließt sich mit diesem Turnier in Spanien ein kleiner Kreis. Tjelle hatte als kleiner Junge bei Sallmann in Ahrensburg mit dem Golf begonnen. „Und jetzt stehe ich neben einem erwachsenen, jungen Mann, der das wirklich toll macht“, ist der Coach sichtlich bewegt, zumal er am fünften Wettkampftag seinem Schützling als Caddie zur Seite stehen wird.
„Wir werden das in Demut angehen. Bei diesem Format kann immer alles passieren, aber ich bin weiterhin sehr gespannt und sehr zuversichtlich“, blickt André Sallmann voraus.









