Glawe und Bock in der Top Ten
Alcantarilha/Portugal – Die 96. Auflage der traditionsreichen Saisoneröffnung für Männer wurde im Amendoeira Golf Resort auf dem Faldo Course ausgetragen. Nachdem die Frauen schon vor zwei Wochen ihr erstes Turnier mit Wertung für die European Amateur Order of Merit (EAOM) absolviert haben, waren nun die Männer an der Reihe, in dieses neue Kapitel des Golfsports in Europa zu starten.
Der Platz, der fünf Kilometer vom Strand entfernt im Süden Portugals liegt, hat einige Steigungen und wurde 2016 zum besten Course Portugals gewählt. Die großen Touren war dort aber noch nicht zu Gast. Um auf diesem von Sir Nick Faldo erdachten Design Chancen für Birdies zu kreieren, muss man sehr taktisch spielen und hat oft nur kleine Landezonen, um den nächsten Schlag optimal ausführen zu können.
Wolfgang Glawe
Wolfgang Glawe erwischte bei diesem Turnier mit vier Birdies bei nur zwei Bogeys einen guten Start auf dem 6.401 Meter langen Par 72 Course. Zwei unter Par bedeutete im Tagesklassement den fünften Platz, schlaggleich mit Titelverteidiger Eliot Baker aus England.
Auch nach der zweiten Wettkampfrunde lagen Baker und Glawe gleichauf, gaben mit jeweils 69 Schlägen aber einen Platz im Klassement ab.
Der Bundesadler, der im Vorjahr Deutschland erstmals bei einer Team-WM vertreten hatte, hielt seine Scorekarte blitzsauber und notierte bei seiner fehlerfreien Runde drei Birdies.
Am dritten Tag trennten sich die Wege von Glawe und Baker. Während der Hubbelrather sich nach einer gebrauchten Front Nine wieder stabilisierte und trotz drei früher Bogeys mit einem Score von 73 (+1) solide ins Clubhaus kam, fiel der Engländer mit einer 79 weit zurück. Glawe ging mit nur zwei Zählern Rückstand auf den Zweitplatzierten von Rang sechs in die Finalrunde. Der Führende, Harley Smith aus England, war mit weiteren drei Schlägen Vorsprung recht weit enteilt.
Auf der Finalrunde ging es hoch her und die Scorekarte des vom GC Mannheim-Viernheim stammenden Athleten, der inzwischen seine sportliche Heimat aber beim GC Hubbelrath hat, wurde recht bunt. Von Doppelbogey bis Birdies mischten sich die Scores, am Ende stand eine 78 (+6), die nicht ausreichte, um im Kampf um das Siegerpodest einzugreifen.
Dennoch war Glawe nach dem letzten Putt nicht unzufrieden: „Das Ergebnis nimmt man beim ersten Turnier der Saison mit. Die letzte Runde hinterlässt leider einen bitteren Nachgeschmack. Nichtsdestotrotz werde ich aus den Tagen hier in Portugal viele lehrreiche Informationen ziehen, um dann bei den nächsten Turnieren anzugreifen.“
Nils-Levi Bock
Nils-Levi Bock hatte mit drei Bogeys bei zwei Birdies einen soliden Start. 73 (+1) Schläge reichten zum Auftakt für Rang 33.
Auch am zweiten Tag musste der Athlet des GC St. Leon-Rot drei Bogeys notieren, glich diese aber mit drei Birdies sauber aus, sodass er mit einer 72 (Even Par) ins Recording kam. Im Klassement machte der Youngster damit aber keinen Boden gut.
Einen großen Sprung nach vorne machte Bock dann aber am dritten Tag. Nach sechs gespielten Löchern lag der Wahl-Kurpfälzer schon vier unter Par und machte sich auf, den Platz auseinanderzunehmen. Ganz so glatt lief es dann zwar nicht weiter, aber die 71 war an diesem Tag gut genug, um bis auf Rang zwölf zu klettern und sich damit gute Chancen auf eine Platzierung in der Top Ten zu erkämpfen.
Mit zwei Birdies auf den ersten sechs Löchern hatte der lange Schlacks einen guten Start in die Finalrunde. Nach dem Doppelbogey auf Loch 9 galt es, eine schwierige Phase zu überstehen, in der noch drei Bogeys auf die Karte kamen. Versöhnlich und mit Rang sieben im Endklassement belohnt beendete Nils-Levi Bock Tag und Turnier mit einem Birdie, sodass unter dem Strich eine solide 74 (+2) stand.
„Ich bin sehr, sehr happy mit dem Turnier. Ich hab die Off Season sehr gut genutzt, um an meinen Schwächen zu arbeiten, und das konnte ich diese Woche zeigen. Trotz des schlechten Wetters und den schwierigen Bedingungen konnte ich meine Leistungen abrufen und die tolle Woche mit einem geteilten siebten Platz beenden. Es gibt trotzdem ein paar Sachen, die ich die nächsten Wochen noch zu bearbeiten habe, um noch weiter oben mitspielen zu können“, war Bock dankbar, schon beim Saisonstart in der Top Ten zu landen.
Julius Wunsch
Julius Wunsch brachte am ersten Wettkampftag nur ein Birdie unter, musste neben einem Bogey aber auch noch zwei Doppelbogeys notieren, sodass er von Platz 60 in die zweite Runde startete.
Mit einem frühen Birdie sah es zunächst positiv für den Athleten aus den neuen Bundesländern aus, aber danach rutschten noch vier Bogeys auf die Karte, sodass Wunsch am Abend weitere fünf Plätze verloren hatte.
Auch am dritten Wettkampftag kam Wunsch nicht gut ins Spiel und beendete mit einer bunten Scorekarte, auf der von Eagle bis Triplebogey alle Zahlen zu finden waren, das Turnier auf Rang 73.
„Es war eine sehr herausfordernde Woche, in der ich leider nie so wirklich zu meinem Spielfluss gefunden habe. Ich habe einfach nicht gut gespielt und öfters auch Situationen falsch eingeschätzt oder wahrgenommen. Trotzdem war es eine coole Woche mit vielen sehr guten Spielern und ich hoffe, nächstes Mal wieder richtig angreifen zu können“, war Julius Wunsch nach seinem Ausscheiden etwas enttäuscht.
Fazit des Coaches
Marco Schmuck, der die Deutschen in den ersten Tagen begleitete, ehe er sich auf den Weg in die Türkei aufmachte, um dort andere Athleten bei der Pro Golf Tour zu unterstützen, zog ein differenziertes Fazit: „Solche Tage, wie der dritte Wettkampftag, zeigen ja oft besonders deutlich, wer bei sich bleibt und sein Spiel durchzieht. Die beiden Jungs vom Junior Team Germany haben sich in den letzten Tagen wirklich unterschiedlich präsentiert, jeder auf seine eigene Art, aber beide mit spannenden Entwicklungen. Wolfgang Glawe hat auf dem Platz viele richtig gute Antworten gefunden und vor allem die ersten beiden Runden sehr souverän gestaltet. Man hat gemerkt, dass er die Situationen gut liest und in der Lage ist, kleine Anpassungen gezielt umzusetzen – teilweise direkt im Spiel, teilweise nach der Runde in der Nachbereitung. Genau diese Fähigkeit hat ihm geholfen, sich Schritt für Schritt in eine sehr starke Ausgangsposition zu bringen. Am dritten Tag lag der Fokus für ihn vor allem darauf, clever zu bleiben, sein Spiel zusammenzuhalten und nicht unnötig ins Risiko zu gehen. Das ist ihm über weite Strecken wirklich sehr gut gelungen, was zeigt, dass er nicht nur spielerisch, sondern auch mental stabil agiert hat.“
Auch das Spiel von Nils-Levi Bock analysierte der Coach, der seine sportliche Heimat in St. Leon-Rot hat: „Nils hat an den ersten beiden Tagen vor allem vom Tee sehr überzeugend gespielt. Seine Drives waren konstant stark, und er hat sich damit viele gute Ausgangslagen erarbeitet. Leider konnte er sich mit den Pitches daraus zunächst zu selten echte Birdie-Chancen erspielen. Bei ihm ging es deshalb weniger um Technik im klassischen Sinne, sondern vielmehr um Klarheit in der Routine und darum, während des Schlages nicht zu viel nachzudenken oder noch etwas verändern zu wollen. Genau an diesem Punkt haben wir angesetzt. Ich habe ihm vor der dritten Runde gesagt, dass er, wenn er diszipliniert bleibt, seinem Plan vertraut und eine solide Leistung abruft, noch viele Plätze gutmachen kann. Und er hat genau das umgesetzt – ruhig, konzentriert und Schritt für Schritt nach vorne gearbeitet. Das war wirklich stark zu sehen.“
EAOM
Der Sieger des Turnier darf sich im Rahmen der Wertung für die European Amateurs Order of Merit auf eine Einladung zu einem Turnier der Hotelplanner Tour in Portugal freuen. Harley Smith ist damit auch der erste Leader dieser Rangliste. Wolfgang Glawe und Nils-Levi Bock haben sich mit ihrem siebten Platz eine gute Basis für die Wertung des Front Nine Swings geschaffen. Der Führende nach diesem frühen Swing bekommt ebenfalls eine Einladung für ein Turnier der 2nd Level Tour, während die Top 15 sich für die Einzel-EM und alle Turniere des Final Sprints der EAOM qualifizieren.
Zum Front Nine Swing gehören in den kommenden Wochen die Spanish International, der European Nations Cup, die Italian International, die Lytham Trophy und die Austrian International. Bei einem Sieg in Italien winkt sogar ein Startplatz auf der DP World Tour.






