Fünf Deutsche über der Cutlinie
Irvine/Schottland – An der schottischen Westküste, direkt am Ufer des Firth of Clyde, liegt Gailes Links inmitten einer der traditionsreichsten Golfregionen Europas. Unmittelbar in der Umgebung befinden sich zahlreiche weitere namhafte Plätze, darunter Dundonald Links. Auch Royal Troon liegt nur wenige gute Drives entfernt. Dieser Küstenstreifen atmet Golftradition.
In diesem inspirierenden Umfeld wird die R&A Boys Amateur Championship 2026 ausgetragen. Am ersten Wettkampftag spielten fünf Deutsche so gut, dass sie über der Cutlinie stehen und damit gute Aussichten haben, in die Matchplays einzuziehen. Nur die besten 64 der 144 Teilnehmer gehen nach zwei Runden Zählspiel in die K.-o.-Phase. Zehn weitere Deutsche müssen sich am zweiten Tag noch steigern, um ebenfalls den Sprung in die Matchplays zu schaffen.
Süntzenich mit bestem deutschen Score
Den besten Score in Schwarz-Rot-Gold lieferte David Süntzenich vom GC Hubbelrath ab. Der 16-Jährige musste zwar drei Bogeys auf die Karte nehmen, blieb mit vier Birdies aber unter Par und rangiert mit einer 70 (-1) zunächst auf dem 21. Platz.
Vor allem sein langes Spiel funktionierte zuverlässig. Süntzenich traf 15 Grüns und schuf sich damit immer wieder gute Ausgangspositionen. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig auf Gailes Links die Entscheidung ist, wann eine Fahne direkt attackiert werden kann und wann ein kontrollierter Schlag in einen sicheren Bereich die bessere Wahl ist.
Mit seiner Auftaktrunde war der Spieler des Junior Team Germany entsprechend zufrieden: „Der Platz ist in einem sehr guten Zustand. Die Fahnen waren heute teilweise extrem schwer in der Nähe von Downs oder Slopes gesteckt. Ich habe mich am Anfang nicht wirklich getraut, richtig aggressiv zu spielen, weil ich wusste, dass man dann die Fehler macht, die direkt Schläge kosten. Das ist aber genau das, was man sich hier nicht leisten kann. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich habe vor allem im langen Spiel gut gespielt und damit 15 Grüns getroffen. Das hilft natürlich auch. Ansonsten war es echt solide. Das Einzige, was mich ein bisschen im Nachhinein ärgert: Ich habe einen Putt aus deutlich unter einem Meter nicht gelocht. Aber ansonsten war es echt cool und ich freue mich auf morgen.“
Zweimal Even Par
Nur einen Schlag hinter Süntzenich liegen zwei weitere Deutsche. Sein Hubbelrather Teamkollege Malte Seidemann brachte auf dem 6.164 Meter langen Par-71-Kurs ebenfalls vier Birdies unter, musste aber auch vier Bogeys notieren. Mit 71 (Even) steht Seidemann auf dem geteilten 36. Platz.
Den gleichen Score unterschrieb Luis Brinkmann. Auch der Youngster des Münchener GC verteilte seine acht Abweichungen vom Par vollkommen ausgeglichen auf vier Birdies und vier Bogeys. Damit liegt auch Brinkmann nach der Auftaktrunde innerhalb der Top 64.
Einen weiteren Schlag zurück folgen Bjarne Murr vom GC St. Leon-Rot und Nikola Durdov vom GC Neuhof. Beide brachten eine 72 (+1) ins Recording und befinden sich damit ebenfalls noch auf der richtigen Seite der Cutlinie.
Proske sieht grundsolides Golf
Pascal Proske war am ersten Wettkampftag bei vielen Deutschen zumindest für einige Löcher dabei. Dabei ging es ihm nicht nur um die Spieler aus dem Junior Team Germany. Auch die Athleten, die derzeit nicht zum Kader gehören, wollte Proske möglichst umfassend im Turnier beobachten.
Mit dem Platz und dem Auftakt zeigte sich der Bundestrainer insgesamt zufrieden. Entscheidend für die Schwierigkeit von Gailes Links sind aus seiner Sicht weniger einzelne spektakuläre Bahnen als die Kombination aus Wetter, Boden und Fahnenpositionen: „Gailes Links ist ein alter, traditioneller Platz, der an sich nicht super schwer ist. Wie bei vielen Linksplätzen wird es über Wetter, Pin-Positions und bei hartem Boden schwer. Die Bedingungen hier waren heute sehr angenehm. Auf der Proberunde hatten wir zwar zwölf Stunden Regen, aber am ersten Turniertag gab es tolles Wetter mit nur leichtem Wind. Durch den Regen ist der Boden jetzt nicht übermäßig hart. Daher hat die Spielleitung mit anspruchsvollen Fahnenpositionen dafür gesorgt, dass der Platz nicht zu leicht wird. Die Fahnen war immer so gesteckt, dass die Windrichtung es schwer gemacht hat, direkt auf den Stock zu gehen. Entsprechend gab es heute recht viele etwas längere Putts und kleine Approaches. Das haben die Jungs mehr oder weniger gut hinbekommen. Insgesamt sieht das Golfspiel bei allen aber grundsolide aus. Ich bin guter Dinge, dass sie morgen noch mal ein paar Schläge aufholen und sich dann da entsprechend auch noch mal ein bisschen positionieren für den Cut.“
Tradition seit mehr als 100 Jahren
Die Boys Amateur Championship gehört zu den traditionsreichsten Nachwuchswettbewerben im internationalen Golfsport. Das Turnier wird seit 1921 ausgetragen und hat in seiner langen Geschichte zahlreiche Spieler hervorgebracht, die später auch im internationalen Profigolf große Erfolge feierten.
Zu den ehemaligen Siegern gehören unter anderem Michael Bonallack, José María Olazábal, Sergio Garcia, Matthew Fitzpatrick, Adrián Otaegui, Tom Lewis und David Howell. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Wettbewerbs für die internationale Nachwuchsszene.
Auch deutsche Spieler haben bei dieser Meisterschaft bereits markante Spuren hinterlassen. Bernhard Neumann gelang 2005 als erstem Deutschen der Sprung ins Finale und anschließend auch der Titelgewinn in Hunstanton. Der Erfolg hatte für den damaligen Spieler des GC St. Eurach weitreichende Folgen, denn er öffnete ihm auch die Tür zum College-Golf in den USA.
Falko Hanisch vom Berliner GC Stolper Heide ist bislang der zweite deutsche Sieger. Er gewann die Meisterschaft 2016 und erreichte ein Jahr später erneut das Finale. Zuvor hatten Max Rottluff 2010 und Michael Hirmer 2013 jeweils das Endspiel erreicht, dort aber den Titel verpasst.
Auch deshalb besitzt die Boys Amateur Championship für den deutschen Nachwuchs einen besonderen Stellenwert. Der Sieger erhält traditionell unter anderem eine Einladung zur nächsten Amateur Championship und einen Startplatz für das Final Qualifying von The Open.
Erst Zählspiel, dann Mann gegen Mann
Bevor es um den Titel im direkten Duell geht, müssen sich die Teilnehmer zunächst über zwei Runden Zählspiel qualifizieren. Insgesamt sind 144 Spieler am Start. Nach 36 Löchern wird das Feld auf die besten 64 reduziert.
Ab dem dritten Wettkampftag ändert sich der Charakter des Turniers vollständig. Dann zählt nicht mehr die Gesamtzahl der Schläge, sondern nur noch das direkte Duell. Runde für Runde geht es im Matchplay weiter, bis die beiden letzten verbliebenen Spieler das Finale bestreiten.
Für die deutschen Teilnehmer liegt der Fokus zunächst aber noch vollständig auf der zweiten Runde der Qualifikation. Süntzenich, Seidemann, Brinkmann, Murr und Durdov befinden sich aktuell innerhalb der Top 64. Dahinter bleibt für die weiteren zehn Deutschen die Aufgabe klar: Auf Gailes Links müssen am zweiten Tag einige Schläge aufgeholt werden, damit aus möglichst vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen auch Teilnehmer im Matchplay werden.







