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Hat sich mit einer Aktion in Schottland keine Freunde gemacht: Sam Bairstow. | © golfsupport.nl/Carl Fourie

Fan als Whistleblower – erst DQ, dann Strafe

Es war ein Auftritt, der Sam Bairstow teuer zu stehen kam. Beim DP-World-Tour-Event Anfang August im schottischen Trump International Golf Links notierte der Engländer zunächst eine falsche Scorekarte: An Loch 14 schrieb er eine Fünf, tatsächlich hatte er jedoch eine Sieben gespielt. Damit war sein Ergebnis um zwei Schläge zu niedrig angegeben – ein Fehler, der gemäß Regelwerk unweigerlich zur Disqualifikation führt. Zunächst erscheint dieser Fall noch nicht wirklich kontrovers. Bairstow wäre nicht der Erste, der aufgrund einer falschen Scorekarte disqualifiziert wird.

 

Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. Kurz darauf tauchte ein Video eines Zuschauers auf, das die Szene, die in direktem Zusammenhang mit dem falscheingetragenen Ergebnis steht, offensichtlich dokumentierte. In dichtem Rough war zu sehen, wie sich Bairstows Ball bewegte, als dieser ihn ansprach. Anstatt den Ball zurückzulegen und einen Strafschlag hinzunehmen, wie es die Regeln verlangen, spielte der Brite einfach weiter. Die Offiziellen wurden erst durch das Material der Fans auf die Situation aufmerksam.

Höchststrafmaß zu niedrig?

Bairstow bestritt zunächst jede Regelwidrigkeit, räumte den Vorfall schließlich aber ein und nahm die Disqualifikation hin, als er mit den Bildern konfrontiert wurde. Damit war der Fall für die Tour jedoch noch nicht abgeschlossen. Wegen Verstoßes gegen den Verhaltenskodex der DP World Tour wurde der 27-Jährige mit der höchstmöglichen Geldstrafe von 25.000 britischen Pfund belegt. Eine Sperre erhielt er jedoch nicht, was viele Spieler und Caddies sehr ärgerte. Sie kritisierten das Strafmaß als zu milde und forderten mehr Transparenz.

 

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die zentralen Säulen des Golfsports: Ehrlichkeit und Eigenverantwortung. Dass am Ende nicht die Offiziellen, sondern ein Fan den Regelverstoß aufgedeckt hat, verleiht der Kontroverse zusätzliche Brisanz und könnte die Diskussion um Strafen und Sanktionen im Profisport nachhaltig befeuern.

 

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

Nicht umsonst heißt es auf der Tour beim geringsten Zweifel, wie zu verfahren ist oder wie etwas gezählt werden muss „Ruf´ einen Referee!“ Ein Spieler kann den größten Unfug veranstaltet haben, aber wenn er einen Referee ruft, ist es dessen Sache, dem Spieler einen Weg aus dem Chaos aufzuzeigen, für den er nach Möglichkeit nicht disqualifiziert wird, wenn es irgendwie geht. Die Beschreibung des Falls hier, bei dem der Spieler wohl vom Ball zurückgetreten ist und kurz mit seinem Caddie gesprochen hat, lässt jedoch vermuten, dass er wusste, dass etwas Dummes geschehen war, aber er wollte es lieber verschweigen als einen Strafschlag zu nehmen und den Ball zurückzulegen.

 

Dazu kann es alle möglichen Gründe geben, die natürlich nicht anerkannt sind. Liegt der Ball am Ende schlechter als vorher und der Spieler hat sich keinen Vorteil verschafft? Den Strafschlag gibt es für das Bewegen des Balls, von einem Vorteil ist in der Regel nicht die Rede. Lag der Ball so wackelig auf ein paar Grashalmen, dass er wenige Sekunden später von alleine ein Stück tiefer gerutscht wäre? Dann gehört der Schläger nicht so nahe an den Ball.

 

Warum ist der Spieler nicht ehrlich zu sich selbst und steht zu dem Ergebnis, wie er es gespielt hat? Wenn das nicht so ist, wie kann er dann ehrlich zu seinen Mitspielern sein? Steht er bei seinem Ranglistenplatz so sehr unter Druck, dass er etwas nicht zählt, weil er es nicht gebrauchen kann? Niemand kann einen hohen Score durch unachtsame Aktionen gebrauchen, aber alle anderen würden die Strafe dafür mitzählen. Ist ihm auf der Runde schon so viel passiert, „dass es jetzt reicht“? Das ist leider die falsche Entscheidung, er muss alles so zählen, wie es geschehen ist. Wenn ihm jedoch der Eindruck gleichgültig ist, den er mit dieser Aktion auf seine Mitspieler macht, dann wird es in der Erkenntnis sein, dass er die Tourkarte für nächstes Jahr vermutlich verpassen wird, wenn sein Spiel sich nicht verbessert.

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